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Zwei Handwerke - ein Beruf

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Handarbeit: Stellmacher Karl Rode Hellenbrecht ließ sich 1951 mit seinem Gesellenstück fotografieren.
Handarbeit: Stellmacher Karl Rode Hellenbrecht ließ sich 1951 mit seinem Gesellenstück fotografieren. © Privat

Aus zwei mach eins. Nach diesem Motto gingen im frühen 19. Jahrhundert die Berufe Rademacher und Wagner ineinander über und wurden zum Beruf des Stellmachers.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Rademacher hauptsächlich Räder und die Wagner Wagengestelle hergestellt. In einer Stellmacherei wurden sowohl Räder wie auch Wagen und andere landwirtschaftliche Geräte aus Holz gefertigt. Früher als Waggonbauer und später als Karosseriebauer in der Autoherstellung gefragt, hat die Stellmacherei mit dem Beginn der industriellen Fließband-Fertigung ihre Bedeutung verloren.

Foto mit Schmuck: Familie Westermann um 1906 vor ihrer Stellmacherei „Auf der Breite“ in Trendelburg. Das Foto ist samt schmuckvoller Umrandung im Jugendstil-Dekor erhalten.
Foto mit Schmuck: Familie Westermann um 1906 vor ihrer Stellmacherei „Auf der Breite“ in Trendelburg. Das Foto ist samt schmuckvoller Umrandung im Jugendstil-Dekor erhalten. © Privat

Im Bestand des Heimatvereins Trendelburg befindet sich ein handgeschriebenes Papier aus dem Jahr 1937, das die Zahl der ortsansässigen Handwerker auflistet - darunter vier Stellmacher. Zudem sind mehrere Fotos erhalten, die dieses Handwerk zum Motiv haben. Eines davon zeigt die Familie Westermann vor ihrer Stellmacherei „Auf der Breite“. Die Aufnahme entstand wohl um 1906 und befindet sich samt Papprahmen mit Jugendstildekor im Archiv. Auf einem anderen Foto ist der Stellmacher Karl Rode-Hellenbrecht in der Zwete hinter der Werkstatt unterhalb des Pfarrhauses und der damaligen Pfarrscheune zu sehen - mit der Spitze eines der Burgtürme rechts im Hintergrund. Die Witwe von Rode-Hellenbrecht, Marie-Luise Rode-Hellenbrecht, hat dem Museum das Bild vor Kurzem überlassen. Der Trendelburger ließ sich 1951 nach Beendigung seiner Lehre mit dem Gesellenstück, einem Rad, ablichten. Die Werkstatt gehörte seinem Onkel Karl Rode I, der auch Bürgermeister in Trendelburg war. Mit Handwerksgeräten wie Hobelbank, Schnitz- und Zugbank brauchten die Stellmacher ausreichend Raum für ihre Arbeit. Nicht zuletzt weil sie auch Leitern herstellten.

Über die Arbeitsbedingungen in der längst aufgegebenen Werkstatt Rode kann Bodo Simon, Mitglied im Heimatverein, etwas aus eigener Erfahrung erzählen. „Ich war zu Besuch bei der Familie und unterhielt mich mit Frau Rode in der Küche, als diese plötzlich Vorsicht rief und mich zur Seite zog“, so Simon. Wie von Zauberhand habe sich eine Klappe aufgetan und ein langes Stück Holz sei in den Raum gefahren. Der Stellmacher war beim Leiterholz hobeln. (ziv)

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