Am 1. Advent soll die neue Orgel in der Kapelle am Schönberg erklingen

+
Handwerkskunst: Orgelbauer Josef Pferdt aus dem Allgäu baut seit mehr als einer Woche das Instrument am Röllshäuser Schönberg auf. 

Röllshausen. Am 1. Advent wird zum ersten Mal der Klang einer Orgel das Schiff der Kapelle Schönberg erfüllen. Seit vergangener Woche ist Orgelbaumeister Josef Pferdt mit dem Aufbau des Instruments beschäftigt.

Konstruiert wurde die neue Orgel in Pferdts Werkstatt im Allgäu. Seit März tüftelt er an dem Instrument für die Schwalm. Die Einweihung ist eine Premiere – bislang gab es nur ein Harmonium.

Mehr zur Kapelle Schönberg lesen Sie im RegioWiki

Das klingende Schmuckstück hat der Orgelbauer überwiegend aus Eiche gefertigt. Eine einzige Orgel besteht aus mehreren tausend Einzelteilen, die jedoch nicht alles aus Pferdts eigener Werkstatt stammen.

„Die Rohlinge der Metallpfeifen und die Klaviatur kaufe ich ein“, erläutert der Experte. Nach vielen, vielen Stunden schreinern und werkeln kommt für den Orgelbauer der spannendste Teil seiner Arbeit – der Aufbau. Tagelang sitzt er dann in Kirchen an einer improvisierten Werkbank und tüftelt an den Feinheiten. Radio hört Josef Pferdt dabei nicht: „Ich finde, man sollte eine Kirche würdigen, indem man den Raum auf sich wirken lässt.“ Für die Kapelle am Schönberg haben sich Orgelbauer, Landeskirche und Kirchenvorstand auf eine italienische Orgel geeinigt, angelehnt an die Renaissance.

„Man muss die Größe der Orgel ja auch immer an die Kirche und ihre Besonderheiten anpassen“, sagt Pferdt. Deshalb hat der Orgelbauer für die Kapelle ein besonderes Klangkonzept gewählt, das des Prinzipalchores. Es eigne sich hervorragend für kleine Kirchen. Pferdt, der vor dem Orgelbau eine Schreinerlehre absolvierte, hat für das Instrument Eichen- sowie Fichtenholz verarbeitet. Die Tasten entstanden aus italienischem Buchsbaumholz.

Doch nicht nur der Bau soll optisch ansprechend sein. Insbesondere der Klang liegt dem Orgelbauer am Herzen. Immer wieder entlockt Pferdt, selbst begeisterter Organist, seinem Schmuckstück die ersten Töne. Ein Mal im Jahr schaut der Konstrukteur bei seinen Instrumenten vorbei und stimmt sie. Neue Orgeln sind immer eine besondere Herausforderung. Allein 240 Pfeifen wollen angepasst werden, alles in Handarbeit. Pferdt vergleicht den Bau mit einer Schwangerschaft: „Neun Monate trägt man ein Kind aus und in dem Moment, wo es geboren wird, hat es ein eigenes Leben.“

Sensibel im Winter

Trotzdem sei es immer etwas Besonderes, wenn er zum ersten Mal höre, wie ein anderer „seine“ Orgel spiele. Etwa 40 Orgeln hat Pferdt schon gebaut und sagt: „Kleine Orgeln sind die kritischsten. Die halten immer Überraschungen bereit, reagieren sensibel auf den ersten Winter.“

Im Frühjahr wird er das Instrument am Schönberg deshalb nochmal kontrollieren. Bis dahin hofft er, dass die Orgel mit viel Liebe gespielt wird.

Von Sandra Rose

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.