Handwerker mit Herz und Gehör

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Behruz Ahadi ist Hörgeräteakustiker: Der gebürtige Afghane ist sehr sozial engagiert.

Behruz Ahadi ist Hörgeräteakustiker. Als Jugendlicher kam er ohne Sprachkenntnisse aus Afghanistan nach Deutschland. Heute bereitet er sich nicht nur auf seinen Meistertitel vor, sondern hilft auch Menschen in Entwicklungsländern.

Er kombiniert viel Herz mit modernster Technik, um Menschen mit Hörschäden zu helfen.

Es gibt viele Gründe, sich für eine handwerkliche Ausbildung zu entscheiden. Bei Behruz Ahadi waren es der verheerende Tsunami in Asien 2004 und dessen Folgen, die ihn dazu bewogen haben, Hörgeräteakustiker zu werden: „In einer Dokumentation sah ich, wie Helfer nach Sri Lanka gingen, um dort hörgeschädigte Kinder zu behandeln. Da wurde mir klar, dass ich Hörgeräteakustiker werden möchte, um selbst anderen Menschen helfen zu können“, sagt der 26-Jährige, der in Frankfurt am Main arbeitet. Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung bereitet er sich derzeit auf seine Meisterprüfung vor. Das kommt ihm manchmal selbst noch wie ein kleines Wunder vor: „Als ich vor über zehn Jahren nach Deutschland kam, ohne ein Wort Deutsch zu können, hätte ich mir nicht träumen lassen, es einmal so weit zu bringen“, sagt der gebürtige Afghane. Aber er hat es geschafft, sich in kürzester Zeit ein Leben in seiner neuen Heimat aufzubauen und beruflich Fuß zu fassen. Wie Behruz Ahadi hat im Handwerk rund jeder dritte Auszubildende einen Migrationshintergrund. „Der Beruf bietet große Chancen, sich zu etablieren und zu integrieren. Im Handwerk zählen Leidenschaft und Leistung und nicht Herkunft oder Hautfarbe“, so der Hörgeräteakustiker.

Beste Technik für die Ohren

„Behruz Ahadi ist ein wahnsinnig wissbegieriger Mensch“, sagt seine Ausbilderin Tanja Di Mauro, „außerdem kann er gut mit Kunden umgehen. Deshalb wollen viele unserer Klienten ausschließlich von ihm behandelt werden.“ Diese Anerkennung macht den jungen Handwerker stolz. Und seinen Beruf findet er zu Recht wichtig: Allein in Deutschland gibt es laut dem Deutschen Gehörlosen-Bund rund 16 Millionen Schwerhörige.

Engagement über alle Grenzen hinweg

In anderen Ländern ist diese Quote noch höher – etwa in Behruz Ahadi früherer Heimat Afghanistan. Deswegen gründet der Nachwuchshandwerker gemeinsam mit seiner Ausbilderin ein eigenes Hilfsprojekt und reist 2008 in seine alte Heimat zurück. Vor Ort führt er Hörtests durch, passt Hörgeräte an und zeigt den Ärzten, wie die entsprechende Technik funktioniert. Er erfährt in Afghanistan enorme Anerkennung: Vor seinem Behandlungsraum stehen die Menschen Schlange, um sich vom „Herrn Doktor“, wie sie in anerkennend nennen, untersuchen zu lassen. Viele von ihnen sind nur dafür aus den umliegenden Dörfern angereist. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Kinder, die oft zum ersten Mal eine professionelle Behandlung erhalten. „Ein Kind zu erleben, das zum ersten Mal die Welt hört und vor Glück jubelt, ist ein unbeschreibliches Gefühl“, so Behruz Ahadi.

Die Zukunft in die eigene Hand nehmen

Den Handwerker freut es, dass er mit seinem Beruf so vielen Menschen helfen kann. Außerdem schätzt er die Abwechslung: Kundenkontakte pflegen, im Labor arbeiten oder die neueste Software erlernen – Behruz Ahadi sieht in jeder Herausforderung eine Chance, sein Wissen zu erweitern. Nach seiner Meisterprüfung möchte er wieder nach Afghanistan reisen – für seinen nächsten Einsatz sammelt er bereits Hörgeräte. Am liebsten würde er vor Ort sein Wissen vermitteln, damit die Hörgeschädigten einen Ansprechpartner haben, wenn er nicht da ist. „Mein Beruf ist meine Berufung“, sagt Behruz Ahadi, „und ich bin stolz darauf, dieses Handwerk erlernt zu haben und einsetzen zu können – denn das Leben macht doch viel mehr Spaß, wenn man hören kann.“

Die Imagekampagne des deutschen Handwerks

Im Rahmen der Imagekampagne „Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan.“ werden insbesondere Jugendliche über technische Innovationen, persönliche Entfaltungsmöglichkeiten und attraktive Berufsperspektiven im Handwerk informiert. In der neuen Rubrik „Handwerk ist mein Leben“ finden Sie ab sofort unter www.handwerk.de/superkoenner/ handwerkistmeinleben.htmlkurze Portrait-Filme über Behruz Ahadi und weitere beeindruckende Persönlichkeiten, die ihre jeweilige Lebensgeschichte aus der Welt des Handwerks erzählen. Die Portraits sind so vielfältig wie das Handwerk selbst: Von sozialem Engagement in Entwicklungsländern bis zum selbständigen Jung-Unternehmer zeigen die Filme, dass im Handwerk jeder seinen eigenen Weg finden kann. (www.handwerk.de)

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