Klingendes Handwerk

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Präzise: Der Instrumentenbauer Jochen Bischoff aus Sachsenberg setzt an einem selbst gebauten Monochord Saiten ein.

An feinem Stahldraht dreht Jochen Bischoff eine Schlaufe und hängt sie um eine Schraube. Das andere Ende fädelt der Instrumentenbauer in eine Halterung an dem langen Holzkörper. Eine von 25 Saiten ist somit an dem Monochord befestigt, einem Einton-Instrument für musik- und klangtherapeutische Zwecke.

Zahlreiche solcher Instrumente hat Jochen Bischoff aus Sachsenberg bereits hergestellt. Es sind Nischenprodukte. „Die Nachfrage hat aber enorm zugenommen“, berichtet er. In seiner Werkstatt an der Spichernstraße fertigt er auch historische Instrumente: Böhmische Harfe, Scheitholt, Cister, Kantele.

Der Diplom-Psychologe, der 2007 mit seiner Frau von Aachen nach Sachsenberg zog, hat 30 Jahre lang Erziehungsberatungsstellen geleitet. Jetzt hat er den Instrumentenbau – sein Hobby – zu seinem Beruf gemacht. Es ist der Geruch des Holzes, der ihn fasziniert. „Ahorn riecht süßlich, Olive herb, Kirsche völlig unverwechselbar“, schwärmt er. Vor allem heimisches Holz verarbeitet Jochen Bischoff. An einer Tischkreissäge schneidet er Stücke zu, an einer Bandsäge schafft er runde Formen, und durch eine Hebelmaschine schiebt er Holz, das glatt werden soll. Dann behandelt er das Material mit einer Mischung aus Leimöl und Orangenöl.

Die Instrumente stimmt er von Hand und testet, wie sie klingen. Behutsam zupft er einzelne Saiten. Er weiß, wie es sich anhören soll. Jochen Bischoff baut nicht nur Instrumente, sondern spielt auch alle, die er baut. „Außer der Harfe“, sagt er. „Dabei ist die Grifftechnik ungewohnt für mich.“

Die Schwingungen fühlen

Im Ausstellungsraum der fertigen Instrumente spielt Jochen Bischoff ein Monochord und eine Klangliege. Er lauscht den Klängen und fühlt die Schwingungen am Holz. „Das wirkt beruhigend“, sagt er. Musiktherapeuten, Heilpraktiker, Psychotherapeuten, psychosomatische Kliniken und Behinderteneinrichtungen zählen laut Bischoff zu seinen Kunden. Über das Internet erhalte er Bestellungen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Neulich haben wir eine Klangliege nach Estland verschickt.“ Bischoffs Frau Helga Wagner unterstützt ihn beim Verkauf und Versand.

„Musiktherapie ist eine non-verbale Methode, Menschen zu erreichen“, erklärt Bischoff. Bei einem Monochord zum Beispiel sind alle Saiten auf denselben Ton gestimmt. „Das hat eine ähnliche Wirkung wie ein Chor.“ Bei jedem Grundton entstehen Obertöne. Je mehr Saiten, desto stärker klinken die Obertöne. „Das sind harmonische Töne, die sich gegenseitig ergänzen“, sagt Jochen Bischoff. „Da werden Ur-Instinkte der Menschen angesprochen.“

Bei dem Jubiläums-Altstadtmarkt zu 750 Jahre Stadtrechte Sachsenberg vom 17. bis 20. August stellt Jochen Bischoff seine Instrumente aus.

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