Schornsteinfeger suchen verstärkt Nachwuchs

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Glücksbringer: Die Schornsteinfeger suchen vermehrt Nachwuchs für ihr Handwerk

Dem Schornsteinfegerhandwerk droht Nachwuchsmangel. Derzeit ist die Ausbildungssituation noch gut, doch es zeichnen sich Lücken ab.

Auch in Waldeck-Frankenberg nutzte der Berufsverband daher den bundesweit ausgerufenen „Tag des Schornsteinfegers“ am 20. Oktober, um gezielt qualifizierte junge Leute unter den Schulabgängern zu werben.

„Zurzeit liegen wir mit sechs Auszubildenden bei 20 Schornsteinfegermeister-Betrieben im Landkreis noch voll in der Norm“, sagt Harald Stehl (Gemünden). Er unterrichtet an der Landesfachschule des Schornsteinfegerhandwerks Bebra aus 570 hessischen Betrieben zurzeit 138 Auszubildende für drei Lehrjahre. „Aber wir werden hier wie in Hessen spätestens 2013 Probleme bekommen, wenn altersbedingt die ungewöhnlich große Gruppe von etwa 30 Prozent der Betriebsinhaber mit einem Schlag in Rente geht.“

Das Berufsbild hat sich durch technische Dienstleistungen für Umweltschutz und Energieeinsparung ständig erweitert. Mathematik, Chemie, Deutsch, Baurecht, Physik, Strömungslehre und moderne Technologien sind Fächer, die für den Handwerksberuf des Schornsteinfegers zentrale Bedeutung erlangt haben. „Unser Beruf ist attraktiv. Aber es wird immer schwieriger, dafür qualifizierte junge Leute mit mittlerem Schulabschluss zu finden“, berichtet Stehl. „Ich musste schon Lehrstellen bis zu dreimal ausschreiben.“

Bereits seit Jahren sucht er deshalb Kontakt zu den Schulen des Landkreises, hält Vorträge sogar an Gymnasien und lädt Schüler zu Praktika in den Betrieben ein. Die Cornelia-Funke-Schule Gemünden nimmt dieses Angebot für ihre Praktikanten alljährlich wahr. Unter Stehls Azubis an der Fachschule in Bebra sind auch sieben Abiturienten.

Hintergrun - Viel mehr als Kehren

Mit der Änderung des Energieversorgungsmarktes hat sich das Schornsteinfegerhandwerk bei der Beratung seiner Kunden in jüngster Zeit auf ganzheitliche Konzeptionen eingestellt, die über die reine CO2-Einsparung weit hinausgehen.

„Die Versorgung unserer Wohngebäude mit Wärme muss künftig emmissionsarm, energiesparend und wenn möglich sogar nachhaltig sein“, sagt der Frankenberger Schornsteinfegermeister Hubert Meier, der in diesen Tagen wieder in seinem Kehrbezirk die gesetzlich vorgeschriebenen Umweltschutzmessungen an den Heizungsanlagen vornimmt.

Die vom Bundestag beschlossene Reform des Schornsteinfegergesetzes weist den hoch spezialisierten Handwerkern in Zukunft neue Aufgaben zu, die weit über den klassischen Arbeitsbereich der Schornsteinreinigung und des vorbeugenden Brandschutzes hinaus gehen.

„Unsere Kunden werden auf dem Energiesektor in den kommenden Jahren immer mehr auf Fachleute angewiesen sein, die ihnen maßgeschneiderte Konzepte anbieten und sie mit der komplizierten Technik nicht alleine lassen“, betont der Schornsteinfegermeister, der sich ebenso wie viele seiner Kollegen als Gebäudeenergieberater im Handwerk weiter qualifiziert hat.

Mit dem neuen Gesetz werden aber auch Hausbesitzer stärker in die Verantwortung und Haftung genommen: Sie müssen ab 2013 selbst dafür Sorge tragen, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungen der Brandschutzvorschriften und Umweltschutzmessungen von einem zugelassenen Schornsteinfeger vorgenommen werden - diese Handwerker können dann auch aus anderen EU-Staaten kommen.

Die hoheitsrechtlichen Aufgaben bleiben jedoch beim bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegermeister, dem dies bescheinigt werden muss und der selbst innerhalb von sieben Jahren zweimal bei einer „Feuerstättenschau“ die Betriebs- und Brandsicherheit überprüft. Danach legt er in einem Bescheid fest, zu welchen Terminen und wie oft gereinigt werden muss.

Bisher, so versichert Schornsteinfeger Hubert Meier, liegt seinen Kunden daran, dass alle Arbeiten in einer Hand bleiben. „Die meisten Hausbesitzer sagen: Wir kennen Sie schon seit Jahren und haben Vertrauen zu Ihnen“, berichtet sein Geselle Frederik Stemmler (Frankenberg).

Er betreut mit seinem Chef zusammen 2500 Schornsteine in einem Kehrbezirk zwischen Wiesenfeld, Bottendorf, Frankenberg und Lichtenfels. Insgesamt zählen zum Landkreis Waldeck-Frankenberg 20 Kehrbezirke. (zve)

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