Die Uhren schreien nicht

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Diese Arbeit geht nur mit ruhigen Händen: Jürgen Handke ist der letzte Uhrmachermeister in Bad Hersfeld. Auch sein Vater und Großvater hatten das Handwerk gelernt.

Jürgen Handke besitzt genau eine Uhr. Die trägt er am Handgelenk. Eine mechanische Uhr muss es sein. Eine Quarzuhr mit Batterien kommt für ihn nicht in Frage. Berufsehre. Handke ist Uhrmachermeister und der Letzte seiner Zunft in Bad Hersfeld.

Auch sein Vater und sein Großvater hatten das Handwerk erlernt. Handke selbst lernte an der Uhrmacherschule in Furtwangen, wo er nebenbei im Deutschen Uhrenmuseum chinesische Zeitmesser aus dem 12. Jahrhundert restaurieren durfte. Nach zwei Jahren als Berufssoldat – noch heute arbeitet er nebenberuflich im Nachrichtenwesen des Ersten Deutsch-Niederländischen Korps – legte er 1987 in Würzburg seine Meisterprüfung ab. Manche Charaktereigenschaften seien bei allen Uhrmachern gleich, sagt der 53-Jährige: „Wir sind alle äußerst penibel, pingelig und natürlich überpünktlich.“

Immer eine ruhige Hand

Die wertvollste Uhr, die er bisher reparieren durfte, war eine Da-Vinci-Uhr – ein Einzelstück mit ewigem Kalender im Wert von 120 000 Euro. Da geriet auch der sonst so gelassene Profi ins Schwitzen. „Das ist ungefähr so, als wenn man als Lokaljournalist plötzlich die Bundeskanzlerin interviewen darf“, sagt Handke, der auch bei nervenaufreibenden Millimeterarbeiten niemals seine ruhige Hand verlieren darf. „Die Ruhe bei diesem Job ist einfach wunderbar. Man ist allein und Aua schreien die Uhren auch nie“.

In seiner Freizeit spielt Handke Handball in der Altherrenmannschaft des TSV Bebra. Auch als Trainer ist er aktiv. „Manchmal muss man ja auch einfach explodieren und die Möglichkeit hat man als Uhrmacher im Job eigentlich nie“, sagt er.

Zwar haben sich Uhrwerke im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert, manche Errungenschaft hilft aber auch im traditionellen Handwerk. Früher musste ein Uhrmacher die Zusammensetzung einer Uhr bei der Wartung genau im Kopf haben, um sie wieder richtig zusammenbauen zu können. Heute helfen dabei Digitalkameras, mit denen Jürgen Handke das Innenleben einer Uhr vor dem Auseinandernehmen abfotografiert.

Ein aufwändiges Uhrenvorstellen zur bevorstehenden Zeitumstellung wird es im Juweliersgeschäft am Marktplatz nicht geben. „Die Uhren in der Auslage sollen eigentlich immer alle auf zehn vor zwei stehen“, sagt Handke. Die Zeiger sähen dann wie ein freundlich lächelndes Gesicht aus und das wirke sich positiv auf die Kundschaft aus.

Im April 2012 hat Handke sein Geschäft verkauft. Zwar ist er damit nicht mehr in der Geschäftsführung tätig, in der Werkstatt arbeitet er trotzdem weiter und sagt: „Endlich habe ich wieder Zeit Uhren zu reparieren. Und das ist es ja, was ein Uhrmacher möchte.“

Auch für jemanden der sich tagtäglich mit der Zeit beschäftigt, bleibt diese immer noch kostbar. (von Lasse Deppe)

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