Tag der Gehörlosen

Das Handwerk verschafft Gehör

Sie hören kein Telefon, keinen Feueralarm, keine Gespräche: rund 80.000 Menschen in Deutschland meistern ihren Alltag trotz Gehörlosigkeit. Dabei unterstützt sie das Handwerk – mit Hightech-Hörcomputern, innovativen Wohnlösungen oder auch durch die Integration in das Berufsleben.

Und zwar nicht nur am 30. September, dem Internationalen Tag der Gehörlosen, sondern an 365 Tagen im Jahr.

Das menschliche Gehör kann bis zu 400.000 Töne unterscheiden und dabei gleichzeitig ausmachen, aus welcher Richtung sie kommen. Damit ist es unser leistungsfähigstes Sinnesorgan. Doch nicht nur inhaltliche Informationen werden durch das Gehör transportiert. Im Gespräch vermittelt es außerdem die emotionale Bedeutung. Umso schwerer ist es für die Betroffenen, mit Beeinträchtigungen oder dem Verlust des Hörvermögens umzugehen. Doch das Handwerk hilft.

Klangwelten erobern: Lebensqualität durch moderne Technik

„Unsere Kunden wollen vor allem eines: wieder gut verstehen können“, erläutert Gabriele Gromke, Inhaberin des Gromke Hörzentrums aus Leipzig. Dank hochentwickelter Technik wird das möglich – denn die winzigen Hörsysteme werden individuell auf die Bedürfnisse des Trägers hin programmiert. Um immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein, gehören Fortbildungen sowie eine enge Kooperation mit Forschern und Herstellern zum Berufsalltag der Handwerker. Ob intelligente Störschallunterdrückung, mit Sound-Equalizern verfeinerter Klang oder die kabellose Verbindung mit einem Handy oder Navigationsgerät per Bluetooth – Hörgeräteakustiker sind Profis in Sachen Technik. Und auch bei der barrierefreien Gestaltung von Wohnung und Arbeitsplatz hilft das Handwerk: Lichtsignalanlagen wandeln akustische Ereignisse wie das Klingeln an der Tür, das Weinen des Babys oder den Feueralarm in sichtbare Lichtimpulse um, Rüttelkissen wecken mit Vibration, und Telefone mit Bildübertragung erlauben die Kommunikation in Gebärdensprache. Trotz aller Begeisterung für Hightech ist für Gromke das Wichtigste in ihrem Beruf die Freude an der Arbeit mit Menschen: „Für mich ist es das Schönste, wenn ich einem Menschen die Rückkehr in die Welt des Hörens ermöglichen kann“, so die Unternehmerin. Dabei sind ihre Mitarbeiter bestens auf die Verständigung mit hörbehinderten Kunden eingestellt. Sie nutzen Gebärdensprache und achten auf ein gutes Mundbild: „Man muss deutlich sprechen – und nicht so sächseln“, lacht die Leipzigerin.

Ein begehrter Handwerksberuf

Handwerksbetriebe wie der von Gabriele Gromke versorgen rund drei Millionen Menschen in Deutschland mit raffinierten Hörhilfen. Neben handwerklichem Geschick und Kommunikationsfähigkeit setzt die Hörgeräteakustik daher eine Begeisterung für technische Innovationen voraus. „Viele junge Menschen, darunter zahlreiche Abiturienten, schätzen diese Vielseitigkeit“, hebt Jakob Stephan Baschab hervor. Der Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker freut sich über die entsprechend hohe Nachfrage nach Ausbildungsplätzen. Und auch internationale Hörexperten interessieren sich für die Ausbildung in Deutschland. „Der Campus Hörakustik in Lübeck verzahnt Forschung und Lehre. Er ist die größte Bildungseinrichtung dieses Gesundheitshandwerks weltweit und zieht zahlreiche Studenten aus aller Welt an“, so Baschab.

Das Handwerk öffnet Türen in die Berufswelt

Auch zur Integration von Hörgeschädigten in das Berufsleben leistet das Handwerk einen großen Beitrag. Die Druckerei Johannes Burlage etwa bietet optimale barrierefreie Berufschancen. Seit über 30 Jahren bildet das Münsteraner Familienunternehmen Jugendliche mit und ohne Hörbeeinträchtigungen zusammen aus. Das Besondere: Die Ausbildung zum Buchbinder wird von einem gehörlosen Mitarbeiter in Gebärdensprache geleistet. Bei der Kommunikation achten die Mitarbeiter auf deutliche Aussprache und Augenkontakt. Im Zweifelsfall könne man gestikulieren, zeigen oder auch schreiben, so der 52-Jährige, der für seinen Einsatz für behinderte Menschen 2009 mit dem Gütesiegel „Gute Arbeit“ der Katholischen Arbeiterbewegung im Bistum Münster ausgezeichnet wurde. „Die Zusammenarbeit mit hörbeeinträchtigten Kollegen ist Normalität“, erklärt Druckermeister Johannes Burlage. „Berührungsängste kommen da nicht auf.“ (www.handwerk.de)

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