Uhren wie vom Ur-Ur-Opa

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Konzentriert bei der Arbeit: Katrin Fahnert und der Uhrmacher-Kollege Thomas Kauker begutachten ein großes Uhrwerk. Sie gehören zu einer aussterbenden Berufs-Spezies. Meisterinnen ihres Fachs wie Katrin Fahnert gibt es im Werra-Meißner-Kreis nur noch zwei.

Sie gehört einer aussterbenden Berufsgruppe an. Uhrmacher gibt es immer weniger, den Meistertitel führen die Filigran-Handwerker nur noch vereinzelt und Meisterinnen gibt es gerade einmal zwei im gesamten Kreisgebiet. Wie ein Dinosaurier fühlt sich Katrin Fahnert aber längst nicht.

Vielmehr sieht sie ihren Beruf als Berufung und versucht, Qualität mit modernem Design und neuesten Erkenntnissen zu kombinieren. In Anlehnung an ihren Ur-Ur-Großvater Aurelius Weinreich, ebenfalls Uhrmachermeister, gestaltet sie seit fünf Jahren eine mechanische Uhrenserie mit dem Namen „Aurelius seit 1881“ selbst.

Schweizer Uhrwerke laufen in denen von ihr entworfenen Modellen mit höchster Präzision. Jede Uhr ist ein Unikat. Zifferblätter und Gehäuse gestaltet die Uhrmachermeisterin nach ihren Vorstellungen. Zusammengebaut werden die Zeitnehmer in einer Manufaktur außerhalb. Alle Uhren laufen mechanisch - ohne Batterie. Der Name „Aurelius seit 1881“ birgt für Qualität.

Innerhalb von fünf Jahren hat Katrin Fahnert eine ganze Aurelius-Kollektion entworfen.

Von der einfachen Damen-Uhr bis zum aufwändigen Chronographen mit Datumsanzeige entwirft Katrin Fahnert die unterschiedlichsten Modelle. Bis zu 46 Millimeter sind die Gehäuse im Durchmesser. Die klotzigen Uhren sind besonders beliebt in den USA. Neben ihren eigenen Ideen verwirklicht die 38-Jährige auch Maßanfertigungen auf Kundenwunsch. Als ihr dementer Großvater Gerhard, der nur noch selten Regungen zeigte, vor fünf Jahren die erste Uhr von ihr sah, strahlte sein Gesicht.

Aurelius Weinreich begründete vor 130 Jahren die Uhrmacher-Tradition.

Katrin Fahnert stammt aus einer Uhrmacher-Familie. Neben Aurelius Weinreich, der sich 1881 mit einem eigenen Geschäft im thüringischen Heldrungen selbstständig machte, waren auch Ur-Opa Friedrich und Opa Gerhard Meister ihres Fachs, Mutter Birgit zu DDR-Zeiten Uhrmacherin. 1994 war Katrin Fahnert mit 22 Jahren die jüngste Uhrmachermeisterin Deutschlands. Fünf Jahre später ist sie nach Sontra gekommen und hat das Juwelier-Geschäft von Franz Kunze übernommen. Kunze hatte zwischen 1944 und 1947 das Uhrmacher-Handwerk am Stammsitz der Familie Weinreich in Heldrungen am Kyffhäuser erlernt. Auch als die Mauer Deutschland teilte, riss der Kontakte zwischen Sontra und Heldrungen nicht ab. Franz Kunze versorgte die Freunde im Osten mit hochwertigem West-Werkzeug. „Darum haben mich alle Kollegen während der Meisterschule in Pforzheim noch beneidet“, erinnert sich Katrin Fahnert.

Auf Wunsch von Franz Kunze kam Katrin Fahnert Ende der 1990er Jahre nach Sontra und übernahm am 1. Januar 1999 das Geschäft. Zusammen mit ihrem Ehemann Axel vereinigt sie seitdem Handwerkskunst mit moderner Technik. Erst vor kurzer Zeit hat sie Uhren mit einem integrierten Tesla-Chip entwickelt, der vor Elektrosmog schützen soll (lesen Sie dazu auch den Hintergrund-Kasten).

„Echte Uhrmacher liefern auch echte Qualität“, sagt Katrin Fahnert. Das koste, werde aber immer seltener von Kunden bezahlt. Katrin Fahnert wird deshalb in wenigen Jahren wohl wie ihre Uhren zu einem beliebten Einzelstück werden. (Tobias Stück)

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