Internationale Entwicklungszusammenarbeit

Handwerker ohne Grenzen

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Handwerker aus Deutschland in Südafrika: Sie bauten ein neues Schulgebäude.

Aufbauhilfe in Osteuropa, Katastrophenvorsorge in Asien oder Bauprojekte in Afrika: Bei der internationalen Entwicklungszusammenarbeit ist das Know-how und Engagement deutscher Handwerker gefragt wie nie zuvor.

Bei zahlreichen Projekten großer Hilfsorganisationen und mit selbst initiierten Aktionen sind Jung und Alt weltweit im Einsatz.

Rund 13 Milliarden Dollar betrug das deutsche Budget für internationale Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2012 – nach den USA und Großbritannien Rang drei unter den Geberländern. Und auch Privatspenden an Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder die Welthungerhilfe erreichen hierzulande einen Milliardenwert, allerdings nicht nur in Form von Geld und Sachgütern: Auch mit ehrenamtlicher Arbeit helfen tausende Fachkräfte in Krisengebieten und Schwellenländern bei Bauprojekten und Katastrophenvorsorge. Unter ihnen auch zahlreiche Handwerker, die mit ihrem Know-how und ausgeprägtem Teamwork nicht selten zu Hoffnungsträgern werden.

Eine Schule in sechs Tagen

„Kleiner Segen“ heißt die Vorschule mit dem strahlend blauen Dach, das sieben Meter hoch in den südafrikanischen Himmel ragt. Hier unterrichtet die Lehrerin Emelda Mokoena 300 Kinder des Armenviertels von Witbank, etwa 300 Kilometer östlich von Johannesburg. Vor allem Englisch steht auf dem Stundenplan. Es soll ihren Schülern als „Fahrkarte“ aus der Armut der Townships dienen. Dass Mokoena dieser wichtigen Aufgabe im eigenen Schulgebäude nachgehen kann, ist hier keine Selbstverständlichkeit – und auch dem Zimmerermeister Stefan Zimmermann zu verdanken: „Im Frühjahr 2011 bin ich auf Frau Mokoenas Schulprojekt in Südafrika hingewiesen worden und habe daraufhin die Organisation für die Errichtung eines Schulgebäudes übernommen“, erklärt der 49-Jährige aus Bochum-Linden. Ein halbes Jahr lang arbeitete der Handwerker mit seinem Team unentgeltlich an den Bauplänen, besorgte mithilfe von EUFördergeldern nötige Baumaterialien und löste alle logistischen Herausforderungen. „Mit dem Werkzeug im Handgepäck flogen meine drei Azubis dann für sechs Tage nach Witbank, um das Schulgebäude zu errichten“, sagt Zimmermann, noch immer bewegt vom Engagement seiner Nachwuchshandwerker. Mithilfe der Einheimischen vor Ort bauten die Lehrlinge innerhalb von nur fünf Tagen einen zweistöckigen Holzpavillon auf Stelzen. Zimmermann hielt von Deutschland aus Kontakt und reiste zur finalen Abnahme des Schulbaus selbst nach Südafrika: „Das Resultat war überwältigend – 15 mal 15 Meter auf zwei Etagen bezugsfertig nach nur sechs Tagen! Diese Leistung hat uns alle stolz gemacht.“ Und so beschloss Zimmermanns Team noch am Abend der Einweihungsfeier, dass es nicht bei einem Schulgebäude bleiben soll. Ein Jahr später kehrten die Zimmerer zurück in das Township und errichteten einen weiteren 17 mal 17 Meter großen Bau samt Verbindungsbrücke. Und 2014 will Zimmermann die Schule sogar um ein drittes Gebäude erweitern: „Kein Strom, kein fließend Wasser, viel Gewalt. Das Elend in den Townships macht natürlich auch vor den Kindern nicht Halt. Unsere Arbeit soll ihnen einen kleinen Ort der Zuflucht – und der Zukunft – schaffen“.

Erfahrung in Ernährungsfragen

Nicht nur junge Handwerker packen tatkräftig an, wenn es um ehrenamtliche Unterstützung geht. Zahlreiche pensionierte Handwerker starten gewissermaßen in eine zweite ehrenamtliche Karriere. Einer von ihnen ist Konditor- und Bäckermeister Hans-Herbert Dörfner aus Weinstadt, der sich in China derzeit um wichtige „Fragen der Volksernährung“ kümmert. Gemeinsam mit chinesischen Bäckern erprobt der 69-Jährige Rezepte für die fernöstliche Herstellung von Weizenprodukten. „Das Getreide ist einfacher anzubauen als Reis und daher für die Chinesen ein interessanter, aber oftmals noch unbekannter Rohstoff“, erklärt Dörfner. Zu seinem außergewöhnlichen Einsatz kam der Handwerksmeister über den „Senior Experten Service“ (SES), eine Initiative von Handwerk, Industrie und Wirtschaft, die deutsche Fachkräfte in Entwicklungs- und Schwellenländer entsendet. Dort unterstützen diese mittelständische Betriebe mit ihrem Fachwissen und treten als erfahrene Berater und Impulsgeber auf. Das Besondere: Alle 11.000 Experten des SES befinden sich bereits im Ruhestand. Für Dörfner ist es bereits der sechste SES-Auftrag in vier Jahren. „Auch nach 49 Jahren Berufsleben ist die Leidenschaft für mein Handwerk ungebrochen. Daher genieße ich es, im Ruhestand mein Wissen an Menschen weiterzugeben, die vor großen Herausforderungen stehen.“ Somit dürfte der Auftrag in China auch nicht Dörfners letzter gewesen sein – der Meisterbäcker hat noch viel vor: „Die Herstellung von Backwaren ist dabei immer nur eine Sache. Wichtig ist mir als Handwerker immer auch die Etablierung einer modernen, kollegialen Mitarbeiterkultur.“ (www.handwerk.de)

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