Die Sache mit der „Muskelhypothek"

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Besser die Fachleute ranlassen: Gerade der zeitliche Aufwand wird von Bauherren, die alles in Eigenleistung erledigen wollen, unterschätzt.

Beim Hausbau möchten viele Hausbesitzer in spe selbst Hand anlegen und mit Eigenleistungen die Kosten senken. Bei aller Begeisterung fürs Selbermachen raten Experten wie Evelyn Wernecke, in Erfurt als Bauherrenberaterin für den Bauherren-Schutzbund e.V tätig, zu Augenmaß.

Zunächst einmal sollten die eigenen handwerklichen Fähigkeiten kritisch beleuchtet werden. „Doch auch die Zeit, die neben Job und familiären Verpflichtungen aufgebracht werden kann, ist realistisch einzuschätzen", rät Wernecke.

Verfügbare Zeit realistisch einschätzen

„1000 Stunden bei einjähriger Bauzeit bedeutet, dass wöchentlich etwa 25 Stunden zu erbringen sind. Ist das realistisch?" Diese Frage stellt die Bauherrenberaterin auch ihren Klienten. Sie gibt zu bedenken, dass oft nur Wochenenden und Urlaub zur Verfügung stehen und weist auf das Risiko hin, dass die Arbeiten bei Krankheit zum Erliegen kommen. Müssen auf halber Strecke doch Handwerker zu Rate gezogen werden, weil die eigenen Kenntnisse nicht ausreichen, dann kann es schnell eng werden mit dem Zeitplan und den Kosten.

Leistungen klar abgrenzen

Relativ unbedenklich in Eigenregie durchzuführen sind Arbeiten wie Malern und Tapezieren, das Verlegen von Bodenbelägen oder Außenarbeiten im Garten. Bei Spezialgewerken kann die „Muskelhypothek" dagegen teuer werden, wenn wegen fehlender Qualifikationen später Baumängel auftreten. Wer Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen auf der Baustelle einspannen will, muss sie im Übrigen bei der Bau-Berufsgenossenschaft anmelden, auch wenn sie unentgeltlich mitarbeiten. Denn sonst sind die Bauhelfer nicht versichert. Empfehlenswert ist ein zusätzlicher Schutz durch eine private Bauhelfer-Versicherung. Eigenleistungen müssen außerdem im Vertrag eindeutig definiert und von den Leistungen der Baufirma abgegrenzt sein, sonst kann es bei Baumängeln zu unangenehmen Streitigkeiten kommen. Sinnvoll ist es, bei der Vertragsprüfung und zu Eigenleistungen einen unabhängigen Bauherrenberater hinzu zu nehmen.

Hintergrund: Eigenleistung ist Eigenkapital

Banken zählen die „Muskelhypothek" zum Eigenkapital, das den Kreditbedarf senkt. So lassen sich in der Regel günstigere Zinskonditionen verhandeln. Allerdings verlangen die Banken konkrete Planungen mit Angaben von eingesparten Materialkosten und Lohnanteilen. Sie kennen das Risiko, das aus falschen Einschätzungen erwachsen kann. Denn Nachfinanzierungen sind teuer und oft gar nicht möglich. Bauherrenberaterin Evelyn Wernecke rät daher auch hier, ehrlich zu sich selbst zu sein und nichts schönzurechnen. (djd/pt)

Adressen und weitere Infos: www.bsb-ev.de

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