HNA-Volontärin Nicole Schippers arbeitet als Maurerin auf Baustelle

„Mathe ist das halbe Leben“

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Gar nicht so einfach: Maurer Dirk Baesch schaut HNA-Volontärin Nicole Schippers bei der Arbeit kritisch über die Schulter

Meine Zeit auf der Baustelle des Geschäftszentrums Korbach wird mit der Frühstückspause eingeläutet. Während mein Arbeitstag gerade erst begonnen hat, arbeiten die Maurer der Firma Fisseler bereits einige Stunden. Da knurrt der Magen.

„In den Sommermonaten arbeiten wir von 6 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags, sonst von 7 bis 17 Uhr“, berichtet Polier Detlef Matzkeit. Als ein Praktikant kommt und fragt, welches Brötchen er ihm mitbringen soll, sagt er schmunzelnd: „Das ist sonst eine typische Azubi-Aufgabe.“ Ein Auszubildender müsse die Grundrechenarten beherrschen. „Mathe ist das halbe Leben“, sagt Matzkeit. Räumliches Vorstellungsvermögen sei wichtig und teamfähig müsse er sein. „Wir müssen uns hier aufeinander verlassen können“, sagt Matzkeit und rät zu einem Praktikum, um einen ersten Eindruck vom Beruf des Maurers zu bekommen.

„Am besten gehen Sie hoch auf die obere Platte und schauen bei der Verschalung zu“, sagt Matzkeit. Ich klettere also eine Leiter hoch, die ein freundlicher Herr am oberen Ende festhält. Dafür bin ich ihm sehr dankbar, denn sie ist schon ziemlich wackelig. Oben angekommen treffe ich Günter Beutel, eine Art Urgestein auf der Baustelle. Der Maurer arbeitet seit 1970 für Fisseler. „Damit bin ich einer der Dienstältesten hier“, sagt er. Er macht seine Arbeit gern und würde diesen Beruf immer wieder ergreifen. Als Auszubildender, sagt Beutel, müsse man vor allem arbeitswillig sein. „Alles andere kommt von selbst“, fügt er hinzu.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Arben Satitaj verschalt er gerade eine Wand. Sie machen die Einschalung, also die Gussform, in die das Beton gegossen wird. Die Metallgitter stehen bereits und die Schalelemente sind einseitig auch schon angebracht. Das sind große Platten aus Aluminium. Beutel bereitet nun die Schalelemente für die andere Seite vor. Dazu trägt er ein Trennmittel auf die Platten auf, damit sich die Schalhaut von der Betonoberfläche später wieder leicht lösen lässt. Danach werden die Elemente mit einem Kran an die richtige Stelle gehoben. Beutel schiebt Gewindestangen von einer Seite bis zur anderen durch und verschraubt sie mit eine Mutter. „Heute Nachmittag gießen wir den Beton. Und wenn er hart ist, schalen wir wieder aus“, erklärt er mir.

Gerne an der frischen Luft

Ein paar Meter weiter arbeitet Dirk Baesch. Er zieht gerade eine Mauer hoch. Dabei hilft ihm Timo Wörlitz, der heute seinen ersten Tag als Praktikant hat. Wörlitz hat eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert. „Aber die Berufschancen sind eher schlecht und für mich ist das nicht das richtige, den ganzen Tag in einem Geschäft zu stehen. Ich will lieber an die frische Luft“, erklärt er. Deshalb orientiert er sich jetzt um und möchte im kommenden Jahr eine Ausbildung als Maurer beginnen.

Während er Steine schneidet, legt Dirk Baesch einen Stein auf den anderen. Dazu tunkt er sie in Kleber. „Heute muss ja alles schnell gehen“, sagt er. „Deshalb werden die Steine geklebt und nicht mehr mit Mörtel angeschlossen.“ Er drückt mir kurzerhand die Kelle in die Hand, um Mörtel aufzutragen. Das ist schwieriger als ich dachte, denn die Masse will einfach nicht dort hin, wo sie soll. Es bedarf schon einiger Übung, um einen Volltreffer zu landen.

Viel gelernt

Eine Etage tiefer arbeitet Robin Storch. Er hat seine Ausbildung zum Maurer gerade beendet und ist von der Firma Fisseler übernommen worden. „Ich habe in den drei Jahren viel gelernt“, sagt er. „Das Schöne ist, dass die Aufgabenbereiche vielfältig sind.“ Hart im Nehmen müsse ein Auszubildender sein, schließlich werde bei Wind und Wetter gearbeitet. Im Sommer, erzählt Storch, sei immer sehr viel zu tun. „Da ist Durchhaltevermögen gefragt.“

Hintergrund - Ausbildung im Maurerhandwerk

Die Ausbildung zum Maurer dauert drei Jahre. Der Monoberuf wird ohne Spezialisierung nach Fachrichtungen oder Schwerpunkten in Industrie und Handwerk angeboten. Im Jahr 2011 verfügten im Ausbildungsbereich Handwerk 70 Prozent der Ausbildungsanfänger über einen Hauptschulabschluss, im Ausbildungsbereich Industrie und Handel 57 Prozent. Während der dualen Berufsausbildung werden Maurer im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule ausgebildet. Sie arbeiten zum großen Teil auf Baustellen und in Werkhallen. Gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung bilden vertiefte Kenntnisse in den Schulfächern Mathematik, Werken und Physik sowie Interesse an den praktischen Tätigkeiten eines Maurers. Dazu gehören beispielsweise das fachmännische Herstellen von Mauerwerk aus natürlichen und künstlichen Steinen, das Mauern von Umfassungs- und Zwischenwänden von Kellergeschossen sowie das Verarbeiten von Putzen. (von Nicole Schippers) Quelle: Agentur für Arbeit

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