Aufsichtsräte des Autokonzerns sehen Kritik von Investor TCI bislang gelassen

Hedgefonds-Attacke auf VW

Dunkle Wolken ziehen auf: Bislang sieht der Volkswagen Aufsichtsrat das Engagement des Hedge-Fonds TCI gelassen. Foto: dpa

Sie sind die Unbekannten auf den Finanzmärkten: Hedge Fonds, die oft auch als Heuschrecken bezeichnet werden. Sie jonglieren mit Milliarden, tauchen sie auf, gehen in den Chefetagen die Warnlampen an.

Auskunft über ihre Geschäfte? Fehlanzeige. Manager? Sie meiden die Öffentlichkeit. Nun interessiert sich der Londoner Hedgefonds TCI für Volkswagen. TCI steht für: The Children´s Investment Fund. Manager des Fonds ist Christopher Hohn (49). Er ging mit dem VW-Management und den Führungsstrukturen des Autobauers hart ins Gericht.

TCI-Chef Hohn

Wer ist der Mann, der sich die VW-Führungsriege vornimmt? Hohns Taktik ist stets die gleiche: Als rebellischer Investor setzt er die Vorstände unter Druck, um Strategieänderungen zu erzwingen. Bislang zahlten sich seine Beteiligungen aus, die Aktienkurse der angegriffenen Unternehmen stiegen. 2005 durchkreuzte er die Pläne der Deutschen Börse. Auf Druck von TCI musste der damalige Vorstandsvorsitzende, Werner Seifert, seinen Posten räumen, nachdem TCI gegen die damals angestrebte Übernahme der London Stock Exchange gestimmt hatte. TCI wurde vom CDU-Bundestagsabgeordneten Friedrich Merz beraten.

Hohn wurde in einfachen Verhältnissen als Sohn eines Automechanikers in Jamaika geboren. Die Familie wanderte in den 60er-Jahren nach Großbritannien aus. Jährlich spendet der Fonds zwischen 0,5 und ein Prozent seines Anlagevermögens an die wohltätige Children’s Investment Fund Foundation. Im Geschäftsjahr 2014/2015 strich der selbst ernannte Aktionärsaktivist rund 70 Millionen Euro ein. Hohn, von dem es keine offiziellen Fotos gibt und von dem Privates kaum bekannt ist, zählt zur ersten Liga der Londoner Finanzinvestoren. Bis vor zwei Jahren leitete seine damalige Frau Jamie Cooper-Hohn den Fonds.

Hohns Harsche Kritik

Hohn hat per Brief Vorstand und Aufsichtsrat von Volkswagen angegriffen. „Es ist das schmutzige Geheimnis des Volkswagen-Konzerns, dass das Management über Jahre reichhaltig entlohnt wurde, obwohl es einen Kollaps der Produktivität und des Gewinns zu verantworten hat“, zitiert das Manager Magazin. Hohn rechnet vor, dass der operative Gewinn zwischen 2011 und 2016 bei 11,3 Milliarden Euro verharre. „Schockierenderweise haben die neun Mitglieder des Vorstandes in dieser Zeit 400 Millionen Euro eingestrichen.“ VW müsse produktiver und effizienter werden. „Das alte Management handelte auf Geheiß der deutschen Gewerkschaften, schützte Jobs und erhöhte die Löhne der deutschen Mitarbeiter – das ist langfristig nicht gut für das Unternehmen und auch nicht gut für die Beschäftigten.“ Das neue Management unter Matthias Müller sei in Ordnung, müsse sich aber verbessern.

Laut Financial Times hält TCI einen zweiprozentigen Anteil im Wert von 1,2 Milliarden Euro an VW. Dabei soll es sich um Vorzugsaktien handeln, die nicht stimmberechtigt sind. Bislang hat sich offiziell noch kein Mitstreiter zu Hohn bekannt.

Das sagt Volkswagen

„Ich gehe nicht davon aus, dass uns das vor größere Probleme stellen wird“, sagte einer der Aufsichtsräte. Denn der Einfluss bei VW ist durch die Verteilung der stimmberechtigten Stammaktien auf die Familien Porsche/Piëch, das Land Niedersachsen und den Großaktionär Katar begrenzt. TCI werde abseits von Unruhe – etwa bei der Hauptversammlung am 22. Juni – zunächst keine größeren Probleme bereiten. (mit dpa)

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