Die Wagner-Festspiele in Bayreuth:

Großer Auftritt für das Handwerk

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Metallblasinstrumentenmacher Martin Ecker fertigt eines der seltensten Musikinstrumente weltweit: die Wagnertuba.

Mit der Eröffnung der Bayreuther Festspiele im Juli erreicht das Wagner- Jahr 2013 seinen Höhepunkt. Seit Monaten feiern die deutschen Opernbühnen das Werk des Ausnahmekomponisten mit Sonderaufführungen und Konzerten, an denen auch das Handwerk entscheidend mitwirkt.

Denn echtes Wagner-Theater erfordert nicht nur heldenhafte Tenöre, sondern auch jede Menge handwerkliche Experten.

Auf Richard Wagners Opernbühne kämpfen Zwerge, Riesen und Götter um ein magisches Erzeugnis handwerklicher Wertarbeit: den „Ring des Nibelungen“. Doch auch hinter den Kulissen der Bayreuther Festspiele lässt das Handwerk seinen Zauber wirken. Von der Bühnentechnik über das Kostümbild bis zum Orchestergraben – im weltberühmten Festspielhaus auf dem „grünen Hügel“ sorgen zahlreiche Handwerker für einen reibungslosen Ablauf. Über 120 Schlosser, Tischler, Elektroniker, Modisten und Maskenbildner sind allein in den offiziellen Werkstätten der Richard-Wagner-Festspiele tätig. Aber auch über die Grenzen Bayreuths hinweg arbeiten etliche Handwerksbetriebe daran, das künstlerische Erbe des Komponisten lebendig zu halten.

Der echte Wagner-Klang

Einer dieser Betriebe ist die Meisterwerkstatt „Dieter Otto“ im bayerischen Neumarkt-Sankt Veit. Hier fertigt Metallblasinstrumentenmacher Martin Ecker eines der seltensten Musikinstrumente weltweit: die Wagnertuba. „Sie kommt hauptsächlich in der Oper „Der Ring des Nibelungen“ vor, für die sie Richard Wagner in den 1860er Jahren extra bauen ließ“, sagt Ecker. Lediglich vier bis acht Exemplare fertigt der Handwerksmeister davon im Jahr. Rund 80 Arbeitsstunden benötigt er pro Wagnertuba. Die wertvollen Instrumente sind jedoch nicht, wie der Name vermuten lässt, mit der Tuba verwandt, sondern zählen zu der Familie der Waldhörner. „Der Klang ist viel dunkler als der einer echten Tuba“, erklärt Ecker. Bei der Herstellung ist neben Geschick in der Metallverarbeitung vor allem gutes Gespür für die Tonalität gefragt. „Schon als Kind habe ich Horn gespielt und später mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt der 33-Jährige. „Meine musiktheoretischen Kenntnisse sind bei der Arbeit sehr wichtig.“ Mit seinem speziellen Handwerk führt er die Tradition seines Vorgängers Dieter Otto fort, der im Jahr 1975 seine erste Wagnertuba nach Bayreuth lieferte. Heute erklingen die Blechblasinstrumente aus dem Hause „Otto“  überall auf der Welt – und verleihen den Kompositionen Wagners ihren ganz besonderen Klang.

Zwischen Tradition und Moderne

Das besondere Erlebnis einer Wagner-Oper wird auch von prominenten Hörern geschätzt: Ob Bundeskanzlerin, Wirtschaftsgrößen oder Showstars – seit jeher bietet Bayreuths „grüner Hügel“ auch dem gesellschaftlichen Schauspiel eine Bühne. Hierfür haben die Raumausstatter vom Einrichtungshaus Schautz eine weitere glanzvolle Kulisse im Festspielhaus geschaffen: die Gold- und Silberlounge. „Für die Räumlichkeiten in den ehemaligen Probebühnen haben wir den traditionellen Stil des Hauses in die Moderne übersetzt“, erklärt Geschäftsführer Joachim Benecke. Auf rund 600 Quadratmetern entstand so ein repräsentativer Empfangs- und Bewirtungsbereich mit langen Dinner-Tafeln, Bar-Elementen und stimmungsvoller Beleuchtung. „Von den Polstermöbeln über die Vorhänge bis zu den Esstischen ist alles von uns selbst geplant und umgesetzt worden“, erklärt Benecke. Die exklusive Sonderausstattung entstand in der Polster-, Näh- und Schreiner-Werkstatt des Einrichtungshauses, in der sechs handwerkliche Raumausstatter und Tischler arbeiten. Trotz wochenlanger Arbeit stellte das Einrichtungshaus den Festspielen keine Rechnung. „Über meinen Großvater kenne ich die Familie Wagner seit meiner Kindheit persönlich“, sagt Benecke. „Als handwerkliches Traditionsunternehmen aus Bayreuth fühlen wir uns verpflichtet, die Festspiele zu unterstützen.“ (www.handwerk.de)

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