Olympia für Handwerker-Nachwuchs

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Euroskills: Bei den Meisterschaften für Nachwuchs-Handwerker messen sich unter anderem auch Steinmetze.

Anfang Dezember kämpfen in Lissabon die besten Nachwuchshandwerker Europas um den EuroSkills-Titel: Bei den Berufsmeisterschaften tritt Deutschland mit 16 Teilnehmern an, neun davon sind Handwerker. Steinmetz Matthias Wittner, 24, aus dem bayerischen Nördlingen, möchte einen Platz auf dem Treppchen.

Motoren zerlegen und wieder zusammensetzen, eine Wand mit einem selbst entworfenen Motiv fliesen oder eine Sonnenuhr aus Steinen bauen – wenn vom 9. bis 12. Dezember insgesamt 400 junge Menschen aus ganz Europa in Lissabon in 51 Berufen gegeneinander antreten, steht das Handwerk im Mittelpunkt. Bei den EuroSkills, den europäischen Berufsmeisterschaften, kämpfen Nachwuchskräfte aus Deutschland in 13 Wettbewerbsberufen um Medaillen.

Acht dieser Wettkämpfe werden in Handwerksberufen ausgetragen. Junge Menschen, die in diesem Wirtschaftsbereich ihre Ausbildung kürzlich abgeschlossen haben, vertreten die Bundesrepublik in Lissabon. Sie mussten sich zuvor gegen Azubis und Gesellen aus ihrem Handwerkskammerbezirk, dann gegen jene auf Landes- und schließlich auf Bundesebene durchsetzen.

Geschwindigkeit und Präzision zählen

Einer von ihnen ist Matthias Wittner aus dem bayerischen Nördlingen. Der 24-jährige Steinmetz hat gerade ein zweiwöchiges Trainingslager in Mainz absolviert. Sein Coach, ein erfahrener Handwerksmeister, ist mit Wittner die EuroSkills-Aufgabe immer wieder in allen möglichen Variationen durchgegangen: Er muss in 18 Stunden, an drei Wettkampftagen, eine vierteilige Sonnenuhr bauen. Sockel, Schaft, Kapitell und ein Platte müssen auf den Millimeter genau nach den Vorgaben angefertigt werden.

Die Details erfährt Wittner selbstverständlich erst in Lissabon. „Es wird auf Geschwindigkeit und Präzision ankommen“, sagt er. „Ich muss die knappe Zeit richtig nutzen – da muss jeder Handgriff sitzen.“ Die Juroren, Steinmetzmeister aus ganz Europa, werden sich die Stücke hinterher anschauen und beispielsweise das Profil sehr genau unter die Lupe nehmen. „Meine stärksten Konkurrenten sind die Franzosen, die Italiener darf man aber auch nicht unterschätzen“, so Wittner.

Die EuroSkills wurden vor zwei Jahren als Ableger der seit 1950 stattfindenden WorldSkills ins Leben gerufen, um die Attraktivität der beruflichen Ausbildung in der EU zu steigern. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist gemeinsam mit der Initiative SkillsGermany Mitglied im Organisationsgremium und betreut die Teilnehmer der Handwerksberufe. Im Jahr 2008 hat das Handwerk zu den ersten EuroSkills in Rotterdam fünf Handwerker ins Rennen geschickt, darunter der Zweiradmechaniker Dominique Rommerskirchen. Mit Erfolg: Der heute 26-Jährige aus Baden- Württemberg gewann die Goldmedaille in seiner Disziplin.

Ein Wochenpensum in zwölf Stunden erledigen

„Ich fühlte mich ein wenig wie bei den Olympischen Spielen, vor allem die Stimmung im deutschen Team war genial“, schwärmt Rommerskirchen. An sechs Motorrädern musste der Zweiradmechaniker sein Können unter Beweis stellen: Auspuffanlage wechseln, den Motor austauschen oder die Räder einspeichen – alles unter extremen Zeitdruck. „Die Arbeit, die wir in zwölf Stunden erledigen mussten, wäre im normalen Alltag fast ein Wochenpensum. Mir hat dabei vor allem die Routine geholfen, die ich über Jahre in der Werkstatt gewonnen habe“, sagt der heutige Maschinenbau- Student. Auch die anderen vier Handwerker waren erfolgreich und räumten zwei mal Gold und zwei mal Silber ab.

Leidenschaft für das Handwerk

Matthias Wittner aus Nördlingen stehen diese Wettkampferfahrungen noch bevor. Aber selbst, wenn er nicht erfolgreich sein sollte, ist er sich sicher, dass er den richtigen Beruf ergriffen hat. „Steinmetz ist ein ursprüngliches Handwerk mit viel Tradition, die ich gern fortführen möchte“, sagt Wittner. Er hat seine Ausbildung im Betrieb seines Vaters absolviert und dort seine Leidenschaft für das Handwerk entdeckt. „Wir nutzen auch viele moderne Maschinen und Computer“, sagt er, „aber es gibt einfach Dinge, die nur der Mensch kann.“ In Zukunft möchte sich der frischgebackene Handwerksmeister als Natursteinrestaurator selbständig machen. Und auch für EuroSkills steht sein Ziel fest: „Ein Platz auf dem Treppchen“, erklärt der junge Mann selbstbewusst. So wie ein Teilnehmer bei den Olympischen Spielen eben.

(www.handwerk.de)

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