Aus Schwächen lernen

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Gemeinsam üben: Neben betrieblicher Ausbildung und Berufsschule stehen für diese Jugendlichen auch Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft auf dem Wochenplan. Die angehenden Bäcker und Bäckereifachverkäuferinnen üben gemeinsam Mathe, Dozent und Bäckermeister Michael Bienhaus hilft.

Mathe steht heute auf dem Plan. Aber die Jugendlichen, die gerade über einer Textaufgabe brüten, sitzen nicht in der Schule. „Wie viel Mehl ist für 52 Brote zu 1,5 kg nötig, wenn die Gebäckausbeute 130 beträgt?“ sollen die angehenden Bäcker und Bäckereifachverkäuferinnen jetzt ausrechnen.

Dreisatz ist der Lösungsweg, hilft ihnen Michael Bienhaus.

Eigentlich ist er Bäckermeister in Battenberg, einmal die Woche aber auch Dozent im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft in Frankenberg. Denn hier finden die Auszubildenden sowohl individuelle Lernunterstützung als auch sozialpädagogische Betreuung. Ausbildungsbegleitende Hilfen, kurz abH, ist das Stichwort. Unter der Regie der Agentur für Arbeit laufen aktuell über 200 dieser Maßnahmen im Landkreis Waldeck-Frankenberg. In enger Kooperation mit Bildungsträgern gelten sie als erfolgreiches Instrument, um Bildungsdefizite, Lernhemmungen, Prüfungsängste oder Schwierigkeiten im sozialen Umfeld der Jugendlichen zu beseitigen und dadurch die Auszubildenden wie auch ihre Ausbildungsbetriebe zu unterstützen.

Probleme mit der Theorie

„Ich habe mit der Theorie Probleme gehabt. Seitdem ich hier bin, ist es besser geworden“, erzählt Michele Angelo Fuino, 17 Jahre und im zweiten Ausbildungsjahr. „Herr Bienhaus bringt einem das toll bei“, bestätigt auch der 18-jährige Xavier Ringler, der sich gerade für seine baldige Abschlussprüfung fit machen lässt.

„Die Initiative kommt entweder von den Jugendlichen selbst oder von Ihren Ausbildern“, berichtet Vanessa Rumpf, Projektverantwortliche für abH in Frankenberg und gemeinsam mit zwei anderen Sozialpädagoginnen für die generelle Betreuung der Jugendlichen sowie den Informationsaustausch mit Berufsschullehrern und Ausbildern zuständig. Für die 16- bis 23-Jährigen aus den verschiedensten Ausbildungsberufen werde nach dem Erstgespräch ein individuelles Förderprogramm konzipiert. Drei bis höchstens acht Stunden wöchentlich umfasse dann der persönliche abH-Plan nach Feierabend oder Berufsschule, beinhalte bei Bedarf sowohl schulische Nachhilfe wie sozialpädagogische Unterstützung.

Neben dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft in Frankenberg zählt bei den Ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) auch das Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach zu den Kooperationspartnern der federführenden Agentur für Arbeit. Denn hier entscheiden die Berufsberater nach dem Erstkontakt mit den Jugendlichen und einer Einschätzung ihrer Ausbildungssituation, ob die abH-Maßnahme gewährt wird.

„Mit den ausbildungsbegleitenden Hilfen haben wir eine sehr gute Möglichkeit, Auszubildende und Betriebe zu unterstützen. Uns wird immer wieder bestätigt, dass sehr gute Erfahrungen gemacht werden. Häufig reicht schon ein wenig Nachhilfe, um aus einem potenziellen Ausbildungsabbrecher einen qualifizierten Gesellen zu machen“, erklärt Christine Eden, Chefin der Agentur für Arbeit Korbach. „Die heutigen Berufsanfänger sind unsere morgigen Fachkräfte. Deshalb ist jeder Ausbildungsabbruch, den wir mit ausbildungsbegleitenden Hilfen verhindern, eine Investition in die Zukunft.“ (Petra Kraft)

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