Viel gesehen, viel gelernt

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Viele Erinnerungen mitgebracht: Michael Mütze war viereinhalb Jahre auf der Walz. Zahlreiche Fotos erzählen seine Geschichte, ebenso wie sein Wandertagebuch, in dem sich unter anderem ein Arbeitszeugnis auf Japanisch findet.

Michael Mütze sitzt am Küchentisch seines Elternhauses und schaut sich Fotos an. Viereinhalb Jahre war der junge Zimmerer auf der Walz, bereiste 26 Länder um fremde Kulturen und neue Techniken kennenzulernen.

„Hier, da waren wir Reis pflanzen in Japan“, erinnert er sich und zeigt ein Foto, auf dem er gemeinsam mit zwei anderen jungen Männern in gebückter Haltung fast knietief im Wasser steht. „Das war schon interessant, aber nach acht Stunden macht das auch keinen Spaß mehr.“

Japan und Rumänien hätten ihm am besten gefallen, sagt er. „Die Menschen dort sind so unglaublich nett und hilfsbereit.“ Als er gemeinsam mit zwei anderen Tingelbrüdern in Japan angekommen sei, habe eine vollkommen unbekannte Frau sie zum Beispiel in einen über drei Stunden entfernten Ort gefahren. „Wir haben hinterher erst erfahren, dass sie da gar nicht hin wollte und eigentlich fünf Minuten vom Flughafen entfernt wohnte“, erinnert sich Mütze.

Auch handwerklich sei Japan ein Erlebnis gewesen. „Wir wollten unbedingt nach Japan, weil die Holzverarbeitung da eine so lange Tradition hat“, erklärt er. Was er dort zu sehen bekam, begeisterte ihn. „Die bauen eine Halle aus Holz auf einen halben Millimeter genau“, erinnert er sich. „Das würde hier schon aus Kostengründen niemand machen.“ Eine Badewanne aus Zedernholz habe er dort gebaut und geholfen, ein über 300 Jahre altes Holzhaus zu restaurieren. Dabei sei er auch in den Fokus der Medien gerückt.

Tante sah ihn im Fernsehen

„Ein Nachbar unseres Arbeitgebers hat für eine japanische Rundfunkgesellschaft gearbeitet. Der hat eine Reportage über uns gemacht.“ So habe auch die Familie erfahren, dass er in Japan sei. „Der Bericht wurde auch ans deutsche Fernsehen verkauft. Den hat meine Tante gesehen und meinen Eltern Bescheid gesagt. Die dachten, ich wäre noch in Neuseeland“, erklärt Mütze und muss grinsen.

Mit Kutsche auf Autobahn

In Rumänien baute er gemeinsam mit zwei anderen Wandergesellen eine Kutsche und zog damit durch die Karpaten. „Unser Chef dort meinte, wenn ihr es schafft eine Kutsche zu bauen, dann besorg ich euch ein Pferd. Ein paar Tage später waren wir mit dem Gespann auf der Autobahn unterwegs“, erinnert sich Mütze. „Das war schon ein Erlebnis, vor allem wenn die rumänischen Lastwagenfahrer von hinten angerast kamen.“

Auch nach Cuba, Jamaica, und in die USA trieb es den 26-Jährigen auf seiner Wanderschaft, die eigentlich nur drei Jahren dauert. „Erfahrene Tingelbrüder meinten: Mach, so lange du Lust hast. Sonst bereust du es nachher.“

In Neuseeland schließlich habe er Heimweh bekommen. „Ich hätte dort bleiben können. Mein Chef hat mir das angeboten. Aber ich wollte einfach wieder nach Hause.“

Ein Grund dafür war sicher auch Freundin Stefanie, die Michael Mütze ebenfalls während seiner Wanderschaft in Ravensburg kennen gelernt hat. Sie zieht jetzt nach Nordhessen, wo es für Mütze im nächsten Jahr mit der Meisterschule losgeht. „Aber erstmal muss ich arbeiten“, sagt Mütze und muss wieder grinsen. „Ich bin total pleite.“ (von Moritz Schäfer)

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