Als Zimmergeselle in Tansania 

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Großer Andrang: Ein Krankentransport mit dem Helikopter (im Hintergrund) ist im tansanischen Dorf Shunga ein Ereignis von großem Interesse. Hinter Jonathan Kröck drängeln sich Zuschauer.

„Für den Urlaub im nächsten Jahr plane ich, meine Freunde am Missionskrankenhaus in Shunga zu besuchen“, sagt Jonathan Kröck aus Martinhagen. Kaum ist der 21-Jährige aus Tansania zurück, will er schon wieder hin.

Als Zimmergeselle hat er in dem ostafrikanischen Land gearbeitet. Kröck absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in dem Krankenhaus in Shunga. Das ist ein Dorf unweit des Tanganyika-Sees in der Region Kigoma, nur wenige Kilometer von der Grenze nach Burundi entfernt.

Der junge Mann wollte sein FSJ in Tansania absolvieren, weil er mit seinen Eltern, die als Missionare arbeiteten, bereits von 1989 bis 1999 dort gelebt hatte. Seit einer Woche ist der 21-Jährige aus Afrika zurück. Am 1. September beginnt er nach einigen Tagen Erholung wieder mit der Arbeit in seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb in Balhorn. In jedem Fall möchte er aber bald wieder nach Afrika reisen.

Wellblechdach bedeutet Wohlstand

10 000 Einwohner leben in Shunga, zwei Autos gibt es im Dorf, erzählt Jonathan. Das Krankenhaus, in dem er als Zimmerer arbeitete, verfügt ebenfalls über zwei vierrädrige Kraftfahrzeuge, einen Krankentransporter und einen Pick-up. Die private 80-Betten-Klinik wird von der Neukirchener Mission getragen. Seit Kurzem gibt es auch einen kleinen Operationssaal, das nächste Krankenhaus ist mehr als 30 Kilometer entfernt.

Wenn ein Haus in Shunga ein Wellblechdach hat, gelten seine Besitzer als wohlhabend. „Die Menschen sind arm, ein Tageslohn beträgt weniger als einen Euro“, berichtet Kröck. Viele Menschen hätten gar keine Arbeit.

Zimmern mit einfachen Geräten

Es habe ihn jedesmal erstaunt, wie viele Zuschauer sich täglich am Zaun des Krankenhaushofes eingefunden hätten, um ihn und die wenigen Arbeiter bei den Reparaturarbeiten oder dem Zurichten von Holzkonstruktionen zu beobachten: „Zeit spielt überhaupt keine Rolle, davon ist viel vorhanden.“ Alle Zimmerarbeiten werden mit Handwerkszeug erledigt, elektrische Geräte gibt es nicht.

Giraffen auf Seide: Ein gemaltes Bild erinnert Jonathan Kröck in Martinhagen an die Farben der afrikanischen Steppe.

Die Menschen nennt Jonathan herzlich und offen. Wenn er nach der Arbeit durch das Dorf ging, habe er viele Gelegenheiten gehabt, seine Kenntnisse in Kisuaheli – der Amtssprache des Landes – zu vertiefen. „Es gibt dort niemanden, den ich nicht mag. Man war immer willkommen, die Leute luden mich ein, wir tranken Tee und sprachen miteinander.“ Die Menschen wollten wissen, was er so mache und wie es in Deutschland sei. „Die Sprache hatte ich seit 1999 fast ganz vergessen“, erzählt Kröck, weniger als 50 Worte habe er anfangs parat gehabt.

Kröck unterrichtet: Die Welt des Computers

Aber nun ist er stolz darauf, dass er neun Menschen mit dem Computer vertraut machen konnte. „Das waren so viele, wie ich in der Zeit unterrichten konnte“, berichtet Kröck. Immer abends, wenn es elektrischen Strom vom Generator gab, zeigte er zwei von ihnen zwei Wochen lang an den beiden vorhandenen Rechnern, wie sie damit arbeiten können. (Constanze Junker)

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