Ein Handwerk, viele Erfinder

Am 9. November macht der Tag der Erfinder auf die Bedeutung innovatorischer Leistungen aufmerksam. Bei der Suche nach Problemlösungen und neuen Anwendungsmöglichkeiten gehen auch vom Handwerk wichtige Impulse aus.

Über alle Fachrichtungen hinweg nutzen Handwerker ihr Know-how und ihre praktische Problemlösekompetenz, um neuartige Produkte zu entwickeln und bestehende Verfahren zu optimieren. Innovationsberater der Handwerkskammern unterstützen sie auf dem Weg von der ersten Idee bis zur Marktreife.

Schützt die Pflanzen: Die mobile Beregnungstechnik ist eine innovative Erfindung eines Handwerksbetriebs.

Keine Innovationen ohne findige Vordenker. In vielen Lebensbereichen leisten Handwerker einen wichtigen Beitrag zu Fortschritt und Entwicklung. Sei tragen ganz entscheidend zur Ausdifferenzierung technischer Innovationen bei und sorgen für eine breite Anwendbarkeit in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen. Sei es durch die Optimierung und Anpassung von Produkten oder die umweltfreundliche Gestaltung technischer Abläufe und Verfahren. Meist stoßen die Handwerker in ihrem Arbeitsalltag auf konkrete Anwendungsprobleme, nicht selten geben auch individuelle Kundenwünsche den Anstoß. Das Know-how und die für handwerkliches Arbeiten charakteristische Flexibilität begünstigen Handwerker dabei nicht nur in der Ideenfindung, sondern auch in der erfolgreichen Umsetzung.

Effizienz und Hygiene durch innovative Montageschleuse

Für eine wesentliche Neuerung im Bereich Sanitärtechnik zeichnet Theodor Nocon verantwortlich, Wasserinstallateurmeister und Gründer der Nocon Evo Tec GmbH mit Sitz in Oberhausen. Er entwickelte eine Montageschleuse, mit der Trinkwasserleitungen ohne Unterbrechungen repariert und gewartet werden können. „Anfang der 90iger Jahre bekam ich den Auftrag, eine defekte Wasserleitung zu reparieren, die zur Desinfektion von Operationssälen in einem Krankenhaus genutzt wird. Dabei sollte die Reparatur bei laufendem Betrieb erfolgen“, erzählt Nocon. Damals wendete er einen selbst entwickelten Prototyp an und optimierte seine Innovation nach der ersten Bewährungsprobe. „Die Schleuse ermöglicht es, den Druck in der Leitung auch während der Reparatur aufrecht zu erhalten. Zudem wird durch die Schleuse der Kontakt zum Trinkwassernetz vermieden, der in einem Krankenhaus zu gefährlichen bakteriellen Verschmutzungen führen kann“, erklärt Nocon. Für diese Entwicklung erhielt er 2011 schließlich den Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen im Handwerk. Eine Auszeichnung, die ihn anspornt, sich weiteren Problemlösungen anzunehmen. „Ich habe viele weitere Ideen, die ich in der Zukunft realisieren möchte“, so Nocon.

Mobile Beregnungstechnik schützt Pflanzen

Den Antrieb, mit weiteren Neuentwicklungen von sich Reden zu machen, dürften auch Andreas Gawlik und Holger Voß verspüren, beide Geschäftsführer der Firma Voß Beregnungstechnik. Die Handwerker haben eine intelligente Bewässerungsanlage geschaffen, mit der Pflanzen auch während langer Transporte bewässert werden können. Die Rahmenkonstruktion ist mit Sprühdüsen ausgestattet, die eine gleichmäßige Bewässerung der Pflanzen ermöglichen. Per Sender kann der Nutzer die exakte Wassermenge zur Bewässerung eingeben und steuern, wodurch die Gefahr des Austrocknens oder Überwässern der Pflanzen erheblich gemindert wird. Den Anstoß zu Spezialanwendungen wie diesen findet Andreas Gawlik in seiner täglichen Arbeit. „Die Nähe zum Kunden ermöglicht uns eine individuelle Problemanalyse, bei der immer wieder aufs Neue unsere Fachkenntnisse gefragt sind. Kommt dann noch die zündende Idee dazu, versuchen wir es direkt in der Werkstatt zu bauen, zu testen und zu verfeinern“, erläutert er. Der Erfolg gibt ihm Recht, denn der Betrieb hat mit seiner Bewässerungsanlage bereits Pflanzenproduzenten in der Schweiz und in Frankreich überzeugt. Die erfolgreiche Markteinführung war dabei nur die letzte Etappe eines langen Weges, auf dem sich Gawlik und Voß auch externe Unterstützung geholt haben. „Die Handwerkskammer und deren Innovationsberater haben uns zum Beispiel bei Anträgen für Fördermittel oder bei der Organisation von Messeauftritten geholfen“, so Gawlik.

Innovationsberater: Von der Idee zum erfolgreichen Produkt

Bundesweit stehen Handwerksbetrieben rund 80 speziell geschulte Innovationsberater zur Seite. Einer von ihnen ist Norbert Durst von der Handwerkskammer Stuttgart. Er berät Betriebe aus den verschiedensten Gewerken und begleitet sie auf ihrem Weg von der Idee bis zum marktreifen Produkt. „Handwerker schaffen Innovationen, wenden sie an oder entwickeln sie weiter“, erklärt er stolz. Für den Experten sind auch Kooperationen zwischen Handwerk und Wissenschaft ein bedeutender Innovationstreiber. „Es findet ein sehr enger Austausch zwischen wissenschaftlichen

Instituten und handwerklichen Betrieben statt. Innovationstrends sind unter anderem im Bereich der regenerativen Energien zu erkennen“, so Durst.

Von der Idee bis zum marktreifen Produkt – innovatorische Leistungen sind fester Bestandteil handwerklichen Arbeitens. Mit Spezialwissen, einer ausgeprägten Praxisnähe und einem breit gespannten Unterstützungsnetzwerk leisten Handwerker in vielen Lebensbereichen einen bedeutenden Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands. (www.handwerk.de)

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