Für Zugluft wird's eng

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Problem erkannt und eine Lösung erfunden: Tischlermeister Ralf Syring aus Kleinern zeigt den oberen Spalt einer nicht korrekt schließenden Zimmertür.

Wer kennt das nicht: Durch unkorrekt schließende Türen zieht es oft wie Hechtsuppe – wie es manche Leute nennen. Ralf Syring aus Edertal hat eine Lösung parat. Er entwickelte einen speziellen Beschlag und ließ ihn patentieren.

Die Türzusatzbeschläge aus Metall werden oben und unten in Türfalze unsichtbar eingebaut. „Die Metallbeschläge ziehen Türen beim Schließen auf dem letzten Zentimeter ständig an die Dichtungen heran und sie verhindern somit ein Verziehen“, erläutert der Erfinder.

Um den Anpressdruck zu erzeugen, seien keine Motoren oder Batterien nötig. „Beim Türöffnen wird fast unmerklich eine Federspannung erzeugt, mit der der Türzusatzbeschlag arbeitet.“

Tischler montierten Haus- und Zimmertüren mit größter Sorgfalt und so ordentlich wie möglich, sagt der Handwerksmeister. Immer wieder fragten sich aber Kunden nach einiger Zeit, warum sich Türen nachträglich verziehen würden. „Durch diesen problematischen Effekt kann dann Kälte, Zugluft und Schall in die Wohnungen eindringen.“

Klimaklassen

Ein Drittel der Haustüren und ein Zehntel der Wohnungstüren wie zum Beispiel der Klimaklassen zwei und drei seien zwar teuer, sie würden sich aber nicht so stark verziehen. Dennoch seien bei diesen Türen Verformungen von bis zu vier oder 5,5 Millimeter möglich, ohne das daraus Garantieansprüche geltend gemacht werden können, erklärt Ralf Syring.

Der patentierte Beschlag: Im Inneren befindet sich eine Mechanik, die eine Federspannung erzeugt.

Er bekennt: „Wir waren es irgendwann leid, immer wieder Tesa Moll einkleben zu müssen.“ Die energiesparende Erfindung sei nach vielen Gesprächen mit Kunden und Türherstellern entwickelt worden. Prototypen der Türzusatzbeschläge ließ der Edertaler bei einer Firma im Sauerland anfertigen. Sie werden gerade von der Türindustrie getestet.

„Wenn in Serie gefertigt werden kann, wird der Einkaufspreis für die Zimmertür-Industrie bei unter zehn Euro netto pro Stück liegen. Hinzu kommen dann noch Kosten für Einfräsungen mit vorhandenen CNC-Maschinen und eventuell Montieren im Zimmertürwerk oder als Zubehör. Die Beschläge könnten aber auch für die Montage vor Ort problemlos mit in Türfutterkartons gelegt werden“, sagt Syring.

Fernsehbeitrag und Innovationspreis

Die Erfindung sorgt inzwischen für Aufmerksamkeit und öffentliches Interesse. „Im Oktober bekomme ich Besuch vom Mitteldeutschen Rundfunk“, sagt Ralf Syring. Ein Kamerateam des Senders will für das Erfindermagazin „Einfach genial“ einen Beitrag über den Türzusatzbeschlag in Kleinern drehen. Voraussichtlicher Sendetermin ist Dienstag, 8. November. Mit Spannung blickt der Handwerksmeister jedoch auf Montag, 10. Oktober. An diesem Tag werden die Sieger des Innovationspreises des Landkreises Göttingen gekürt. Ralf Syring zählt mit seiner Erfindung zu den Nominierten. (ukl)

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