Schaufel statt Schreibtisch

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Tiefbaufacharbeiter Daniel Scholz vor einer Reihe von Ladern: Obwohl er Hessens bester Tiefbauer ist, hört er noch immer von Vater und Bruder den Satz: „Wärste mal lieber beim Landratsamt geblieben...“

Es ist kalt auf dem Betriebshof der Bad Hersfelder Baufirma Räuber an der Friedewalder Straße. Da ist die Frage „Büro oder Bau“ schnell beantwortet, sollte man meinen.

Der 24-jährige Straßenbauer Andreas Scholz aus Bad Hersfeld hat die Frage, ob er lieber im Büro sitzen oder bei Wind und Wetter am Bau arbeiten sollte, schon zweimal beantwortet. Und zwar jedesmal mit Ja. Erst sagte der Realschüler ja zur Schreibstube, doch dann erkannte er, dass der Büroalltag zu trist für ihn war.

Daniel Scholz gab sich ein Jahr Bedenkzeit, in dem er andere Berufe ausprobierte, und sattelte um. 2007 begann er bei der Bad Hersfelder Baufirma Räuber eine Lehre im Tiefbau. Eine Entscheidung, die weder der Auszubildende noch sein Chef, der Bauunternehmer Helmut Räuber, bereut haben.

Daniel Scholz wurde nicht nur der Prüfungsbeste im Bereich der Handwerkskammer Kassel, sondern er hat es geschafft, von Verkehrsminister Dieter Posch als Hessens bester Straßenbauer geehrt zu werden. Beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks wurde Daniel Landessieger. Zum Bundeswettbewerb konnte er nicht antreten, weil er sich beim Aufziehen der Winterräder die Hand verletzt hatte. Mit ihm ins Rennen um den Landessieg ging Philipp Nöding aus Bad Hersfeld, der ebenfalls bei der Firma Räuber lernte. Er wurde Dritter.

Herber Verlust

Der Erfolg macht den Bauunternehmer Helmut Räuber stolz. Die Firma gehört zum hessischen Bauhandwerk, das – wie andere Branchen auch – enorme Anstrengungen unternimmt, um sich gut ausgebildete Mitarbeiter zu sichern. Demgegenüber hat Bad Hersfeld einziges Bauunternehmen, das dem Industrieverband angehört, nach der Übernahme durch den österreichischen Baukonzern Strabag die Ausbildung komplett eingestellt. Das beklagt Helmut Räuber. Das heimische Bau-Handwerk versucht, mit Hilfe der Bebraer Lehrbaustelle die Lücke zu füllen. Denn verbunden mit dem Einbruch an betrieblichen Lehrstellen ist auch im heimischen Bauhandwerk ein spürbarer Rückgang der Bewerber.

Vor diesem Hintergrund ist Daniel Scholz als Hessens bester Straßenbauer eine Ausnahmeerscheinung. Nach dem Realschulabschluss an der Geistalschule im Sommer 2003 machte er zunächst eine Lehre zum Fachangestellten für Bürokommunikation beim Landratsamt. „Das war aber nichts für mich“, meint der junge Mann. Er beendete selbst seine Bürokarriere. Dass er Chancen zur Übernahme gehabt hatte, verschwieg Daniel seiner Familie.

„Geh’ lieber zum Landratsamt“: Dieser Ratschlag von Vater Peter (Kraftfahrer) und Bruder Andreas (Tiefbaufacharbeiter), die beide selbst bei der Firma Räuber arbeiten, begleitet Daniel Scholz schon seit den ersten Überlegungen zur Berufswahl. Doch nichts konnte ihn davon abhalten, ins Team vom Bau zu wechseln. Als Tiefbaufacharbeiter will Daniel Scholz jetzt drei bis fünf Jahre weiterarbeiten, um sehen, wie sich die Lage entwickelt. Die Chancen, aus seinem Traumstart noch mehr zu machen, sind nach Angaben von Bauunternehmer Helmut Räuber bestens. (Kurt Hornickel)

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