Moderne Ausbildungsberufe mit Zukunft (7): Ausbildung zum Feinwerkmechaniker

Hightech und Handarbeit

Azubi Alexander Herold: Das eigenständige Arbeiten an der Maschine macht ihm besonders viel Spaß. Foto: Hübner

Moderne Maschinen, wie industrielle Produktionsanlagen, bestehen aus vielen metallenen Bauteilen, die mit äußerster Präzision gefertigt werden. Bohrungen, Aussparungen oder Vertiefungen müssen sich exakt an den vorgeschriebenen Stellen befinden, damit eine Anlage zum Beispiel Spezialschrauben für den Automobilbau, Verpackungen für Lebensmittel oder Infusionsflaschen für Kliniken in gleichbleibend hoher Qualität herstellen kann.

Meister der Präzision

Feinwerkmechaniker fertigen solche Bauteile für die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche. In der Regel arbeiten sie mithilfe der Steuer- und Regelungstechnik sowie computergestützter CNC-, CAD-, CAM- und CAQ-Techniken, für die individuelle Steuerungsprogramme erstellt werden. Sie wählen die geeigneten Maschinen und Werkzeuge, etwa Drehmeißel, Fräsmaschine und Bohrmaschine sowie Prüfmittel aus. Dabei ist ein exaktes Arbeiten unerlässlich. Oft muss die Anfertigung auf einen tausendstel Millimeter genau sein.

Die dreieinhalbjährige Ausbildung ist anspruchsvoll und vielseitig. Sie erfordert sowohl handwerkliches Geschick als auch ein technisch-abstraktes Denken. Das Drehen, Bohren und Fräsen per Hand gehört ebenso zu den Ausbildungsinhalten wie Materialkunde und das Programmieren und Betätigen numerisch gesteuerter Maschinen.

Räumlich denken

„Bei unseren Azubis achten wir neben dem unerlässlichen guten Verständnis für Mathematik und Physik auch auf die Kunstnote“, sagt Andreas Erdmann, Mitinhaber der Firma Hanf & Erdmann in Hofgeismar. Durch ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und die Kunst des Denkens in fünf Achsen muss ein komplexes Bauteil exakt erfasst werden können, um es für die Fertigung umsetzen zu können.

Die Hanf & Erdmann GbR ist ein Unternehmen im Bereich der Zerspanungstechnik und Einzelteilanfertigung. Überwiegend werden Prototypen und Vorserien für die Automobil- und Rüstungsindustrie erstellt. Von Anfang an werden hohe Ansprüche an die Azubis gestellt. „Bei uns arbeiten sie in der laufenden Produktion mit, jedes Teil muss verkaufbar sein und wird gebraucht“, sagt Andreas Erdmann. Das bringt eine hohe Motivation, erfordert aber auch gewissenhaftes Arbeiten.

„Wir setzen auf Teamplayer, die sich gegenseitig motivieren und unterstützen“, sagt Andreas Erdmann. Durch diese Firmenphilosophie erhalten auch Bewerber mit Handicap eine Chance – wie Jens Rehrmann, Azubi im ersten Lehrjahr, der bei einem Unfall die Finger einer Hand verloren hat. „Ich wollte trotzdem etwas Handwerkliches machen“, erzählt Jens Rehrmann. „Beim Bedienen der Maschinen geht das ohne Probleme.“ Und sein Kollege aus dem vierten Ausbildungsjahr, Alexander Herold, ergänzt: „Bei diesem vielseitigen Beruf ist gerade beim Programmieren vor allem Köpfchen gefragt. Das macht genauso viel Spaß, wie das Fertigen von Einzelteilen an der eigenen Maschine.“

Von Sandra Hübner

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