Kasseler Fraunhofer-Institut lieferte neuartige Steuerung für gigantische Anlagen

Hochsee-Windpark läuft

Symbolischer Knopfdruck: Eon-Chef Wulf Bernotat, Umweltminister Norbert Röttgen, Tuomo Hataka (Vattenfall) und Werner Brinker (EWE) nahmen am Dienstag „apha ventus“ offiziell in Betrieb (von links). Foto: dpa

Norddeich/Kassel. Gestern ging vor Borkum der weltweit erste Hochsee-Windpark (off shore) „alpha ventus“ in Betrieb. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) drückte symbolisch auf den Startknopf. Mit dem 250-Millionen-Euro-Projekt 45 Kilometer nördlich der Nordsee-Insel wollen die deutschen Windenergie-Unternehmen und Stromversorger Erfahrungen mit den riesigen Anlagen im offenen Meer sowie mit der künftigen Einbindung zahlreicher geplanter Windparks in die Stromnetze sammeln.

Wenn „alpha ventus“ mit seinen zwölf Anlagen der Fünf-Megawatt-Klasse erfolgreich ist, ist das auch ein Verdienst des Kasseler Fraunhofer-Instituts für Windenergie- und Energiesystemtechnik (Iwes/früher Iset). Denn die Kasseler Forscher sind vom Bundesumweltministerium als wissenschaftliche Koordinatoren für dieses Projekt eingesetzt worden. Ihre Hauptaufgabe bestand und besteht vor allem darin, die insgesamt 15 bundesweit verstreuten Einzelprojekte bei anderen Instituten zu organisieren und zusammenzuführen.

Gleichzeitig entwickelten die Kasseler Iwes-Experten eine neuartige Einzelblattsteuerung für die gewaltigen Rotoren, die eine höhere Energie-Ausbeute ermöglichen. Noch wichtiger ist jedoch die Verringerung der Belastung für die Anlagen, was wiederum deren Lebensdauer verlängert. Die Komplexität der Steuerung ist der des Autopiloten des Super-Airbusses A380 vergleichbar.

„Wir sind stolz und froh, bei der Pionierarbeit für die Entwicklung der deutschen Off-Shore-Technologie dabei sein zu dürfen“, sagt der Leiter des Iwes, Prof. Jürgen Schmid.

Ein Teil der Arbeit des Iwes und seiner Partnerinstitute bei diesem Projekt beginnt eigentlich erst jetzt. Denn neben einem großangelegten Windmessprogramm startet nun auch die Einbindung (Integration) solcher Kraftwerke in die bestehenden Netze. Ziel ist mittel- und langfristig die Schaffung eines europäischen Supernetzes, das die starken Schwankungen ausgleicht, die bei der zunehmenden Einspeisung von Wind- und Solarstrom entstehen.

„alpha ventus“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Energieversorger Eon, Vattenfall und EWE. Zwei Windradtypen kommen zum Einsatz. Die höchsten ragen 155 Meter aus dem Wasser. Die Gondeln mit Rotoren und Naben allein wiegen je 410 Tonnen. Das entspricht einem beladenen Jumbojet. Der Testpark kann 50 000 Haushalte mit Strom versorgen. Geplante Windparks werden bis zu 80 dieser gigantischen Anlagen umfassen und leisten 400 Megawatt. Das ist soviel wie ein mittelgroßes herkömmliches Kraftwerk. Bis 2030 sollen 25 000 Megawatt in deutschen Hoheitsgewässern installiert werden. Das entspricht der Leistung von mehr als 20 großen Kohle- oder Atomkraftwerken.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.