HNA-Interview mit Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Rainer Stöttner von der Universität Kassel

HNA-Interview: Hat es Sinn, dass die D-Mark zurückkehrt?

Symbolbild D-Mark

Kassel. Verunsicherung macht sich breit: Krise in Griechenland, portugiesische und spanische Haushaltsdefizite und der sinkende Eurokurs. An deutschen Stammtischen wird der Ruf nach der Rückkehr der D-Mark (DM) laut.

Wir sprachen mit dem Kasseler Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rainer Stöttner über das Stammtisch-Szenario.

Herr Stöttner, wäre es möglich, die D-Mark wieder einzuführen?

Prof. Rainer Stöttner: Praktisch ist die Idee mit der D-Mark natürlich nicht umsetzbar. Theoretisch – rein theoretisch – könnten wir aber aus dem Vertrag von Maastricht austreten und die Mark zurückholen. Das wäre aber ein großer Fehler.

Wäre die Rückkehr der Mark besser für Deutschland als die Gemeinschaftswährung Euro?

Stöttner: Das Problem der Abwertungswettläufe käme wieder auf. Ein Vorteil wäre, dass wir eine autonome Geldpolitik zurückgewonnen hätten. Ob die DM wirklich besser wäre, müsste sich im Laufe der Zeit erweisen.

Was würde denn an der Börse passieren, wenn die Mark wieder auftaucht?

Stöttner: Es könnte sein, dass es zur DM-Nachfrage kommt. Der Wechselkurs würde steigen. Was schlecht für deutsche Exporte wäre. Wenn die Mark als starke Währung gilt, dann werden ausländische Investoren verstärkt in Deutschland investieren. Dadurch käme es zu einem Kapitalzustrom. Das heißt, mehr Geld im Markt drückt auch den Zinssatz in Deutschland. Für die Binnenkonjunktur wäre das positiv. Es könnte aber auch zur Inflation kommen.

Welche Folgen hätte die Mark für deutsche Unternehmen?

Stöttner: Kleine Unternehmen, die fast nichts im- oder exportieren, dürften kaum Auswirkungen spüren. Mittlere wären am ehesten betroffen. Wenn der DM-Kurs steigt, könnten sie zwar günstig importieren, die Exportchancen wären aber schlechter. Große Konzerne würden steigende und sinkende DM-Kurse mit anderen Devisen und Standorten kompensieren.

Und was wäre mit uns Verbrauchern?

Stöttner: Würde die DM aufgewertet, hätte der Verbraucher Vorteile: Alles was importiert wird, wird dann günstiger. Er könnte durch den günstigeren Wechselkurs zum Beispiel billiger in den Urlaub fahren. Aber: Arbeitsplätze, die vom Export abhängig sind, stünden auf dem Spiel, weil die deutschen Produkte aus der Sicht des Auslands zu teuer wären.

Wäre die Heimkehr der Mark vielleicht der Anfang einer neuen Wirtschaftskrise?

Stöttner: Das würde ich nicht sagen. Es würde in Europa zu einer ernsten politischen Krise führen. Die EU würde vielleicht deswegen zerfallen.

Wie lang würde die Währungsumstellung – mit Logistik und allen anderen Faktoren – von Euro auf Mark bei uns dauern?

Stöttner: Sicher so lang wie der Vorlauf bei der Euro-Einführung. Mindestens aber zwei Jahre.

Was sind die größten Vorteile des Euro?

Stöttner: In der EU müssen wir nicht umrechnen, es gibt mehr Transparenz bei den Preisen. Zudem gibt es keinen Abwertungswettlauf in der Euro-Zone mehr. Außerdem wirkt der Euro disziplinierend auf die politische Entscheidungsfindung. Er wirkt harmonisierend auf die europäische Wirtschaftspolitik.

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