Kasseler Familienunternehmen Hermanns Bau AG wird in dritter Generation geführt

+
Gemeinsam stark: Dr. Anne Fenge und Swen Haar. Sie Führen die Hermanns AG mit Hans-Ulrich Hujer.

Kassel. Anne Fenge und Swen Haar führen das Familienunternehmen Hermanns Bau in dritter Generation. Auch privat sind die beiden ein Team.

Dr. Anne Fenge ist gewissermaßen ein Exot in der hessischen Bauwirtschaft – und ein außerordentlich sympathischer dazu. Seit nunmehr zehn Jahren ist die promovierte Ökonomin als Vorstandsmitglied der Hermanns AG erfolgreich in einer bis heute ganz überwiegend von Männern dominierten Branche unterwegs. Gemeinsam mit Ehemann Swen Haar – und auch das ist für die Branche sehr ungewöhnlich – und Vorstandssprecher Hans-Ulrich Hujer führt sie den mittelständischen Familienbetrieb, den sie von Vater Gerhard Fenge übernommen hat.

Damit trägt sie mit ihren beiden Kollegen die Verantwortung für 350 zumeist langjährige Mitarbeiter, die zusammen einen Jahresumsatz von 75 Millionen Euro erzielen. Und nicht nur das. Sie ist das einzige weibliche Vorstandsmitglied im Bauindustrieverbandes Hessen-Thüringen und die Vorsitzende des Bezirks Nordhessen. Auch das hat es bislang nicht gegeben, was auch davon zeugt, dass die Akzeptanz in dieser Männerdomäne für das weibliche Geschlecht in den vergangenen Jahren gewachsen ist.

Keine Probleme mit Männern

Dass Anne Fenge in dieser Männerwelt angenommen und respektiert wird, hat nicht nur mit ihrer ökonomischen Expertise und ihrem Selbstbewusstsein, sondern vor allem auch mit ihrer unprätentiösen und unkomplizierten Art zu tun.

Das hat offensichtlich auch die Männer auf den Baustellen überzeugt. „Die Jungs da draußen hatten von Anfang an kein Problem mit einer Frau, aber einige wenige Ältere in der Verwaltung schon“, erinnert sich Fenge an die Anfangszeiten als Führungsperson. „Das hatte aber wahrscheinlich auch damit zu, dass sie mich seit meinem fünften Lebensjahr kannten“, sagt die hochgewachsene, sportliche Frau, die sich um Personal, Fuhrpark und Verbandsarbeit und weitere Dinge kümmert.

Ehemann Swen, der 2004 zu Hermanns kam, widmet sich unterdessen Finanzen, Bilanzen und Controlling. Denn auch er ist Diplomökonom. Dass die beiden nicht nur Tisch und Bett, sondern auch Arbeit und die dazu gehörende Probleme teilen, ist für sie völlig normal, was dazu führt, dass „die Firma immer mit am Tisch sitzt“, wie Haar erklärt. Gleichwohl: Die beiden hocken dank der Arbeitsteilung nicht den ganzen Tag aufeinander. „Oft sehen wir uns nur morgens und abends“, erklärt der 53-Jährige, der im Ehrenamt als Mitglied der IHK-Vollversammlung sowie als Handelsrichter tätig ist.

Das Geschäft läuft gut. Die Auftragsbücher des bundesweit tätigen Spezialisten für Deponie- und Sportstätten- sowie Tief- und Rohrleitungsbau, schlüsselfertiges Bauen und Sanierung im Bestand sind voll. Der Fachkräftemangel führt mitunter sogar zu Auftragsabsagen. Ungeachtet dessen sind die Gewinnmargen laut Fenge und Haar zu niedrig: Aber die beiden sind keine Jammerer, sondern Macher, die sich seit Jahren mit geringen Margen arrangieren.

Die Gemeinsamkeiten des Baupaars beschränken sich aber nicht nur auf Heim und Arbeit. In ihrer Freizeit joggen sie gern , machen ausgedehnte Spaziergänge mit Emmy und Brösel – zwei Curly Coated Retriever, die natürlich feste Plätze in den Büros von Herrchen und Frauchen haben und quasi zum Inventar gehören. Außerdem treffen sie sich, so oft es geht, mit Freunden und verreisen gern. Und einmal wöchentlich widmet sich Anne Fenge dem Reitsport.

Von Flughäfen bis Sportplätze

Den Ursprung hat die Firma Hermanns vermutlich in den 1920er-Jahren. Damals gründeten zwei gleichnamige Brüder den Baubetrieb in Oberbruch bei Eschweiler. Der Schwiegervater des heutigen Seniorchefs Gerhard Fenge, Karl Holzapfel, übernahm 1950 dessen Kasseler Niederlassung, die zuvor für den Wiederaufbau des 1980 geschlossenen Spinnfaserwerks Enka gegründet worden war. Einige Jahre darauf kam Fenge als Lehrling zu Hermanns. Nach seiner Maurerlehre studierte er Bauwesen, heiratete die Tochter des Chefs, Liselotte, und übernahm in den 1960er-Jahren das Geschäft. Seither hat das Familienunternehmen eine Reihe spektakulärer und prestigeträchtiger Projekte umgesetzt, darunter den Flughafen Kassel-Calden, den Hermanns gemeinsam mit der Kirchheimer Bickhardt Bau GmbH in Rekordzeit und dem längsten Winter seit Menschengedenken zum Trotz aus dem Boden stampfte, das Piper-Gebäude am Airport, Logistikhallen für B.Braun Melsungen, die Wingas-Zentrale in Kassel und vieles mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.