Schäfer verdienen wenig, obwohl Lämmer für den Kunden teuer sind

Hirte aus Leidenschaft

Kassel. Ein lautes Pfeifen ertönt. Die Herde blickt auf, setzt sich gleichförmig in Bewegung. Schiebt sich dicht gedrängt über die Kasseler Buga-Wiesen. „Die wissen genau, wenn ich nochmal pfeife kommt der Hund“, sagt Schäfer Frank Plötzer und blinzelt unter seinem Hut hervor. Seine Haut ist gegerbt von Sonne und Wind.

Seit 34 Jahren hütet er Schafe. Mindestens zehn Stunden an 365 Tagen im Jahr. Hirten verdienen wenig. Laut Bundesagentur für Arbeit verdient ein Lohnschäfer zwischen 1530 und 1871 Euro Brutto im Monat. Und das obwohl Lammfleisch teuer ist, besonders zu Ostern. Für ein Kilogramm Lammkeule bezahlt der Verbraucher derzeit in der Regel 7,99 Euro. Im Vorjahr waren es noch 5,99 Euro. Aber davon profitiert der Schäfer nicht.

Trotzdem liebt der 53-Jährige seinen Knochenjob. Er hütet 550 Schafe. Hauptsächlich Deutsche Schwarzköpfe. Einige Coburger Füchse und Merinos tummeln sich in seiner Herde. Angestellt ist er bei Hubertus Dissen, der rund 1000 Mutterschafe besitzt und stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Schafzuchtverbands ist.

Nur noch 120 Schäfer

Das Schäferleben ist hart, erzählt Dissen. Früher habe eine Familie von einer Herde mit 300 Tiere leben können. „Heute braucht man 1000 Mutterschafe.“ In den 60er-Jahren gab es 2500 hauptberufliche Schäfer in Hessen. Heute sind es noch 120. In Niedersachsen sieht es ähnlich aus, hier gibt es noch 450 Schäfer und die Situation wird sich weiter verschärfen. „In zehn bis 15 Jahren verlieren wir etwa 25 000 Mutterschafe.“ Dissen macht sich Sorgen um den Berufsstand. Die aufwendige Verwaltung, der schmale Verdienst sind für junge Menschen unattraktiv. „Man muss Idealist sein“, sagt er. Selber mit den Tieren über die Wiesen ziehen kann er schon lang nicht mehr – er macht Büroarbeit. Die Herde übernimmt Plötzer für ihn.

„Wir leben von der Landschaftspflege und der Fleischproduktion“, erklärt er. An der Wolle verdient er nichts. Im Mai werden die Schafe geschoren. Die Schur kostet ihn zwei Euro pro Tier. Jedes Schaf trägt zwei bis drei Kilogramm Wolle. Pro Kilogramm verdient er 40 bis 60 Cent.

Schafe gebären drei mal in zwei Jahren, werden im Schnitt acht Jahre alt und bringen sechs bis acht Lämmer zur Welt. Geschlechtsreif sind sie mit 18 Monaten. Bei Dissen werden etwa 1000 Tiere pro Jahr geboren. Vier bis sechs Monate brauchen Lämmer bis zur Schlachtreife. Ein Osterlamm wiegt 45 Kilo. „Momentan sind die Preise gut“, sagt Dissen, „wir bekommen 2,50 Euro pro Kilo.“ Der Preis gilt für lebendige Tiere. Ein Lamm bringt 20 bis 24 Kilo Fleisch. Im Sommer fallen die Preise wieder: „Zu Ostern und vor dem muslimischen Kurbanfest im Herbst ist die Nachfrage höher, dass beeinflusst den Preis.“

Von Alia Shuhaiber

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