Nicht nur im Bäcker-Handwerk fehlen Auszubildende

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Frische Backwaren: Für die Herstellung und den Verkauf fehlt es an Fachkräften.

Viele Handwerksbetriebe - nicht nur im Werra-Meißner-Kreis - suchen händeringend Nachwuchs. Die Bäcker-Innung im Land Hessen schlug kürzlich schon Alarm: 150 Bäcker- und Verkaufs-Azubis fehlen derzeit.

Die Zahl neu abgeschlossener Lehrverträge sei im Ausbildungsjahr 2010/2011 zwischen 15 und 20 Prozent niedriger gewesen als im Jahr zuvor, teilte Landesinnungsmeister Wolfgang Schäfer vom Bäckerinnungsverband Hessen mit.

Obermeister Hubertus Erner von der Bäckerinnung Werra-Meißner bestätigt den stark rückläufigen Trend: Bei den Bäckern gebe es im dritten Lehrjahr noch fünf Azubis, im zweiten und im ersten Lehrjahr noch je drei. Und im zweiten Lehrjahr befinde sich gerade noch eine Auszubildende zur Verkäuferin. „Ich kenne keinen Ausbildungsbetrieb im Kreis, der nicht sucht.“

Man müsse dringend Werbung machen für den Beruf des Bäckers, sonst sehe es bald ganz traurig aus, heißt es seitens der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner.

Aber nicht nur bei den 32 Bäckereibetrieben im Kreis gebe es ein Problem, verweist der kommissarische Kreisgeschäftsführer Stefan Schenker auf andere Bereiche. Auch die Fleischereien und die Baubranche fängen zumindest keine geeigneten jungen Leute für eine Ausbildung mehr, sagt er.

Initiativen gegenzusteuern gebe es längst, da der Trend schon seit ein paar Jahren zu beobachten sei. In der Nahrungsbranche, im Hotel- und Gastronomiebereich und anderen Dienstleistern sehe es mit genügend Azubis „auch bescheiden aus“.

Liegt aber vielleicht der Mangel an Bäcker-Lehrlingen an den Bedingungen in diesem Beruf? Das Image werde künstlich herbeigeredet, meint Obermeister Hubertus Erner. Jeder Industriearbeiter habe schlechtere Arbeitsbedingungen. In seinen Augen gibt es überhaupt nur zwei Berufe, in denen sich man sich die Nachmittags frei gestalten könne: Lehrer und Bäcker.

Auch Landesinnungsmeister Wolfgang Schäfer sagt, heute gehe es weniger um körperliche Arbeit, als vielmehr um die Fachkompetenz der Mitarbeiter: „Bei manchen ist noch im Hinterkopf: Der Bäcker muss morgens früh aufstehen, schleppt schwere Säcke und fällt mittags müde ins Bett. Diese Zeiten sind lange vorbei.“ Der Bäckerberuf sei heutzutage sehr vielseitig und anspruchsvoll - „der Computer gehört dazu, beispielsweise um Rezepte umzurechnen oder die Kühlung einzustellen“, spricht Obermeister Erner auf hohe Anforderungen beim Grundwissen an. Auch gute Kenntnisse in den Naturwissenschaften wie der Biologie seien gefragt. Um zum Beispiel einen Sauerteig herzustellen, müsse man sich auch mit Chemie auskennen.

In den mangelhaften Grundkenntnissen sieht Erner ein großes Problem: Generell fehle es an qualifiziertem Nachwuchs. Deshalb müssten Bewerber in vielen Handwerksberufen mittlerweile Eignungstests machen.

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