Aktienkursverluste nach Dieselskandal

Hessen verklagt Volkswagen wegen Verlusten von 3,9 Millionen Euro

Wiesbaden. Das Land Hessen will von Volkswagen Schadenersatz wegen des Absturzes der VW-Aktien.

Eine Klage gegen den Autobauer werde in den kommenden Tagen beim Landgericht Braunschweig eingereicht, bestätigte das Finanzministerium. Es geht um Kursverluste von fast vier Millionen Euro.

Warum hielt das Land Hessen VW-Aktien?

Die Papiere steckten in einem Pensionsfonds für die Versorgung von Landesbediensteten. Sie machten zwei Prozent des gesamten Aktienpakets aus, das sich wiederum an den Nachhaltigkeitsindex Euro Stoxx ESG Leaders 50 hält. Dorthin schaffen es nur Unternehmen mit besonders hohen sozialen und ökologischen Standards und guter Unternehmensführung. Nachdem der Abgasbetrug bekannt geworden war, flogen die VW-Aktien aus dem Index, und der Pensionsfonds verkaufte sie – mit einem Kursverlust von 3,9 Millionen Euro. Im Zuge des Dieselskandals hatte die VW-Aktie zwischenzeitlich bis zu 40 Prozent an Wert verloren.

Kursverluste sind bei einem Aktiengeschäft immer möglich. Weshalb kann das Land dagegen klagen?

Das Land setzt den Hebel beim Wertpapierhandelsgesetz an. Danach müssen börsennotierte Unternehmen Anleger frühzeitig informieren, wenn ihnen Umstände bekannt werden, die den Börsen- oder Marktpreis erheblich beeinflussen können. Das aber hat VW nach Auffassung des Landes Hessen nicht getan.

Ist Hessen das einzige Bundesland, das von VW Geld zurück will?

Nein. Der Freistaat Bayern will von dem Autobauer 700 000 Euro wegen Kursverlusten eintreiben. Auch Baden-Württemberg prüft juristische Schritte. Alle diese Bundesländer hatten die Aktien in ihren Pensionsfonds.

Wird die VW-Heimat Niedersachsen ebenfalls klagen?

Das hat das Land nicht vor. Begründung: Die Kursverluste seien ja erst durch die Börsenpflichtmitteilung entstanden und schließlich sei das Land kein Aktienhändler, sondern ein langfristig orientierter Anleger. Niedersachsen hält 20 Prozent der stimmberechtigten VW-Stammaktien und hat damit eine Sperrminorität, die unliebsame Beschlüsse stoppen kann. Zudem ist VW ein wichtiger Arbeitgeber, und die SPD sitzt praktisch im VW-Aufsichtsrat.

Wo steht der Aktienkurs zur Zeit?

Die stimmrechtslose Vorzugsaktie, die im Dax notiert ist, steht bei etwa 122,40 Euro, rund 28 Prozent weniger als vor Jahresfrist, Die stimmberechtigten Stammaktien verloren in dieser Zeit etwas mehr als 22 Prozent und kosten nun knapp 130 Euro. Damit hat sich der Kurs schon wieder erholt: Direkt nach Bekanntwerden des Dieselskandals waren die Papiere bis auf 93 beziehungsweise 102 Euro abgesackt.

Rubriklistenbild: © dpa

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