Selbstständig statt arbeitslos

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Bewährter Kiosk in neuen Händen: Cora Cimiotti und Dani Daneal (Foto) haben im Juli den Betrieb von den ehemaligen Inhabern Georgette und Gerhard Bossert übernommen.

Mit dem Bossert-Kiosk an der Elfbuchenstraße, den Cora Cimiotti und Dani Daneal im Juli übernommen haben, hat sich für das Ehepaar ein doppelter Traum erfüllt.

Der kleine Laden, für den die langjährigen Betreiber Georgette und Gerhard Bossert aus Altersgründen einen Nachfolger gesucht hatten, war für das junge Paar zugleich der Ausweg aus der Arbeitslosigkeit. Die Chance hat ihnen die Arbeitsförderung Kassel (AFK) eröffnet, die sich künftig verstärkt bemühen will, Arbeitslose als Nachfolger für kleine, inhabergeführte Unternehmen ins Spiel zu bringen. So könnten bestehende Betriebe erhalten bleiben und zugleich Arbeitslosigkeit abgebaut werden, bringt Burkhard Walter, Leiter des Arbeitgeberservice der AFK, das Prinzip auf den Punkt.

Bisher vermittele man bei etwa zehn Firmenübergaben im Jahr, sagt Walter. Aufgrund der älter werdenden Gesellschaft rechnet er aber damit, dass verstärkt Betriebe abgegeben werden.

Wenn sich die bisherigen Inhaber bei der AFK meldeten, könnten sie so den Fortbestand ihres Unternehmens sichern und gleichzeitig Menschen, die Arbeit suchen, eine Perspektive geben. Unter den rund 7000 Arbeitssuchenden, für die sich die AFK bemüht, Jobs zu finden, seien viele, die Existenzgründer sein wollten, sagt Walter. Etwas ganz Neues aufzubauen, sei aber häufig schwierig. Wer hingegen einen eingespielten Betrieb übernehme, der bereits über einen Kundenstamm und funktionierende Beziehungen zu Lieferanten verfügt, habe bessere Erfolgschancen. Und auch Kreditgeber seien unter diesen Voraussetzungen leichter zu überzeugen.

Das haben auch Dani Daneal und Cora Cimiotti erfahren. Ein Jahr zuvor hatten sie einen Kiosk an der Ahnatalstaße eröffnet, konnten aber davon die vierköpfige Familie nicht ernähren. Sie mussten aufgeben. Der alteingesessene Laden an der Elfbuchenstraße hingegen läuft.

„Es ist viel zu tun, aber die Arbeit macht mir jeden Tag gute Laune“, sagt Dani Daneal. „Zu Hause rumsitzen ist nichts für mich, ich will arbeiten.“ Zwar könne man mit einem Kiosk kein Vermögen erwirtschaften, meint der 32-Jährige, aber es reiche zum Leben. „Und vor allem“, fügt seine Frau hinzu, „ist es ein gutes Gefühl, dass wir unser Geld wieder selbst verdienen. Wer bekommt schon gern Arbeitslosengeld?“

Um in den Augen der AFK für eine Betriebsübergabe in Betracht zu kommen, müsse man zunächst „ein Unternehmertyp“ sein, sagt der Leiter des Arbeitgeberservice. „Selbst und ständig sind die Schlüsselwörter“, spielt Walter auf die Bereitschaft an, Verantwortung zu tragen und auch lange Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. Außerdem seien kaufmännische Grundkenntnisse Voraussetzung. Das Alter spiele keine Rolle, auch über 50-Jährige wolle man ermutigen, noch einmal den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen.

(Katja Rudolph)

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