Die hausgemachte Zusatzrente - Banken zögern noch

Im eigenen Haus alt werden: Mit so genannten Umkehrdarlehen können Senioren einen Kredit auf ihre Immobilie aufnehmen, der ihnen eine Zusatzrente oder ein Extra-Einkommen beschert.

Kassel/Göttingen. Mit dem Eigenheim die Rente aufbessern: Ein so genanntes Umkehrdarlehen ist für Senioren interessant, die zwar eine Immobilie, aber nur geringe Alterseinkünfte haben.

Sie nehmen einen Kredit auf ihr selbst bewohntes Haus auf und beziehen dafür eine monatliche Rente. Zinsen und Tilgung fallen erst an, wenn der Darlehensnehmer stirbt, das Haus verkauft oder auszieht.

In angelsächsischen Ländern sind diese Darlehen nicht ungewöhnlich, in Deutschland aber neu. Als einzige private Bank macht die ImmoKasse GmbH in München bundesweit ein derartiges Angebot – allerdings als Einmalzahlung. Die Förderbanken der Länder feilen an ähnlichen Produkten. Vorreiter ist die Investitionsbank Schleswig-Holstein. Ihre monatliche ImmoRente können aber nur Senioren beanspruchen, die in ihrem Haus im nördlichen Bundesland leben, Hessen und Niedersachsen sind noch außen vor.

Denn diese Länder warten noch ab: „Vorerst ist mit einer Einführung nicht zu rechnen“, heißt es bei der Investitions- und Förderbank Niedersachsen. Auch die Wirtschafts- und Infrastrukturbank in Hessen gibt sich zurückhaltend: Man sei in Gesprächen mit dem Land. „Leider zeichnet sich noch keine Tendenz ab, ob wir ein solches Programm auflegen werden oder nicht“, sagt WiBank-Sprecherin Bärbl Pezzarossa.

Angesichts der älter werdenden Bevölkerung und der Zukunft des Rentensystems bestehe ein „hohes Interesse an einem solchen Produkt“, sagt Ulrike Franz-Stöcker, Sprecherin des hessischen Wirtschaftsministeriums. Doch es gibt Hürden: So richte sich das Angebot meist an Interessenten mit hochwertigen Immobilien. Die Münchner ImmoKasse, die mit ihrem Häuschen-Darlehen im September 2009 an den Start ging, verbucht zwar mehrere tausend Anfragen. Die Abschlüsse beziffert Geschäftsführer Lutz Delius aber auf eine niedrige dreistellige Zahl.

Die Schleswig-Holsteiner haben ihre ImmoRente Ende April eingeführt. Seitdem gab es 200 Beratungsgespräche – in denen sich herausstellte, dass die Interessenten statt der lebenslang garantierten Rente, die die Förderbank bot, lieber eine höhere Monatszahlung bei begrenzter Laufzeit wollten. Nun wird kompliziert gerechnet: Wie hoch die Rente ausfällt, richtet sich nach dem Alter, das der Kreditnehmer wahrscheinlich erreicht.

Der Aufwand sei hoch, sagt Manfred Morwinski von der Investitionsbank. Weil der Kredit langsam in Anspruch genommen werde, ließen sich weder die Anlauf- noch die laufenden Kosten des Kredites decken.: Die Gewinnschwelle liege „in fernerer Zukunft“.

Von Barbara Will

ImmoRente – so wird gerechnet

Wer sich für eine Immorente interessiert, muss mindestens 60, bei der ImmoKasse 65 Jahre alt sein und eine schuldenfreie oder wenig belastete Immobilie bieten.

ImmoKasse GmbH: Beleihungswert: Richtet sich nach dem Alter des Kreditnehmers und reicht von 15 Prozent ( 65-Jähriger) bis 35 Prozent (ab 80 Jahren). Mit dem Alter steigt auch die Beleihungsgrenze. Zinssatz: 6,9 Prozent fest Auszahlung: Einmalbetrag Beispiel: Ein 70-Jähriger erhält bei einem Verkehswert seines Hauses von 300.000 Euro rund 65.000 Euro (21,66 Prozent) Haftung: Nur das Objekt haftet, keine spätere Belastung der Erben.

Investitionsbank Schleswig-Holstein: Beleihungsgswert: Geschätzter Wert der Immobilie am Ende der Vertragslaufzeit. Laufzeit: Statistische Lebenserwartung des Kreditnehmers. Ist sie erreicht, endet die Rentenzahlung. Erst fünf Jahre später muss der Kredit zurückgezahlt werden. Zinssatz: 4,26 bis 4,47 Prozent fest, je nach Alter des Kreditnehmers Auszahlung: monatlich Beispiel: Ein 65-Jähriger mit einem Haus zum Verkehrswert von 165 000 Euro erhält monatlich 253 Euro (96.000 Euro Darlehen). Haftung: Ist das Darlehen durch die Immobilie nicht ganz gedeckt, müssen der Kreditnehmer oder die Erben zahlen.

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