Marcus Ernst ist heute der einzige Hofgeismarer Bäckermeister

Früher zehn Bäckereien

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In der Weihnachtsbäckerei: In der Kabemühle werden nicht nur Brot und Brötchen gebacken. Derzeit, stehen auch Quarkstollen hoch im Kurs, die Ralph Schrage von der Bäckerei Ernst hier gerade herstellt.

„Uns gibt es seit 120 Jahren und es wird uns noch länger geben“, meinte gestern Cathrin Ernst-Emde von der Hofgeismarer Bäckerei Ernst, nachdem sie unseren Artikel über das Bäckereisterben gelesen hatte. Man müsse sich auf die Kundenwünsche einstellen, dann würde man am Markt auch bestehen.

Die Bäckerei Ernst ist die einzige, die es in Hofgeismar noch gibt. Früher waren es deutlich mehr, erinnerten sich viele unserer Leser. „Als ich zur Schule ging, gab es mindestens zehn Bäckereien“, erzählte uns beispielsweise die 1940 geborene Brunhilde Haberzettel aus Hofgeismar und hat auch spontan die Namen noch parat. Vielleicht, so sagt sie, gab es sogar noch ein paar mehr als Hartmann (Steinweg), Wilhelm (Töpfermarkt), Rohde (Mühlenstraße), Kompfe (Schöneberger Tor), Tischer und Born (Farbestraße), Kuhlmann (Georgenstraße), Glänzer (Marktplatz) und Vinson (Elisabethstraße) und eben die Bäckerei Ernst (Kabemühle), die es heute noch gibt.

Ihre Backwaren vertreiben sie in der Fleischerei Köhler und im Geschäft in Hombressen. Vor allem aber haben sie ihre Verkaufswagen, die Kunden Brötchen oder Brot direktvor die Haustür bringt.

Den Service hat Bäckermeister Herrmann Ernst einst eingeführt - und Sohn Marcus hat ihn übernommen und ausgebaut. Im gesamten Kreisteil sind die Wagen unterwegs, bringen die Brötchen sogar bis an die Haustüre. Es ist ein Beispiel dafür, wie man sich erfolgreich auf Kundenwünsche einstellt.

Ein andereres Beispiel ist die Auswahl an Produkten, sagt Cathrin Ernst-Emde. Gab es bis in die 80er Jahre in den Bäckereien meist nur zwei oder drei Sorten Brot, so sind es heute fast zwei Dutzend.

Das Handwerk müsse auf die Kundenwünsche und Trends reagieren, so die Geschäftsfrau. Gelingt das, dann hat man Zukunft. So wie ihr Betrieb. War ihr Schwiegervater in der Bäckerei noch alleine, so backen heute acht Gesellen. „15 Tonnen Mehl pro Monat“ werden monatlich benötigt, sagt Bäckermeister Marco Ernst.

Dass die Konkurrenz durch Brötchenverkauf in Tankstellen oder durch Filialisten in Super- und Einkaufsmärkten vorhanden ist, streitet er nicht ab. „Aber unsere Brötchen sind von der Qualität her besser“, sagt er selbstbewusst. Ob der Kunde den Unterschied schmecken kann? „Natürlich“, betont seine Frau Cathrin. Bäcker-Brötchen schmecken auch noch hervorragend, wenn sie schon zwei Stunden aus dem Backofen sind. Ernst-Emde: „Da fühlt man den Unterschied schon, wenn man das Brötchen in die Hand nimmt. Und erst recht, wenn man es im Mund hat.“

Und weil das so ist, so ist sie sich sicher, wird es ihre Bäckerei noch lange geben, auch wenn es gestern versehentlich in unserer Zeitung hieß, dass es in Hofgeismar keinen selbständigen Bäcker mehr gibt. (von Michael Rieß)

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