Klaus Rössel ist Polsterer

Ein Job mit Fingerspitzengefühl

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Viel Handarbeit als Polsterer: Klaus Rössel verlegt gleichmäßig auf die Federleinen des Sessels das Polstermaterial Afrik (Palmenfasern).

Mit der gebogenen Nadel vernäht Klaus Rössel an dem alten Sessel den Faden mit dem Federleinen. Darauf befestigt der 54-Jährige später das Polstermaterial Afrik. Mit der gebogenen Nadel vernäht Klaus Rössel an dem alten Sessel den Faden mit dem Federleinen.

Beim klassischen Polstern ist viel Handarbeit gefragt. Damit hat sich das jahrhundertalte Handwerk bis heute kaum verändert. Seit fast 40 Jahren arbeitet Klaus Rössel als Polsterer und genießt vor allem die vielfältigen Tätigkeiten in seinem Beruf. Seit 21 Jahren arbeitet er bei der Firma Küthe Raumausstattung in Wolfhagen.

Eigentlich wollte der 54-Jährige Schreiner werden, fand aber keine Lehrstelle. „Das war früher kein Wunschkonzert“, sagt Klaus Rössel. Den Entschluss, Polsterer zu werden, bereue er nicht. „Schließlich komme ich in meinem Beruf viel mit dem Material Holz in Berührung.“

Keine Faustregel

Viel Spaß mache es ihm, alte Möbelstücke aufzuarbeiten „Bei den alten Möbeln kann ich mich richtig austoben“, sagt Klaus Rössel. Vorab muss sich der gelernte Polsterer Gedanken über die Federn, die Form des Möbelstücks und die Sitzhöhe machen. „Es gibt beim Polstern keine Faustregel, die man auf alle Möbelstück übertragen kann“, sagt der 54-Jährige. „Kein Sofa ist wie das andere - jedes Möbelstück ist ganz individuell.“

Besonders schwierig sei bei der Polsterarbeit vor allem das Schnüren der Federn. „Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt“, sagt Klaus Rössel. „Das lernt man auch nicht in den drei Jahren Ausbildung“, betont Kay Dippel, Firmeninhaber der Firma Küthe Raumausstattung in Wolfhagen. Beim Schnüren werden die Federn gestellt, aufgenäht und geschnürt, damit diese stabil sind und nicht seitlich wegknicken. Diese Arbeit verlange langjährige Erfahrung.

Den Unterschied zu den industriell hergestellten Möbeln erkenne man ganz leicht. „Dort wird mit Schaumstoff und Federkernen gearbeitet“, sagt Klaus Rössel. „Dadurch werden die Möbel schnell weich.“ In der heutigen Wegwerfgesellschaft seien diese Möbel dafür konzipiert, nur kurze Zeit nutzbar zu sein. Darin liege der große Unterschied zum traditionellen Polstern, in der noch die Handarbeit im Mittelpunkt stehe. „Unsere Möbel sind dadurch haltbarer, langlebiger und komfortabler.“

Arbeit wird schwieriger

Die Erfahrung des Firmeninhabers sei, dass die Menschen kaum noch Geld für Möbel ausgeben. „Das Polstern wird nicht aussterben, aber zunehmend schwieriger“, sagt Kay Dippel. Doch über eine schlechte Auftragslage kann sich der 44-Jährige nicht beklagen. „Es gibt noch Menschen, die Wert auf Qualität und Komfort legen.“ (von Johanna Uminski)

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