Leerlauf auf Bau vorbeugen

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Dauert länger: Wegen Problemen bei den Gründungsarbeiten wird der Neubau des Modehauses Peek & Cloppenburg am Kasseler Königsplatz später als geplant fertig. Polier Andreas Kastrop beobachtet die Arbeiten. An der Uni Kassel wird an einem Simulationsprojekt gearbeitet, das Mehrkosten durch Verzögerungen möglichst vermeiden soll.

Am Bau, vor allem wenn es um Großprojekte geht, kommt manches oft anders, als Planer und Handwerker gedacht haben. Ein jüngeres Beispiel dafür ist die Errichtung der Elbphilharmonie in Hamburg.

Wegen der verspäteten Fertigstellung des großen Konzertsaals kam es dort im vergangenen Jahr zum Streit zwischen der Stadt und dem beauftragten Bauunternehmen. Auch die Arbeiten beim Neubau des Modehauses Peek & Cloppenburg am Kasseler Königsplatz dauern länger. Doch Bauverzögerungen sorgen nicht nur für Ärger. Sie kosten auch viel Geld und verteuern Projekte.

Dank eines Forschungsprojektes der Universität Kassel könnte sich das schon bald ein Stück weit ändern. Prof. Dr.-Ing. Volkhard Franz, Sprecher der Arbeitsgruppe „Unikatprozesse“, sowie Wissenschaftler des Instituts für Bauwirtschaft der Uni Kassel arbeiten an einem Simulationssystem namens Cismo, mit dem sich die verschiedenen Phasen eines Bauprojekts exakter planen und mit dessen Hilfe die Projektbeteiligten schneller bei unvorhergesehenen Problemen gegensteuern können.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird mit 300 000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. „Das Ziel ist die digitale Baustelle“, sagt Franz.

Durch eine bessere Verzahnung der Prozesse ließen sich Bauprojekte beschleunigen, Kosten exakter vorausberechnen und die Folgen von Änderungswünschen besser abschätzen, die Bauherren äußern. Mit dem Simulationsmodell ließen sich vielfach bis zu 20 Prozent der Baukosten sparen, schätzt Franz.

Rechnergestützte Simulationsmodelle sind im Anlagenbau und bei der Errichtung von Fabriken schon länger im Einsatz. Doch bei der Entwicklung eines digitalen, steuerbaren und zugleich anschaulichen Ablaufplans für Großbaustellen sind die Kasseler Forscher laut Prof. Franz zumindest europaweit Vorreiter.

Die Simulation einer Baustelle sei wesentlich komplexer als die einer Fabrik. Jeder Bau sei anders, verändere sich täglich und sei ständig in Bewegung. Zudem sei eine Vielzahl von Gewerken zu berücksichtigen.

Wegen der Vielzahl der Akteure, so erläutert der Professor, komme es bisher immer wieder zum Leerlauf. Beispiele: Maurer müssen warten, weil Material fehlt. Elektriker kommen vergeblich, weil Trockenbauer noch arbeiten.

Erstmals soll das Programm an einer Passivhaus-Siedlung getestet werden, die die Lohfeldener Baufirma Krieger und Schramm errichtet hat. Kürzlich haben die Kasseler Wissenschaftler ihre Konzepte mit Vertretern aus Hochschulforschung und Industrie diskutiert und verglichen. Das DFG-Projekt läuft noch ein Jahr. Um die Simulation zur Marktreife entwickeln zu können, sucht Prof. Franz aber bereits nach einer Anschlussfinanzierung und weiteren Industriepartnern. (Von Peter Dilling)

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