IPC-Weltcup: Spitzensportler setzen auf das Handwerk

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Setzt bei ihrem Schlitten auf das Handwerk: Andrea Eskau ist erfolgreiche Paralympische Sportlerin.

Vom 22. bis zum 27. Februar findet das Weltcup-Finale der Langläufer und Biathleten des Internationalen Paralympischen Komitees im niederbayerischen Finsterau statt.

Handwerker aus unterschiedlichsten Gewerken, allen voran die Orthopädiemechaniker, sorgen mit ihren Entwicklungen und Erfindungen dafür, dass die dort antretenden Spitzensportler Höchstleistungen erbringen können.

Aber nicht nur Profisportler mit körperlichen Beeinträchtigungen profitieren von handwerklichem Know-how. Ob Sportprothesen, Rollstuhlanfertigungen oder orthopädische Einlagen – auch Freizeitsportler und Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen bauen auf die individuellen Leistungen der orthopädietechnischen Handwerksbetriebe.

Zum Weltcup-Finale in Finsterau messen sich die besten Athleten des Behindertensports aus 32 Nationen in nordischen Skisportarten. Über 130 Rollstuhlfahrer, Bein- und Armbehinderte sowie Blinde und Sehbehinderte werden auf den Loipen und am Biathlon- Schießstand um Medaillen konkurrieren. Viele Athleten nutzen dabei handwerkliche Produkte, seien es Sportgeräte oder Prothesen.

Mit High-Tech-Skischlitten zur Olympiamedaille

Eine von ihnen ist die querschnittgelähmte Andrea Eskau, die in Finsterau in vier Weltcup-Rennen um einen Platz auf dem Treppchen kämpfen wird. Mit ihrem ultraleichten Skischlitten hat sie beim 5 km Langlauf der Paralympics in Vancouver 2010 die Silbermedaille gewonnen und im Biathlon Bronze geholt. Ihr exakt angepasstes Schlittenmodell wurde von den Handwerkern der Firma Schmicking aus dem westfälischen Holzwickede gefertigt. Hier arbeiten Orthopädie-, Feinwerk-, Zweirad- und Karosseriemechaniker und Technische Zeichner Hand in Hand an der Herstellung maßgeschneiderter Sportgeräte für Athleten aus aller Welt. Geschäftsführer Thomas Schmicking, selbst gelernter Orthopädiemechaniker, sieht sich als Vermittler zwischen Sportlern und Handwerkern: „Die Athleten kommen mit individuellen Wünschen und Bedürfnissen zu uns und gemeinsam erarbeiten wir dann Lösungsstrategien.“ Für Andrea Eskau haben die Handwerker für den Biathlon-Lauf auch ein Schulterstück zur besseren Gewehrhaltung angefertigt, welches das zielgenaue Schießen im Wettkampf erleichtert. Mit Erfolg: Nach wenigen Monaten Training mit dem System wurde sie bereits mit Medaillen belohnt.

Rekordverdächtiges Handwerk

Aber nicht nur beim Ski-Weltcup sorgen Handwerker mit ihren Erfindungen dafür, dass Menschen mit Handicap vollen Einsatz zeigen können. Einer, der sich besonders für die Weiterentwicklung von Sportprothesen für beinamputierte Profis und Freizeitsportler gleichermaßen einsetzt, ist Orthopädiemechanikermeister Markus Piro. Er war als Betreuer bei den Paralympischen Spielen in Atlanta und Sydney dabei und leitet heute das Orthopädie + Vital Zentrum Piro in Villingen-Schwenningen. Piro kennt die besonderen Herausforderungen des Spitzensports bei der Prothesenherstellung. „Aufgrund der extremen Belastungen müssen die Prothesen für den Sport ganz anders als für den Alltag eingestellt werden. Außerdem muss die Energie der Prothese beispielsweise beim Sprint in die Laufrichtung zurückgegeben werden, während sie beim Hochsprung nach oben und in den Lauf geht“, erklärt Piro. Sein Know-how zahlt sich aus. Der von ihm betreute Leichtathlet Markus Ehm stellte 2002 mit 11,60 Sekunden auf hundert Meter einen Europarekord auf.

Handwerkliche Individuallösungen für alle

Auch behinderte Freizeitsportler können auf spezielle Produkte und orthopädische Hilfsmittel des Handwerks zurückgreifen. Die Firma Winkler Orthopädietechnik aus Minden fertigt besonders widerstandsfähige und flexible Prothesen aus Kohlefasern, die Beinamputierten das Inline-Skaten und Marathonlaufen möglich machen. Der auf Skischuhe spezialisierte Orthopädieschuhmacher-Betrieb von Stephan Riedl aus Ohlstadt fertigt individuelle orthopädische Einlagen, Innenschuhe und Bandagen. Zwei weitere von vielen Handwerksbetrieben, die dazu beitragen, dass Menschen trotz Behinderung oder körperlichen Beeinträchtigungen weiter Sport treiben können. (www.handwerk.de)

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