Steigende Getreide- und Milchpreise stimmen deutsche Landwirte optimistisch

Hoffnung nach der Flaute

Kassel / Göttingen. Die Bauern in Deutschland rechnen nach den Gewinneinbrüchen in den Wirtschaftsjahren 2008/2009 und 2009/2010 wieder mit einem Aufschwung. Grund für den Optimismus ist der Boom bei Agrarexporten. Dem jetzt vorgestellten Situationsbericht 2011 der Branche zufolge stiegen die Ausfuhren von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf einen Wert von 37,8 Milliarden Euro.

Unter der schlechten Ertragslage haben in der Vergangenheit auch die Einkommen der Bauern gelitten. Das Durchschnittseinkommen eines Landwirts war im Wirtschaftsjahr 2009/10 auf 22 000 Euro gesunken. Im Jahr zuvor waren es 23 700 Euro. Das entspricht einem monatlichen Brutto von zuletzt 1830 Euro.

Dies ist das Einkommen einer Familienarbeitskraft. Das Einkommen eines Betriebes kann je nach Anzahl der auf dem Hof tätigen Familienmitglieder höher liegen.

Besonders floriert in jüngster Zeit der Export von Milchprodukten: Der Ausfuhrwert stieg um fast 20 Prozent auf rund 5,5 Mrd. Euro. Die Exporte nach Russland, dem wichtigsten Nicht-EU-Staat, legten um 30 Prozent zu. Im Oktober bekamen die Bauern von den Molkereien 32,6 Cent je Liter Milch - fast zehn Cent mehr als im Vorjahr. Von Juli 2009 bis Juni 2010 hatte sich das Einkommen der rund 335 000 landwirtschaftlichen Betriebe um sieben Prozent verschlechtert, nachdem sie im Jahr 2008/2009 schon ein Minus von 25 Prozent verkraften mussten. Die kräftigsten Einbußen gab es damals bei den Ackerbauern: Das Ergebnis sank pro Hof um 22 Prozent auf 32 300 Euro. Bei Öko-Betrieben brach das Ergebnis um 15 Prozent auf 39 000 Euro ein.

Auf fast allen Agrarmärkten hätten sich die Preise im Laufe des Jahres spürbar verbessert, sagt Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes. „Wir erwarten, dass die Preise sich nach wie vor positiv in der zweiten Hälfte des Wirtschaftsjahres entwickeln.“

„In Hessen profitieren vor allem wieder die Getreide- und Milchbauern“, sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbands. Der Preis pro Tonne Brotweizen notiere aktuell bei 193,20 Euro, im Dezember des Vorjahres bei 102,20 Euro. Das Einkommen der hessischen Landwirte lag im vergangenen Wirtschaftsjahr mit rund 1858 Euro leicht über dem Bundesdurchschnitt. „Was den Ackerbauern Geld in die Kassen spült, belastet aber die Tierbauern, die das Korn als Mastfutter verwenden“, sagt Achim Hübner, Geschäftsführer von Landvolk Göttingen. Auch in Südniedersachsen sind es die Getreide- und Milchbauern, die mit steigenden Einkommen rechnen. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen liegt das Bruttoeinkommen derzeit bei knapp 2486 Euro im Monat.

Bauern wollen investieren

Trotz der Krise haben nach Angaben des Verbands weniger Höfe als sonst aufgegeben. Die Bauern wollen sogar kräftig investieren: Sieben Mrd. Euro im nächsten Halbjahr, vor allem in nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie.

Von Jan Baetz

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