High-Tech fürs Ohr

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Es muss nicht immer dezent sein: Hörgeräteakustikerin Stefanie Wörfel hält ein buntes Hörgerät in die Kamera.

Vogelgezwitscher am Morgen oder Konzerte am Abend: Wer schwerhörig ist, muss auf solche Klangerlebnisse nicht verzichten. Möglich macht’s ein Hörgerät.

Hörgeräteakustiker passen die digitalen Minicomputer an die Ohren ihrer Kunden an. Sie übernehmen die Wartung und Reparatur.

„Mich reizt an dem Beruf die Vielseitigkeit“, sagt Johanna Klose. Die 20-Jährige aus Braunschweig ist im dritten Ausbildungsjahr zur Hörgeräteakustikerin. Sie mag den täglichen Mix aus Kundenberatung, Labortätigkeiten und kaufmännischen Arbeiten. Hinzu kommt, dass jeder Patient anders ist. „Abwechslung gibt es garantiert“, betont Klose.

Am Anfang ihrer Arbeit stehen Tests. Mit ihnen finden die Fachkräfte heraus, wie stark die Hörminderung bei ihren Kunden im Einzelfall ist. Wie gut werden hohe und tiefe Töne oder Sprache wahrgenommen? Dafür geht es darum, mit dem Patienten das richtige Hörsystem auszuwählen. Danach machen Hörgeräteakustiker Abdrücke vom Ohr und vom Gehörgang und fertigen Maßohrstücke an.

Feineinstellung

Ist das Gerät fertig, erklären sie den Kunden, wie sie es pflegen und bedienen. Außerdem sorgen sie für die richtige akustische Feineinstellung. Tätigkeiten wie das Abrechnen mit Krankenkassen gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben. Vom Kleinkind bis zum Senior kommen zu den Spezialisten Patienten in jedem Alter. Zu ihren Kunden gehören auch Berufstätige, die in ihrem Job mit einer erhöhten Geräuschbelastung konfrontiert sind und einen Gehörschutz brauchen.

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„Moderne Hörsysteme sind derart komplex, dass ausschließlich ausgebildete Hörgeräteakustiker in der Lage sind, diese an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen“, erläutert Marianne Frickel. Sie ist Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker. Qualifizierter Nachwuchs sei in den rund 5000 Fachgeschäften mit über 12 000 Hörgeräteakustikern gesucht. Zurzeit erlernten rund 2400 Auszubildende den Beruf.

Wer sich für die Ausbildung interessiert, sollte mindestens die Mittlere Reife mitbringen. Jeder Zweite (50 Prozent) Azubi hat sogar Abitur. Angehende Fachkräfte müssen nicht nur technikaffin, sondern auch naturwissenschaftlich begabt sein. Da regelmäßig Messverfahren mit akustischen Größen auf der Tagesordnung stehen, sind auch mathematische Kenntnisse gefragt.

„Unabdingbar ist ein freundliches, kommunikatives und zuvorkommendes Auftreten sowie eine ausgeprägte Servicementalität“, sagt Günter Steinmeier. Er ist Vorsitzender des Fachverbands Deutscher Hörgeräteakustiker in Braunschweig.

Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule

Die dreijährige Ausbildung machen Jugendliche im Betrieb vor Ort sowie in Lübeck. Dort besuchen sie insgesamt zehn Monate die Landesberufsschule, die ein Teil der Akademie für Hörgeräte-Akustik ist. Sie ist die zentrale Bildungsstätte in Deutschland für diesen Beruf. Dort stehen auf dem Lehrplan Fächer wie Reparaturtechnik oder Hörsystemprogrammierung. Gleichzeitig besuchen die Schüler Kommunikationstrainings, in denen sie einen einfühlsamen Umgang mit den Kunden üben.

Die Kosten für den Besuch der Berufsschule und die überbetriebliche Ausbildung an der Akademie übernimmt in der Regel der Ausbildungsbetrieb. Nicht immer finanziert er auch die Fahrt und Unterkunft plus Verpflegung – hier muss der Azubi gegebenenfalls einen Teil zuzahlen.

In jedem Fall erhalten die angehenden Hörgeräteakustiker eine Ausbildungsvergütung. Der monatliche Brutto-Betrag schwankt zwischen 455 und 565 Euro im ersten, 536 und 615 Euro im zweiten sowie 582 und 700 Euro im dritten Jahr. „Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt eines Hörgeräteakustikers durchschnittlich bei 1700 Euro brutto“, erzählt Günter Steinmeier.

Fertig ausgebildete Hörgeräteakustiker haben breite Weiterbildungsmöglichkeiten – zum Meister, Tinnitus-Spezialist oder Pädakustiker.

Darum macht sich Johanna Klose derzeit keine Gedanken. Erst steht für sie die Gesellenprüfung an. Die praktische Arbeit im Betrieb gefällt ihr sehr: „Wenn der Kunde mit seinem Hörgerät optimal versorgt und zufrieden ist, das ist ein schönes Gefühl.“ (tmn)

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