Hessen fördert Qualifikation mit 32 Millionen Euro

Der Fachkräftemangel nimmt zu: So erwarten Experten des Instituts zur Zukunft der Arbeit, dass im Jahr 2020 bereits 1,8 Millionen Fachkräfte fehlen werden. Die Gründe für den Mehrbedarf liegen zum einen im Strukturwandel und den steigenden Qualifikationsanforderungen aufgrund des technischen Fortschritts.

Wie will die Politik den Fachkräftemangel in Griff bekommen? Mit Zuwanderung?

Steffen Saebisch: Zuwanderung liegt vorrangig in der Kompetenz des Bundes. Wir wollen noch in diesem Jahr eine abgestimmte Bund-Länder-Strategie für dieses Thema erreichen. Grundsätzlich sollte klar sein, dass Zuwanderung nicht die alleinige Option sein kann, um Fachkräfte zu akquirieren. Deutschland kann sein demografisches Problem nicht dadurch lösen, dass es ärmeren Ländern deren kluge Köpfe entzieht.

Wie sieht Ihr Vorschlag aus, um das Problem in den Griff zu bekommen?

Saebisch: Es gibt mehrere Möglichkeiten. Erstens: Es muss uns gelingen, die Frauenerwerbsquote deutlich zu erhöhen, dafür muss die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter vorangetrieben werden - von Angeboten der Kinderbetreuung bis zur Schule. Zweitens: Die Weiterbildung muss ausgebaut werden. Und drittens: Es muss gelingen, dass sich mehr junge Menschen für technische Berufe interessieren und sich für ein Ingenieursstudium entscheiden.

Das klingt aber stark nach altem Wein in neuen Schläuchen.

Saebisch: Wein wird mit den Jahren besser. Das hessische Wirtschaftsministerium gibt für seine Qualifizierungsoffensive in diesem Jahr wie im vergangenen Jahr rund 32 Millionen Euro aus. Die Förderung beginnt bereits in der Schule, da setzen wir an.

Was für Programme sind dies?

Saebisch: Das reicht vom Dualen Studium über die Weiterbildung von Schülern nach der Mittleren Reife bis zu Förderprogrammen für kleine und mittlere Unternehmen, damit sie die Fachkräfte schulen können - um nur einige Bausteine zu nennen. Wir werden auch den Fokus des Hessischen Ausbildungspakts, der 2012 zur Verlängerung ansteht, auf das Thema Fachkräftesicherung legen. Unter anderem muss es darum gehen, die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger zu steigern, damit möglichst viele einen Berufsabschluss erreichen können. In den Jahren zuvor war es vorrangige Aufgabe des Paktes, Lehrstellen einzuwerben. Inzwischen sind Angebot und Nachfrage aber ausgeglichen.

Wie wollen Sie die Arbeitgeber ins Boot holen? Letztlich schaffen sie die Jobs.

Saebisch: Zum Teil engagieren sich die Arbeitgeber bereits - überwiegend auf ehrenamtlicher Basis. Zum andern müssen die Unternehmer künftig stärker in die Schulen gehen, um für technische Berufe zu werben. So macht es zum Beispiel der TÜV Süd, dessen Aufsichtsrat ich angehöre.

Steffen Saebisch (FDP) ist Staatssekretär im Hess. Wirtschaftsministerium

Veranstaltungstipp: Am Freitag, 4.Februar, von 16.30 bis 19 Uhr findet in Baunatal, Hotel Ambassador, Friedrich-Ebert-Allee 1, eine Diskussionsveranstaltung der FDP-Bundestagsfraktion zum Thema „Fachkräftemangel und Ausbildung im Ländlichen Raum“ statt. Anmeldung per Mail bei hartmanns@fdp-bundestag.de

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.