Interview: Handwerker leisten Beitrag zum Energie sparen

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Dr.-Ing. Klaus-Dieter Clausnitzer vom Bremer Energie-Institut erklärt, wie Hausbesitzer durch Gebäudemodernisierungen sparen können und welchen Beitrag das Handwerk dabei leistet.

Clausnitzer: Ein Trend für die kommenden Jahre sind die so genannten Plusenergiehäuser. Diese Gebäude produzieren durch den Einsatz moderner Technologien wie Solarzellen, Sonnenkollektoren oder Wärmerückgewinnung mehr Energie als die Bewohner verbrauchen. Die zusätzliche Energie kann dann ins öffentliche Netz eingespeist werden oder die Bewohner laden damit ihre Elektrofahrzeuge auf. Dann hätten diese Häuser ihre eigene Stromtankstelle.

Bisher jedoch schlucken beinahe alle bestehenden Gebäude in Deutschland jede Menge Energie.

Clausnitzer: Das stimmt. Die Gebäudemodernisierung hat deshalb einen größeren Effekt auf den Energieverbrauch als der Neubau. In Deutschland werden zwar jedes Jahr 150.000 Wohnungen neu errichtet. Denen stehen aber sage und schreibe 38 Millionen Wohnungen gegenüber, die immer wieder renoviert, modernisiert und instand gesetzt werden.

Für diese Gebäudemodernisierung wird vor allem das Handwerk benötigt. Es ist außerdem viel näher am Verbraucher dran als zum Beispiel der Architekt, der oft nur alle paar Jahrzehnte bei großen Umbauten zu Rate gezogen wird. Handwerker leisten also einen Beitrag, um Energie zu sparen – und die Umwelt zu schützen.

Wie genau trägt das Handwerk zu einer Sanierung im Sinne der Energieeffizienz bei?

Clausnitzer: Das fängt bei der Energieberatung an. Sie spielt im Vorfeld der Modernisierung eine wichtige Rolle. Der Anstoß kommt oft vom Schornsteinfeger. Bei der Planung und Bauausführung sind zum Beispiel Dachdecker, Heizungsbauer, Maler und Lackierer sowie Fensterbauer und das Elektrohandwerk beteiligt.

Jeder einzelne Handwerksbetrieb kann den Hausbesitzer aber auch noch einmal individuell beraten. Beispielsweise wissen viele Eigentümer nicht, dass der Maler auch für eine moderne, innovative Dämmung sorgen kann.

Sehr viele unterschiedliche Handwerksberufe sind also an Hausmodernisierungen beteiligt. Wer übernimmt dabei die Führung?

Clausnitzer: Wenn es nicht um Großobjekte, sondern um ein kleineres Privatgebäude geht, wendet man sich am besten an einen Handwerksmeister, der die Qualifikation „Gebäudeenergieberater des Handwerks“ erworben hat.

Die 53 Handwerkskammern in Deutschland bieten einen solchen Lehrgang für Handwerker aus unterschiedlichen Berufen an. Ein Dreivierteljahr lang werden die Handwerker in den unterschiedlichen Bereichen der Energieeffizienz fit gemacht.

Der Heizungsbauer erlernt dort die aktuell beste Methode zu Dämmung kennen. Der Maurer macht sich mit neuartigen Heizungssystemen vertraut.

Wie wichtig sind solche beratenden Handwerksbetriebe für die Energiebilanz der Gebäude in Deutschland?

Clausnitzer:Die deutschlandweit rund 20.000 Handwerksbetriebe mit dieser Qualifikation spielen dabei eine Hauptrolle. Aus allen Studien geht hervor: Wenn Energieberatung in Anspruch genommen wird, dann führen die Hausbesitzer auch entsprechende Maßnahmen durch. Und das sind oft Investitionen in der Größenordnung von 20.000 Euro oder mehr. Von den Energieberatern erhalten sie den entscheidenden Impuls  und sehen, dass sich Energiesparen für sie finanziell wirklich lohnt.

Wer sein Haus saniert, kann so jede Menge Geld sparen und schützt gleichzeitig die Umwelt.

Wie viel Energie ließe sich in Deutschland mit Hausmodernisierungen einsparen?

Clausnitzer:Der Ausstoß von 130 Millionen Tonnen CO2 jährlich ist auf Gebäude zurückzuführen. Ungefähr 70 bis 80 Prozent aller Gebäude sind noch nicht auf einem energieeffizienten Stand.

Es ließen sich 100 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen, wenn man diese veralteten Gebäude modernisieren würde.

Wie würde eine Modernisierung von Häusern ohne das Handwerk aussehen? Würden wir in die Steinzeit zurückgeworfen – wie eine aktuelle Kampagne des deutschen Handwerks nahe legt? Hausmodernisierungen wären ohne das Handwerk nicht möglich. Gemeinsam mit den Handwerkern können wir es in Deutschland schaffen, dass bis zum Jahr 2050 beinahe alle Gebäude mehr Energie produzieren als sie verbrauchen.

Im Vergleich dazu erscheinen die Energieschlucker, von denen es heute noch viele gibt, natürlich als extrem veraltet – wie aus der Steinzeit, wenn Sie so wollen.

Zum Autor

Dr. Ing Klaus-Dieter Clausnitzer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bremer Energie-Institut. Seine Forschungsschwerpunkte liegen vor allem auf Themen rund um Gebäude und Energieberatung. Zuvor war er selbstständiger Ingenieur, freischaffender Architekt und Energieberater in Hannover und Bremen.

(www.handwerk.de)

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