Seit 30 Jahren Goldschmiedin und immer noch liebt sie das Handwerk

+
Freude am Handwerk: Neben dem Anfertigen individueller Schmuckstücke gehören vor allem Um- und Aufarbeitungen sowie Reparaturen zur Arbeit von Goldschmiedin Michaela Exler.

Spielraum im Gestalterischen, ein solides Handwerk und den ganzen Tag von schönen Dingen umgeben sein - für Michaela Exler aus Hofgeismar gehört das zum Berufsalltag. „Früher war ich behangen wie ein Christbaum. Ich habe Schmuck einfach schon immer geliebt“, sagt die Goldschmiedin und lacht. Schon vor 30 Jahren ergriff sie dieses Handwerk.

„Mit 16 hatte ich mich entschieden, dass ich Design studiere. Aber vorher wollte ich etwas Handwerkliches machen“, sagt Exler. Das Schönste an ihrem Beruf sei die Anfertigung der Schmuckstücke. „Die meisten Kunden kommen ohne konkrete Vorstellung.“ Umso größer der gestalterische Spielraum sei, desto mehr Freude bereite ihr die Herstellung. Am beliebtesten seien Ringe und Anhänger. Den Grund dafür weiß die Goldschmiedin auch: „Besonders Ringe kann man den ganzen Tag betrachten und sich daran erfreuen.“

Aber es gibt auch Kunden mit ausgefallenen Wünschen. „Einmal habe ich eine Kette gemacht, für die ich zwölf Meter Kette verbraucht habe. Da konnte man das Mittelteil ganz hoch oder runter schieben“, sagt die 47-Jährige und zeichnet mit ihren Händen den Mechanismus nach. „Das war schon eine echte Herausforderung. Da saß ich ewig dran.“

Für einen solchen Fall ist die Vorstellungskraft entscheidend. „Wenn ich einen Stein oder Metall vor mir sehe, habe ich gleich etwas im Kopf.“ Deshalb sei das Handwerk an sich auch nicht vergleichbar mit industriellen Fertigungen. Doch wer ein eigens für sich angefertigtes Schmuckstück haben möchte, muss sich gedulden können. „Bei mir ist das wie, wenn man Möbel bestellt. Man muss sechs bis acht Wochen warten.“ Dann sei der schönste Moment aber, wenn der Kunde das Stück abholt und strahlt.

Doch bis dahin kann es ein weiter Weg sein. „Wer zwei linke Hände hat, und wem die Ausdauer fehlt, der ist in diesem Beruf falsch“, sagt Exler ernst. Manchmal brauche es zahllose Versuche bis etwas klappt. „Neulich habe ich eine Fassung gemacht und kurz bevor ich damit fertig war, ist sie zerbrochen. Dann muss man den Frust verarbeiten und von vorne beginnen.“

Zudem brauche man Idealismus. „Mir fällt es schwer, ein ganz kaputtes Schmuckstück abzulehnen. Deshalb habe ich, glaube ich, auch den Ruf weg, dass ich alles hinkriege“, sagt Exler und schüttelt lachend den Kopf.

Freude am Handwerk: Neben dem Anfertigen individueller Schmuckstücke gehören vor allem Um- und Aufarbeitungen sowie Reparaturen zur Arbeit von Goldschmiedin Michaela Exler.

von Julia Mohr

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.