JVA Ziegenhain: Premiere mit Brief und Siegel

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Mit Meisterstück: Die Gefangenen, vorne von links, Wolfgang Arns, Guido Schade und Naser Baftiri legten ihre Meisterprüfung ab.

Mehr als 30 Jahre ist es her, dass in der Justizvollzugsanstalt Ziegenhain einzelne Gefangene zu Schlossern oder Karosserie- und Fahrzeugbauern ausgebildet wurden: Jetzt haben sich drei Inhaftierte erstmals zu Meistern weiter qualifiziert.

Für den Ziegenhainer Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, war es deshalb „etwas Neues und etwas sehr Schönes“, die Briefe am Freitag in einer Feierstunde im Speisesaal der JVA zu überreichen.

Im Beisein von Anstaltsleiter Jörg Bachmann, ihren Ausbildern, Prüfern, Vertretern des Ministeriums, Mitgliedern des Anstaltsbeirates und ihren Angehörigen nahmen die Insassen ihre Meisterbriefe in Empfang. „Sie haben mehr getan als andere bereit sind, zu tun. Machen Sie etwas daraus und geben Sie ihr Wissen weiter“, sagte Gringel.

Förderstation ist einmalig

Wilfried Porada, verantwortlich für die berufliche Aus- und Weiterbildung und gleichzeitig Vollzugsabteilungsleiter, erklärte das Konzept. Schwerpunkt der Ausbildung sei die Resozialisierung der Gefangenen. Es gehe aber nicht allein darum, fachliche Kentnisse zu vermitteln, sondern auch Teamgeist und Motivation zu fördern. Die Insassen in Ausbildung sind in einer so genannten Förderstation untergebracht.

Günter Laudenbach, Leiter der Ausbildungswerkstatt Metall, hat in der Vergangenheit stark um Unterstützung geworben. „Das besondere an den Prüfungen war, dass sie alle hier in der JVA abgenommen wurden“, erklärte er.

Ohne die Beteiligung der Beruflichen Schulen Ziegenhain und ihren Lehrern, den Prüfungsausschüssen der Kreishandwerkerschaften Homberg und Kassel, der Handwerkskammer Kassel sowie des Trägers, das Berufsbildungswerk Dr. Fritz Bauer, wäre die Ausbildung der Insassen zu Meistern nicht möglich gewesen. In besonderer Weise würdigte Porada die Leistung der drei Gefangenen: „Sie haben ihre langen Haftstrafen konsequent genutzt.“

Einer der Jungmeister wurde zwischenzeitlich entlassen. Er hat mittlerweile eine Anstellung in einem süddeutschen Karosseriebaubetrieb.

Glückwünsche und ihren Meisterbrief nahmen Wolfgang Arns und Naser Baftiri, beide Metallbaumeister, entgegen. Guido Schade befindet sich noch in der Prüfungsphase, die Hälfte hat er bereits absolviert.

Die JVA Ziegenhain hat im Bereich der beruflichen Ausbildung Modellcharakter, sagte Porada: „Die Einrichtung einer Förderstation ist einmalig in Hessen.“ (zsr)

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