„Gestalter im Handwerk“

Die Raffinesse verbirgt sich im Detail

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Geschafft: Den jungen Gestalterinnen und Gestaltern im Handwerk gratulierten Kammerpräsident Heinrich Gringel (links) und Lutz Schell-Peters (rechts), Leiter der Werkakademie, zur bestandenen Prüfung. Beide ermutigten die Absolventen neugierig und offen zu bleiben und den eingeschlagenen Weg mutig fortzusetzen.

Sie haben vier Semester lang gelernt, sich mit Farblehre und Zeichnen, Formgebung und Produktgestaltung, mit Ideenfindung, Konzeption, Präsentation und Vermarktung auseinandergesetzt.

Jetzt bekommen die zehn jungen Handwerker und Handwerkerinnen, die ihr Studium an der Werkakademie für Gestaltung Hessen mit der Prüfung zum „Gestalter im Handwerk“ erfolgreich beendet haben, ihre Zeugnisse überreicht.

Fünf von ihnen präsentieren ihre Abschlussarbeiten gemeinsam mit anderen Studienarbeiten aus dem Unterricht in der HANDWERKSORM, dem Ausstellungsraum der Handwerkskammer Kassel.

Was alle Exponate verbindet, ist ihre handwerkliche Qualität. Sie überzeugen nicht nur in der Ausführung, sondern bieten individuelle, maßgeschneiderte Lösungen, die Antwort auf die praktischen und ästhetischen Bedürfnisse des Einzelnen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Dabei kommen sie alle auffallend schlicht daher, ihre Raffinesse und Besonderheit verbirgt sich im Detail. Das gilt für die Sitzgelegenheit für den öffentlichen Raum aus Hochleistungsbeton und Lärchenholz, die im Untergrund zu versinken scheint, für die Stulpenschals aus Filz, Wolle und Seide, deren Material selbst entwickelt ist, für das Küchen-Aufbewahrungssystem für Nährmittel aus Edelstahl und Acrylglas, das am Gebrauch orientiert beliebig kombinierbar ist sowie für das Ablagemodul mit integrierten funktionalen Objekten aus Naturstein, Glas und Holz.

Zusammen geben alle Exponate einen Einblick in die gestalterische Kompetenz, die sich die jungen Gestalterinnen und Gestalter im Laufe ihrer zweijährigen Fortbildung erworben haben. Dabei führt die individuelle Ideenfindung zu ungewöhnlichen Produkten mit Witz und Charme, die auch von der Lust am Experiment zeugen. Durch die innovative, unkonventionelle Verwendung der Materialien, das Überdenken tradierter Verhaltens- und Herangehensweisen entstehen Arbeiten, die den Nutzer auffordern, seine eigenen Spielräume zu überdenken und neu zu definieren.

Ausgehend vom Gebrauchsgegenstand beginnt das Spiel mit Funktion und Form, neue Materialien werden für die eigene Arbeit erschlossen. So eröffnet sich die Möglichkeit, sich vom erlernten Handwerk zu lösen und den Sprung in fremde Gefilde zu wagen. Das heißt: Ein Tischler baut mit Beton, eine Friseurin arbeitet mit Filz, Wolle und Seide, eine Glasveredlerin mit Stein und Holz.

„Das Handwerk ist ein moderner Wirtschaftsbereich. Dennoch erschöpfen sich handwerkliche Fähigkeiten nicht in technischen Fertigungsvorgängen und kaufmännischem Wissen“, sagte Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, anlässlich der Zeugnisübergabe und Ausstellungseröffnung. „Was viele Handwerksprodukte auszeichnet, ist ihre individuelle Gestaltung. So wird aus einem Produkt ein Unikat.“ Die Gestaltung eines Produktes sollte man genauso wie seine Fertigung einem Fachmann, beziehungsweise einer Fachfrau überlassen. „Das heißt, professionelles Handwerk verlangt professionelle Gestaltung, wie sie an der Werkakademie vermittelt wird.“

Die wesentlichen Ziele der Fortbildung zum „Gestalter im Handwerk“ sind die Entwicklung der Kreativität sowie die Förderung des ästhetischen Ausdrucks. Im Verlauf des Prozesses der Ideenfindung, Konzeption, Präsentation und Vermarktung werden handwerklich-technische Fertigkeiten mit zeitgemäßer Formgebung in Einklang gebracht. Auf dem Lehrplan der Werkakademie steht neben dem Freihand-Zeichnen die Auseinandersetzung mit Form, Farbe, Materialien und Funktion, um die Sinne zu wecken und gestalterische Kompetenz zu vermitteln. Denn Gestaltung im Handwerk ist im tieferen Sinn die Frage nach der Verantwortung der im Handwerk Tätigen für unsere Alltagskultur.

Die Arbeiten sind noch bis zum 7. Februar montags bis freitags von 9 bis 15.30 Uhr zu sehen.

Die Aussteller:

Tischler Florian Hahn Sitzgelegenheit für den öffentlichen Raum Hochleistungsbeton, Lärche

Friseurin und Maskenbildnerin Inga Meder-Lachmann Stulpenschal Filz, Wolle, Seide

Tischler Kevin Hagen Müller Aufbewahrungssystem für Nährmittel im Küchenbereich Edelstahl, Makrolon

Glasveredlerin Lisa Ritter Ablagemodul mit integrierten funktionalen Objekten Naturstein, Glas, Holz

Damenschneiderin Linda Vogt erstesahne, Urbane Alltagskleidung, Umgestaltung und Neuverarbeitung von Recyclingstoffen, Leinen, Baumwolle

Studienarbeiten Leuchtobjekte Tischler Benjamin Bark Tischler Christopher Schwalenstöcker Zahntechniker Lucas Opfermann (nh)

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