IHK Kassel legt erstmals Standort-Atlas für Nordhessen vor

Standort-Atlas für Nordhessen

+
Herkules in Kassel Wilhelmshöhe

Mit einem Standortatlas hat die Industrie- und Handelskammer Kassel Stärken und Schwächen der Wirtschaftsregion Nordhessen auf eine verlässliche Datenbasis gestellt. Ziel sei es, „die Rahmenbedingungen für die Entwicklung zu verbessern“, so IHK-Präsident Martin Viessmann.

Ulrich Spengler

Die Studie soll alle zwei Jahre aktualisiert werden, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Lohmeier. Nach wie vor ist die zum Teil schlechte Verkehrsinfrastruktur ein Hemmnis für die Region. „Ein Berufsleben reicht nicht, um ein Verkehrsproblem zu lösen.“ Vorgestellt wurde die Analyse von Ulrich Spengler, zuständig für die Standortpolitik der IHK.

Dauerthema Straßenbau - was wollen Sie tun?

Ulrich Spengler: Das Gespräch mit der Landesregierung suchen etwa auf dem Jahresempfang. Doch es ist nicht nur die Straße – ähnlich mau sieht es bei den Anbindungen per Schiene aus – durchweg Punkte, die für die Logistikregion Nordhessen enorm wichtig sind.

Gibt es überhaupt noch genügend Logistikflächen?

Spengler: In Nordhessen gibt es über drei Millionen Quadratmeter Logistikflächen in der Nähe leistungsfähiger Verkehrsachsen. Trotzdem gibt es im Raum Kassel Engpässe bei großen Flächen. Deshalb müssen Gewerbeflächen auch in Zeiten einer schwachen Konjunktur entwickelt werden. Bestehende Datenbanken müssen deutlich aussagefähiger werden.

Verkehr ist nicht alles. Wo klemmt es noch?

Spengler: Die Breitbandversorgung für den schnellen Datenaustausch per Internet hat den Rang von Straße und Schiene. Für eine Gewerbeansiedlung sind diese schnellen Zugänge unerlässlich. Bislang sind diese mit akzeptabler Geschwindigkeit und akzeptablen Kosten nicht überall verfügbar. Bislang wurde dieses Thema von der Kommunalpolitik nicht entsprechend beachtet. Selbst in der Region Kassel ist die DSL-Versorgung nur gut bis mittel.

Wie sieht es mit den Fachkräften aus?

Zur Person

Ulrich Spengler (53) ist als zweiter stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Kassel auch zuständig für die Standortpolitik. Der studierte Wirtschaftsgeograph lebt in Kassel, ist verheiratet und Vater dreier Kinder. In seiner Freizeit schwimmt er gern, fährt Mountain-Bike und Ski.

Spengler: Die Verfügbarkeit wird Thema werden, vor allem vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. So wird im Kreis Werra-Meißner bis 2030 die Bevölkerung um ein Fünftel schrumpfen und in Hersfeld-Rotenburg um 16,4 Prozent. Das Schrumpfen ist bekannt. Da können wir nur mit flächendeckenden Initiativen zur Qualifizierung kontern, in Bildungs- und Betreuungsangebote investieren, das Image der Region verbessern, um Fachkräfte zu gewinnen. Eine internationale Schule könnte Fachkräfte binden. Das Fachkräfte-Potenzial ist entscheidend für Investitionen und Ansiedlungen, aber auch bei Betriebsnachfolgen.

Womit kann die Region denn punkten?

Spengler: Das Arbeitnehmerentgelt in der Region lag 2007 durchweg unter dem hessischen Durchschnitt von 37 181 Euro. Die Lohnkosten sind geringer als im Rhein-Main-Gebiet. Am niedrigsten ist das Entgelt mit 31 163 Euro im Werra-Meißner-Kreis. Aber auch in der Umweltqualität sind wir durchweg gut und sehr gut sowie bei Netzwerken.

Welches Gewicht haben die weichen Faktoren?

Spengler: Forschungseinrichtungen bieten einzelnen Unternehmen die Chance, Wettbewerbsvorteile zu schaffen, dazu gehören auch branchenübergreifende Netzwerke. Doch weit wichtiger sind die Unternehmerfreundlichkeit der Verwaltung inclusive der kommunalen Steuersätze und die Möglichkeiten der Förderung.

Die 75-Seiten-Studie steht im Internet auf www.ihk-kassel.de

Kommentar: Stillstand

Der Standortatlas ist eine Bestandsaufnahme der Region, aber auch das unfreiwillige Eingeständnis der Industrie- und Handelskammer Kassel, als Sprachrohr der Wirtschaft in punkto Infrastruktur über Jahre nichts erreicht zu haben. Seit Jahren werden Straßen gefordert, erörtert und geplant – nur es passiert nichts. Stillstand. Stattdessen wird geklagt, dass die Landespolitiker das eine nicht tuen, während die Bundespolitiker das andere nicht schaffen. Aber: Niemand scheint sich dafür verantwortlich zu fühlen. Dabei hängt am Straßenbau so viel – die Logistikbranche und auch Betriebs-Ansiedlungen fern der Oberzentren. Auf das Problem hinzuweisen ist das eine, Lösungen zu schaffen das andere. Dabei hapert es.

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.