Mangelware junge Bäcker

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Sie sind die Ausnahme: Marcel Pagel (links) und Til Poltermann haben im August 2011 ihre Ausbildung bei der Bäckerei und Konditorei Amthor in Trendelburg begonnen.

„Für viele scheint zum Beispiel eine kaufmännische Ausbildung einfach attraktiver“, sagt Bernd Riede, Obermeister der Bäcker-Innung in der Region Kassel. 47 Betriebe umfasst die Innung, allesamt würden grundsätzlich Bäckernachwuchs ausbilden. Allein die Bewerber fehlen oder sind unterqualifiziert.

Diese Sorgen kennt auch Martina Simon, Chefin in der Trendelburger Bäckerei und Konditorei Amthor. „Nicht jeder will in der Nacht mit der Arbeit anfangen und die Aussicht nach der Prüfung eventuell auch sonntags arbeiten zu müssen, schreckt auch viele ab“, erklärt die Konditormeisterin.

Die 49-Jährige leitet mit ihrem Ehemann Martin Simon, stellvertretender Obermeister der Bäcker-Innung, sowie zwei Söhnen das Unternehmen, das 46 Mitarbeiter beschäftigt. „Im vergangenen Jahr haben wir Plakatwerbung gemacht, um Auszubildende zu finden“, beschreibt die Chefin ihre Not bei der Suche nach Nachwuchs.

Doch die Werbeaktion war von Erfolg gekrönt. Im August 2011 traten Marcel Pagel und Til Poltermann, beide aus Trendelburg, ihre Ausbildung zum Bäcker an. Heute erklären der 18- und der 15-Jährige übereinstimmend, dass Bäcker zwar nicht ihr Traumberuf war, es jetzt aber nahezu geworden ist.

„Es macht mir sehr viel Spaß im Team zu arbeiten“, sagt Pagel, der zuvor auf der Suche nach einer Lehrstelle war und alles annehmen wollte, was ihm angeboten wurde. Der frühe Arbeitsbeginn um 2.30 Uhr stört ihn wider Erwarten nicht. „Die erste Stunde ist anstrengend, weil man noch mit der Müdigkeit kämpft. Danach lässt sie nach, da man ständig in Bewegung ist“, so der Auszubildende.

Til Poltermann wollte auf jeden Fall eine handwerkliche Ausbildung machen. Auf die Idee, Bäcker zu werden, brachte ihn eine Bekannte, nachdem sie die Plakate der Bäckerei Amthor gesehen hatte.

„Es gibt Jahre, da findet man einfach keinen Auszubildenden, weil sie aus der unmittelbaren Umgebung kommen oder wegen der Arbeitszeit umziehen müssen“, sagt Martina Simon. Die meisten Auszubildenden seien zu jung, um im Besitz eines Führerscheins zu sein. Ein Umzug stehe meist wegen der Höhe der Ausbildungsvergütung nicht zur Diskussion. (ziv/mip)

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