Ein Hoch auf den Bachelor

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Strukturiertes Studium: Eine Studentin lernt am Freitag in einer Bibliothek der Universität Hamburg.

Früher war das Studium in Fächern wie Germanistik mitunter eine einzige Orientierungseinheit: Bis man herausgefunden hatte, was man darin lernen sollte, waren schnell zehn Semester vorbei. Und wer den Weg durchs Studium nicht auf eigene Faust fand, blieb oft auf der Strecke.

Das hat sich mit dem Bachelor geändert: Sein strenges Pflichtprogramm gibt in der Regel genau vor, welche Kurse Studenten wann belegen müssen. Die Bologna-Reform hat damit auch ihr Gutes: Planlos draufloslernen war gestern – heute ist Studieren mit Struktur das Motto.

Mehr Orientierung

Viele schimpfen zwar auf den Bachelor: Zu verschult ist er vielen Studenten. Sie beklagen die vielen Vorgaben und fehlende Freiheit im Studium. Beides hat beispielsweise für angehende Kulturwissenschaftler und Kunsthistoriker aber nicht nur Nachteile: „Der Bachelor hat mehr Struktur gebracht, und das ist etwas, was den Geisteswissenschaften früher oft abgegangen ist“, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk (DSW). Er hat Geschichte, Germanistik und Philosophie studiert und weiß, dass ein Studium in diesen Fächern früher bisweilen einem Survival-Camp glich: „Wir mussten uns ja noch selbst den Weg durch den Dschungel schlagen.“ Die damit verbundene Orientierungslosigkeit habe vielen zu schaffen gemacht.

Dass das Motto „Früher war alles besser“ so nicht stimmt, meint auch Ulrich Heublein vom Hochschul-Informations-System in Hannover. „Es ist nicht so, dass wir paradiesische Zustände hatten und jetzt in der Hölle schmoren.“ Vielmehr gibt es Verlierer der Reform, aber auch Gewinner. So zeigt ein Blick auf die Abbrecherquoten, wie unterschiedlich sich die Bachelor-Umstellung ausgewirkt hat: „In den Ingenieur- und Naturwissenschaften hat das neue Prüfungsreglement dazu geführt, dass wir mehr Studenten verlieren“, erläutert Heublein.

In den Sprach-, Kultur- und Sozialwissenschaften sind die Abbruchquoten dagegen zurückgegangen. Indem die Reform in den Geisteswissenschaften mehr Orientierung gebracht habe, sei der Studieneinstieg einfacher und klarer geworden, erklärt Heublein. Es sei heute in Fächern wie Germanistik leichter möglich, die innere Logik eines Studiengangs zu verstehen. Ein klarer Studienplan ist nichts Schlechtes. Mehr Struktur und weniger Freiheit ist für viele gut“, sagt Grob.

Eine Sozialerhebung des DSW zeigt zudem: Die zeitliche Belastung im Bachelor ist keineswegs höher als bei Studenten im alten System. So haben Bachelor-Studenten an der FH eine 44-Stunden-Woche, wenn Studium und Nebenjob zusammengerechnet werden. Ihre Kommilitonen an der Uni kommen auf 43 Stunden. Ein Diplom-Student an der Fachhochschule hat aber 46 Wochenstunden, in Staatsexamensfächern wie Jura sind es 49. (tmn)

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