Handwerker von Welt

+
Absolvierte ein Auslandspraktikum: Metallbauer Dieter Schräder war während seiner Ausbildung in Frankreich.

Am 3. Dezember informiert die Jugendbildungsmesse (JUBi) in Bonn über die Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes während der Ausbildung. Fremdsprachenkenntnisse, Flexibilität und die Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen – dies  wird auch im Handwerk immer wichtiger.

Mit einem Auslandspraktikum können Auszubildende im Handwerk ihre Jobchancen verbessern und ihr interkulturelles Know-how vertiefen. Unterstützt werden sie in ihrem Vorhaben von Mobilitätsberatern der Handwerkskammern. Auch der Metallbauer-Geselle Dieter Schräder hat diesen Schritt gewagt und während seiner Ausbildung ein Praktikum in Frankreich absolviert.

Eine Zeit lang in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten, war für den jungen Metallbauer Dieter Schräder aus Everswinkel bei Münster schon lange reizvoll. Da traf es sich, dass seine Ausbilderin ihm den Vorschlag unterbreitete, während der Ausbildung einige Wochen ins Ausland zu gehen.

Wenig später begann das Abenteuer für den damals 18-Jährigen: Zusammen mit einem Kollegen reiste er nach Nantes, einer Großstadt im Westen Frankreichs, um für eine Woche in einem Maschinenbaubetrieb zu arbeiten. Die Abläufe in dem 100-Mann-Unternehmen waren denen in seinem Ausbildungsbetrieb in Everswinkel sehr ähnlich. „Ich habe zum Beispiel Gewinde geschnitten und gebohrt“, erklärt Dieter Schräder.

Die zweite Station seines Auslandsaufenthalts hielt für den jungen Metallbauer dann eine völlig neue Erfahrung bereit: Sechs Wochen lang arbeitete er in einer Kunstschmiede in der französischen Stadt Angers und erfuhr, wie viele Gestaltungsmöglichkeiten sein Gewerk bietet. Da es in Frankreich viele historische Schlösser gibt, erhielt der Betrieb regelmäßig Restaurierungsaufträge, bei denen auch Dieter Schräder kräftig mithelfen konnte. „Metallbau ist sehr vielfältig, und mir gefällt das genaue und gestalterische Arbeiten“, schwärmt er. Und so konnte der Austausch-Praktikant sein Können bald an eigenen Projekten unter Beweis stellen – sein erstes Werk: „Eine geschmiedete Rose.“

Andere Länder, andere Handwerker?

Andere Länder, andere Sitten – gilt dieses Sprichwort auch fürs Handwerk? „Gravierende Unterschiede konnte ich eigentlich nicht feststellen – was mir meinen Einstieg natürlich erleichterte“, resümiert Dieter Schräder. „Meine Kollegen in den Austauschbetrieben sind mir sehr freundlich und hilfsbereit begegnet. Außerdem waren sie, was man ja eigentlich beson-ders den Deutschen nachsagt, sehr fleißig.“ Vor kleine Probleme stellte ihn allerdings die fremde Sprache: „Ich konnte nicht besonders gut Französisch. Aber mit Händen und Füßen hat die Verständigung von Beginn an geklappt. Am Ende konnte ich mich dann viel besser ausdrücken und hatte eine Menge Fachausdrücke gelernt.“

Berufsbildung ohne Grenzen: Mobilitätsberater informieren vor Ort

Damit alles reibungslos über die Bühne geht, will ein Auslandspraktikum gut vorbereitet sein. Dabei leisten die deutschen Handwerkskammern mit einem eigenen Förder- und Informationsnetzwerk für Auslandsaufenthalte tatkräftige Unterstützung. Im Rahmen des Mobilitätsprogramms „Berufsbildung ohne Grenzen“, das aus Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) finan-ziell gefördert wird, helfen sogenannte Mobilitätsberater deutschen Betrieben bei der Suche nach Partnerfirmen in ganz Europa und greifen den Nachwuchshandwerkern bei der Vorbereitung ihres Auslandspraktikums unter die Arme. Eine Beraterin der Handwerkskammer Münster war es auch, die Dieter Schräder bei seinem Frankreich-Aufenthalt unterstützte: „Sie hat mir bei der Planung sehr geholfen und mich im persönlichen Gespräch auf das Praktikum vorbereitet“, erklärt der heute 21-Jährige.

„Unverzichtbare Erfahrung“

Für Dieter Schräder verband sich mit dem mehrwöchigen Auslandspraktikum auch ein ganz konkreter Karriereschritt. Er erfüllte damit eine wichtige Voraussetzung für den Erwerb der Berufsbezeichnung „Europaassistent im Handwerk“. Die Zusatzqualifikation, die von zahlreichen Berufsschulen in Nordrhein-Westfalen angeboten wird, soll die Chancen von jungen Handwerkern auf dem europäischen Arbeitsmarkt verbessern. Das Wichtigste, das der Metallbauer aus seiner Zeit in Frankreich aber mitnimmt, ist eine noch größere Selbstständigkeit: „Sich zum ersten Mal auf eigene Faust im Ausland durchzuschlagen war eine unverzichtbare Erfahrung.“ Auf die Frage, ob er seine Entscheidung für das Auslandspraktikum wieder treffen würde, antwortet er: „Auf jeden Fall! Als Nächstes will ich meinen Meister anpacken. Danach wäre es toll, noch einmal ins Ausland zu gehen.“ Seiner weiteren Karriere dürfte das mit Sicherheit zusätzlichen Auftrieb verleihen. Denn immer mehr Handwerksbetriebe sind auch selbst im Ausland tätig und schätzen international einsetzbare Mitarbeiter. (www.handwerk.de)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.