Steuern und Hypothekenzinsen steigen - Experten raten von überstürzten Käufen ab

Höhere Preise für Immobilien

München/Göttingen. Wer sich eine Immobilie zulegen will, kann in diesen Tagen ganz schön ins Schwitzen geraten: Kredite sind teurer geworden, Baugeldvermittler sagen für 2011 weiter steigende Hypothekenzinsen voraus. Zugleich haben die Immobilienpreise angezogen.

In vier Bundesländern wird zudem ab 1. Januar die Grunderwerbssteuer erhöht. Das kann gleich noch einmal viele tausend Euro mehr kosten. Sollte ein Objekt nicht besser noch bis Silvester gekauft werden, weil es 2011 teurer wird?

Nichts überstürzen, rät Felix Schnellbacher vom Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp). Eine so große Investition wie ein Hauskauf dürfe nicht unter Zeitdruck geschehen. Warten koste nur Geld, meint dagegen Robert Haselsteiner, Vorstand des Münchner Baufinanzierungsvermittlers Interhyp. Seit Anfang September seien die Bestsätze für Kredite mit Zehnjahresbindung um bis zu 0,7 Prozentpunkte gestiegen.

Gefahr höherer Zinsen

Allein dieser moderate Anstieg verteuert ein 150 000-Euro-Darlehen binnen weniger Wochen über die gesamte Laufzeit von zehn Jahren um 10 500 Euro, so die Berechnungen Haselsteiners. Tendenz weiter steigend. Die Gefahr, dass 2011 deutlich höhere Zinsen bringe, sei nicht zu unterschätzen. Als Grund nennt der Zinsexperte unter anderem die inflationsfördernde Politik der US-Notenbank sowie der Europäischen Zentralbank.

Auch Kai Oppel vom Baufinanzierungsvermittler Hypothekendiscount ist davon überzeugt, dass der Tiefpunkt bei den Zinsen überschritten ist. Was den Geldbeutel außerdem leere, seien die steigenden Nebenkosten in Niedersachsen, Brandenburg, Bremen und im Saarland. In diesen Bundesländern wird der Immobilienkauf grundsätzlich teurer, weil die Grunderwerbssteuer 2011 von derzeit 3,5 auf vier respektive fünf Prozent erhöht wird.

„In Niedersachsen steigt die Grunderwerbssteuer von 3,5 auf 4,5 Prozent. Das ist Landessache, da sind wir keine Ausnahme“, sagt Detlef Johannson, Sprecher der Stadt Göttingen. In Hessen bleibt der Steuersatz mit 3,5 Prozent stabil.

„Da wird sich der eine oder andere Kaufinteressent schon überlegen, ob er den Erwerb nicht doch lieber dieses Jahr noch beurkunden lässt, auch wenn die Zeit knapp wird“, erläutert Jörg Sahr, Immobilienspezialist von „Finanztest“. Das habe aber nur Sinn, wenn bereits ein Objekt fest ins Auge gefasst sei. Jetzt noch schnell ein Haus zu kaufen, nur um Steuern zu sparen oder sich billigere Zinsen zu sichern, sei wenig ratsam.

Preise ziehen wieder an

Die vielerorts wieder anziehenden Immobilienpreise dürften manchem Käufer ebenfalls Kopfzerbrechen bereiten. Mit den Hypothekenzinsen sind auch die Preise für selbst genutztes Wohneigentum seit Wochen nach oben gegangen - vor allem fürs Häuschen im Grünen. Ungeachtet aller Unkenrufe, was die Zins- und Preisentwicklung im nächsten Jahr angeht, sollten sich noch unentschlossene Kaufinteressenten nicht unter Druck setzen lassen, empfiehlt Verbraucherschützer Sahr. (dpa)

Von Berrit Gräber

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