Ein ganzes Leben für Gardinen

+
Inmitten von Stoffen, Gardinen und Maßbändern: Hier verbrachten Bruno und Maria-Theresia Heinemann (rechts) 45 Jahre ihres beruflichen Lebens. Sich davon zu trennen, fällt ihnen und Mitarbeiterin Agnes Siebold (Mitte) schwer. Vor allem aber sind sie dankbar für die schöne Zeit, die sie als selbstständige Raumausstatter haben konnten.

Maria-Theresia Heinemann kennt ihre Kunden. Sie weiß genau, welche Stoffe für die neuen Gardinen in Frage kommen und packt einige Muster zur Ansicht ein. Sie begleitet eine Kundin nach draußen und schließt die Ladentür hinter ihr, so wie sie es seit Jahrzehnten macht.

Am 28. Februar wird Maria-Theresia Heinemann zum letzten Mal Kunden aus dem Laden begleiten. Dann geben sie und ihr Mann Bruno ihr Geschäft für Raumausstattung in der Witzenhäuser Brückenstraße nach 45 Jahren auf. Einen Nachfolger gibt es nicht.

Bis zum Sommer vergangenen Jahres ruhte die Hoffnung auf ihrem Sohn. Er hat ihr Handwerk gelernt, wollte aber noch studieren. Nun arbeitet er als Berufsschullehrer. Durch Zufall hat es sich kurz danach ergeben, dass jemand die Geschäftsräume kaufen wollte, erzählen die Heinemanns.

Diese Gelegenheit haben sie ergriffen und verkauft, obwohl sie noch Pläne mit dem Laden hatten. Ohne diesen Zufall hätten sie sich um jemanden bemüht, der ihren Betrieb übernimmt, so wie sie es selbst vor 45 Jahren getan haben.

Unternehmen seit 1969

Seit 1969 ist das Raumausstatter-Ehepaar in Witzenhausen ansässig. Die Heinemanns übernahmen den Betrieb Apell, um sich ihr eigenes Unternehmen aufzubauen. 1978 wechselten sie den Standort, ein paar Häuser weiter hoch in die Brückenstraße 10, um sich zu vergrößern. Im Lauf der Jahre haben die Heinemanns sich innerhalb der verschiedenen Bereiche, die der Beruf des Raumausstatters umfasst, auf individuelle, handgefertigte Gardinen spezialisiert.

Die beiden sind spürbar „Kopf und Herz“ ihres Unternehmens. Bruno Heinemann ist bei der Arbeit für den technischen Bereich zuständig, Maria-Theresia ist Fachfrau in Sachen Beratung und Gestaltung. Sie lieben ihren Beruf und hätten auch im Alter weitergemacht, „Zahlen sind ohnehin etwas für Buchhalter“, sagt Maria-Theresia.

Ihr Traum, dass ihr Sohn das Geschäft übernimmt, und sie ihn dabei unterstützen können, ist für die Heinemanns geplatzt. Es fällt ihnen schwer, den Betrieb nun aufzugeben, sagen beide. Aber sie grämen sich nicht. Es freue sie für Witzenhausen, dass mit dem Modegeschäft, das in ihre Geschäftsräume ziehen wird, junge Leute etwas vor Ort aufbauen wollen. „Wir sind dankbar für 45 Jahre, die wir zusammenarbeiten und unser Hobby leben durften“, sagt Maria-Theresia. Die Selbstständigkeit habe es ihnen ermöglicht, genug Zeit mit den Kindern zu verbringen.

Ihren letzten Arbeitstag möchten die Heinemanns gemeinsam mit Kunden und ehemaligen Mitarbeitern verbringen. Bis dahin gehöre es für sie zur Würde des Abschieds, für ihre Kunden da zu sein, sagen die Heinemanns. Und es klingt ein bisschen so, als ob sie es auch darüber hinaus noch sein werden. Witzenhausen darf also gespannt sein. (von Sina Beutner)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.