Schweiz kämpft mit starker Währung – Exportwirtschaft und Tourismus leiden

Harter Franken belastet

Auf dem 20-Franken-Schein ist das Konterfei des Komponisten Arthur Honegger.

Während weltweit über einen schwachen Dollar und einen schwächelnden Euro geklagt wird, kämpft die Schweiz mit einem zu starken Franken, der die Wirtschaft belastet. Gestern senkte die Schweizer Notenbank den Leitzins. Ein Franken kostete 90 Euro-Cent, zwei Cent weniger als am Tag zuvor.

?Warum musste die Schweizer Nationalbank handeln?

!Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat den wichtigsten Zinssatz für den Interbankenhandel auf den Korridor von 0,0 bis 0,25 Prozent eingeengt, um mit billigem Geld den Markt zu fluten. Durch die Euro-Schuldenkrise und die drohende US-Pleite haben viele Anleger ihr Geld in Franken angelegt. Das hat ihn ungewöhnlich stark gemacht. Für die Schweizer Exportwirtschaft ist dies eine Katastrophe. Zum einen können sie ihre Produkte im Ausland kaum noch verkaufen, da sie wechselkursbedingt zu teuer sind. Zum anderen verdienen sie weniger, wenn sie ihre Erzeugnisse im Ausland künstlich im Preis drücken, um den Absatz nicht zu gefährden.

?Warum setzen Anleger auf den Franken?

!Die Wirtschaft der Schweiz gilt als eine der stabilsten Volkswirtschaften der Welt. Als Erfolgsfaktor gilt unter anderem die Preisstabilität. So lag die Inflationsrate im Juni bei 0,56 Prozent. Die Staatsverschuldung lag 2009 bei 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von 179,5 Milliarden US-Dollar. Wegen der politischen Neutralität und des wirtschaftlichen Wohlstands der Schweiz gilt der Franken als klassische Krisenwährung.

?Warum ist eine harte Währung nicht sinnvoll?

!Der starke Franken verteuert die Produkte der Wirtschaft im Ausland. Das lähmt den Export und das Wirtschaftswachstum. Zwar ist die Schweiz für ihre Uhren- und pharmazeutische Industrie, die Medizintechnik sowie den Maschinenbau bekannt, aber drei Viertel der Erwerbstätigen arbeiten im Dienstleistungsbereich. Hotels und Restaurants haben daran einen Anteil von gut fünf Prozent.

?Trifft dies auch den Tourismus?

!Die Schweiz wird für viele Urlauber zu teuer. Einige Beispiele: Spaghetti mit Knoblauch und Öl kosten im Restaurant 19,90 Franken – 18 Euro, die Pizza nach Wahl gibt es für 21,90 Franken oder 19,80 Euro und das Stück Butter im Sonderangebot für zwei Franken oder 1,81 Euro.

?Wird der Schritt der Notenbank reichen?

!Erst einmal ja. Es ist das einzige, was die Schweizer tun können. Wie lange diese Franken-Bremse wirkt, ist fraglich. Unter Null Prozent können Zinsen nicht fallen.

?Gibt es andere Möglichkeiten, um Konzerne wie Nestlé und Swatch zu entlasten?

!Auf Rechnungen zwischen Unternehmen gewinnt der Euro an Bedeutung. Obwohl er kein offizielles Zahlungsmittel ist, lässt sich so das Währungsrisiko mindern. Auch mehren sich die Stimmen, die eine Anbindung des Franken an den Euro fordern. An den Börsen wird eine Euro-Franken-Parität nicht mehr ausgeschlossen.

Von Martina Wewetzer

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