Im Interview: Kreishandwerksmeister Hubertus Erner

Zünfte verstärkt vernetzen

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Neu in diesem Amt: Kreishandwerksmeister Hubertus Erner.

Auch am guten alten Handwerk geht die Zeit nicht spurlos vorbei, neue Zeiten sorgen für neue Herausforderungen. Wie damit umgegangen werden soll, darüber sprach Redakteur Stefan Forbert mit dem jüngst gewählten neuen Kreishandwerksmeister Hubertus Erner in Witzenhausen.

Herr Erner, Kreishandwerksmeister Werra-Meißner – ist das Lust oder Last?

Hubertus Erner: Beides. Es ist auf der einen Seite Lust. Auf der anderen Seite weiß ich, dass sich eine gewisse auch zeitliche Belastung ergeben kann.

Wollten Sie Kreishandwerksmeister werden oder sind Sie überredet worden?

Erner: Ich wollte es nicht unbedingt werden, sondern hatte eine ganz andere Lebensplanung. Aber die Herausforderung reizt mich jetzt auch. Und ich freue mich darauf.

Was ist die Herausforderung für Sie?

Erner: Ich bin ja Urhandwerker. Bäcker ist eines der ältesten Handwerke, in Witzenhausen wahrscheinlich das älteste. Doch heute haben wir neue Herausforderungen im Handwerk – beim Elektriker, beim Heizungsbauer, beim Tischler – eigentlich bei allen. Diesen Herausforderungen durch die moderne Zeit zu begegnen, das reizt mich schon.

Bei der Gelegenheit etwas Persönliches: Sie sind Konditormeister und Bäckermeister. Wollten Sie schon immer backen oder hatten Sie mal einen anderen Berufswunsch?

Erner: Man ist so da reingewachsen. Meine Eltern hatten eine Bäckerei, da bin ich dann mit eingestiegen. Es gab nie eine große Alternative. Und ich habe mir auch nie Gedanken gemacht, etwas anderes zu machen. Ich bin heute noch Bäcker mit Leib und Seele, soweit ich es machen kann.

Zurück zum Amt als Kreishandwerksmeister: Was wollen Sie jetzt als erstes angehen und eventuell anders machen als ihr Vorgänger?

Erner: Wir müssen die Vernetzung unter den einzelnen Zünften verstärken. Ich bezeichne mich da so ein bisschen als Netzwerker – einmal vom Haus her, wo wir verschiedene Bereiche abdecken und ich in verschiedenen Bereichen gearbeitet habe. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Vernetzung unter den einzelnen Handwerkszweigen im Werra-Meißner-Kreis auch noch eine gewisse Entwicklungschance birgt. Außerdem soll sich die Kreishandwerkerschaft von einem reinen Verwalter noch stärker zu einem Dienstleister des Handwerks entwickeln.

Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Ist das immer noch so?

Erner: Nicht überall und immer weniger. Aber: Es gibt Handwerksbereiche, die sich den neuen Herausforderungen gestellt haben. An einem Beispiel: Die Elektriker, die heute nur Steckdosen verkaufen, haben bestimmt ihre Probleme. Während die, die mit Fotovoltaik mit regenerativen Energien zu tun haben, auf einen Wachstumsmarkt bauen können. Das stelle ich mir auch vor bei Zimmererarbeiten, Dachdecken, Isolierungen, Gebäudemanagement – das sieht man beispielhaft, wie mit Dämmung, Heizung und elektrische Versorgung schon in einem Netzwerk gearbeitet wird.

Wo sehen Sie noch neue Herausforderungen für das Handwerk?

Erner: In den neuen Techniken: Internet, Do-it-yourself – inwieweit kann man darauf reagieren? Wir haben seit einigen Jahren eine Zweiteilung des Marktes: auf der einen Seite Märkte, in denen nur neue Produkte verkauft werden, und auf der anderen Seite der Handwerker, der nur für Reparaturen zuständig ist. Wichtig ist, dass der Handwerker nicht nur den Service leistet, sondern auch mit Verkauf verdient. Sonst bleibt für ihn im Endeffekt nicht viel übrig.

Welche Möglichkeiten haben Sie, etwas zu bewegen?

Erner: Das geht nur im Team. Wir haben einen teilweise neuen Vorstand mit altgedienten Hasen, auf deren Erfahrungen man aufbauen kann. Und man sollte die Verknüpfungen unter den einzelnen Gewerken ausbauen und auch das gegenseitige Kennenlernen, um die Probleme der anderen Handwerke besser zu verstehen.

Sie sind für ein Jahr im Amt, 2014 stehen reguläre Wahlen an. Kandidieren Sie dann erneut?

Erner: Das werde ich dann sehen, ob es mehr Lust oder mehr Frust war.

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