Helena ist die Beste Fahrzeuglackiererin

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In ihrem Element: Das Wiederherstellen und Lackieren von Fahrzeugteilen gehört längst zum Alltag der 21-jährigen Helena Fischer.

Einen Monat ist es her, dass ihr alle die Hände schüttelten. Die Prüfer, die Freunde, die Eltern. Mit einem Lachen im Gesicht nahm sie bei der Handwerkskammer in Hildesheim ihre Gesellenurkunde entgegen – Helena Fischer, 21 Jahre jung, aus Hann. Münden.

Heute steht sie wie selbstverständlich in der Lackierwerkstatt der Firma Anhalt in Volkmarshausen. Nach ihrer Ausbildung ist sie gleich übernommen worden. Eben misst sie mit ihrem Azubi-Kollegen Kevin Müller die Viskosität verschiedener Autolacke – keine große Sache, zumindest keine, die darauf hindeutet, dass Helena Fischer die beste Gesellenprüfung als Fahrzeuglackiererin weit und breit absolviert hat. Aber sie hat.

Typische Männerdomäne

Damit betritt sie beruflich nicht nur eine typische Männerdomäne. Auch befeuert sie jenen Trend, der junge Frauen gerade in handwerklichen Berufen immer besser aussehen lässt. „Fakt ist, dass Frauen oft einen viel größeren Lerneifer an den Tag legen als Jungs im gleichen Alter“, sagt Julia Danne, Sprecherin der zuständigen Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen.

Die fachpraktischen Ergebnisse seien entsprechend. „Die wenigen Frauen, die verstärkt in Männerberufen eine Ausbildung machen, zählen dann oft auch zu den Besten“, sagt Danne. So seien bei den 16 in diesem Jahr geprüften Fahrzeuglackierergesellen in Südniedersachsen drei Frauen dabei gewesen – „und gleich zwei davon haben mit besten Ergebnissen abgeschnitten.“

Selbstbewusst nimmt Helena Fischer nun also ihre Arbeit auf. Inmitten ihrer durchweg männlichen Kollegen fühlt sie sich wohl und anerkannt. „Und wenn’s mal anstrengend wird, packen die Jungs halt mal mit an“, sagt sie.

Das pure Interesse an der Lackiererei hat sie an den Beruf gebracht. Kaum hatte sie die Heinrich-Sohnrey-Realschule absolviert, erwachte in ihr das Interesse für Airbrush-Painting – jene filigrane Lackiertechnik, bei der mit einer kleinen Sprühpistole detailreiche und kunstvolle Gemälde gesprüht werden.

Sie besorgte sich Material, einen Kompressor und Farben und wagte erste Gehversuche. Noch gut kann sie sich daran erinnern wie sie ihr Handy kunstvoll mit der Airbrush-Technik verziert hat.

Den Meister im Visier

Dann folgten zwei Jahre auf der Fachhochschule für Gestaltung in Göttingen. Parallel informierte sie sich weiter in Sachen Airbrush. Und irgendwann bekam sie den Tipp: „Mach die Ausbildung, dann hast du alle Grundlagen drauf“. Gesagt, getan.

Inzwischen macht ihr Hobby allerdings eine kleine Pause. So ein Arbeitstag ist eben lang, und mit kunstvollen Airbrush-Arbeiten hat er nichts zu tun. Doch will sie die Kunst des Lackierens nie aus dem Auge verlieren. „Erstmal will ich hier normal arbeiten. Und wenn das Geld reicht, mache ich vielleicht noch meinen Meister“, sagt Helena.

Von Boris Naumann

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