Klima-Hoch im Handwerk

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Baustellenrundgang: Martin Schmitt (Vorstand Kasseler Bank, vorn von links), Handwerkspräsident Heinrich Gringel, die Bauunternehmer Kord Kayser und Thilko Gerke, Vize-Kreishandwerksmeister Johannes Schwarz, Dr. Mattias Joseph (Handwerkskammer) und Erich Horbrügger (Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft).

Außerordentlich gute Geschäfte hat das regionale Handwerk auch im 4. Quartal 2011 gemacht und damit den positiven Jahrestrend fortgeschrieben.

Nach ersten Berechnungen haben die 16 000 Handwerksbetriebe in Nord-, Ost- und Mittelhessen ihren Umsatz im Gesamtjahr auf 8,1 Milliarden Euro gesteigert – ein Plus von 5,5 Prozent.

Und auch für 2012 herrsche solider Optimismus, sagte Handwerkspräsident Heinrich Gringel in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Historische Bestmarke

Nach den dort vorgestellten Zahlen war die Stimmung im Handwerk Ende 2011 auf einem historischen Hoch, das nicht einmal nach der deutschen Wiedervereinigung erreicht wurde: Der Geschäftsklimaindex kletterte auf 115,3 Punkte und lag noch einmal 2,4 Punkte über der Bestmarke des Vorjahres. In diesem Wert drücken sich die Geschäftslage und die Konjunkturerwartungen von 720 Betrieben aus, die die Handwerkskammer jedes Vierteljahr repräsentativ befragt.

Als gut oder befriedigend schätzten 84,4 Prozent aller Handwerksfirmen ihre aktuelle Lage ein (Vorjahr: 81,9). Zufrieden waren die Inhaber auch mit ihrer Betriebsauslastung: Mit 77 Prozent waren die Handwerksfirmen für ein Winterquartal gut ausgelastet, mehr als jeder vierte Betrieb sprach sogar von Vollauslastung.

Branchen-Unterschiede

Doch die Situation in den Branchen ist unterschiedlich. Am zufriedensten sind die Betriebe im industriellen Zulieferbereich, gefolgt vom Ausbau- und vom Baugewerbe. Dort läuft es bestens, was auch mit dem bisher milden Winterwetter zu tun haben dürfte. Die Handwerkskammer warf darauf ein Schlaglicht, indem sie ihre Pressekonferenz auf der Großbaustelle der Kasseler Bank am Scheidemannplatz veranstaltete. Unter Regie der regionalen Baufirmen Rennert (Kassel) und Kayser (Grebenstein) gestaltet die Genossenschaftsbank derzeit für 25 Millionen Euro ihren Hauptsitz bis Sommer 2013 komplett um.

Auch das Kraftfahrzeughandwerk konnte im 4. Quartal 2011 erneut zulegen, während Betriebe des Nahrungsmittel-, des Dienstleistungs- und des Gesundheitshandwerks ihre Lage schlechter als der Durchschnitt beschrieben.

Für das 1. Quartal dieses Jahres sind die Konjunkturerwartungen im Handwerk zwar etwas zurückhaltender, jedoch besser als zwölf Monate zuvor. „Vor uns liegt kein leichtes Jahr mit einigen Unbekannten“, sagte Gringel und verwies auf die anhaltenden Turbulenzen in der Eurozone. Dies führe aber andererseits dazu, dass viele Menschen lieber in die eigenen vier Wände als auf dem Kapitalmarkt investieren – was wiederum bestimmte Handwerksbranchen freut. „Auf dem privaten Bausektor profitieren wir derzeit von der Eurokrise“, sagte Bauinnungsobermeister Thilko Gerke.

Handwerkspräsident Gringel erwartet für 2012 einen weiteren Umsatzanstieg um zwei Prozent bei gleichbleibender Beschäftigtenzahl. Im regionalen Handwerk arbeiten derzeit 86 200 Menschen. (Axel Schwarz)

Obermeister: Auch an Großprojekte trauen

Wenn sich Handwerksbetriebe des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes verstärkt zu Kooperationen entschließen würden, könnten vor Ort mehr Großaufträge von regionalen Firmen ausgeführt werden. Das sagte Bauinnungsobermeister Thilko Gerke, dessen Firma Rennert zurzeit mit regionalen Handwerkspartnern die Zentrale der Kasseler Bank am Scheidemannplatz modernisiert.

Thilko Gerke

Laut deren Vorstandschef Martin Schmitt hat das Großprojekt ein Volumen von inzwischen 25 Millionen Euro. Seit November ist der neue fünfstöckige Anbau unter Dach, dort und im völlig entkernten Zentralbau arbeiten sich seither zahlreiche Bauleute ohne Wetterpausen durch den Winter.

Häufig, so Gerke, würden kleinere und mittlere Handwerksbetriebe solche Aufträge großen Industriebaufirmen überlassen – unter anderem aus Sorge, all ihre betrieblichen Kräfte an einen einzigen Auftraggeber oder an Partner binden zu müssen. Durch den Abbau von Berührungsängsten könnten die Innungen der regionalen Bau- und Ausbaubranche noch schlagkräftiger werden, meinte Gerke.

Insgesamt brummt es in Nordhessens Baukonjunktur – vor allem beim Wohnungs- und Gewerbebau konnte die Branche gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent zulegen. „Wenn es mehr Grundstücke gäbe, würde noch wesentlich mehr gebaut“, sagte Thilko Gerke. Demgegenüber seien Hochbau-Aufträge der öffentlichen Hand um 22 Prozent zurückgegangen – nach dem Auslaufen von Konjunkturprogrammen und -paketen sei bei diesen Auftraggebern eine gewisse „Verausgabung“ eingetreten. Die Baubranche habe auch zunehmend Probleme, Fachkräfte und beruflichen Nachwuchs zu rekrutieren. (asz)

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